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Börsen-Crash:Der reichste Mann Chinas hat 3,6 Milliarden verloren

Key Speakers At The World Economic Forum Annual Meeting Of The New Champions 2013

Bekannt für seinen Ehrgeiz: Investor Wang Jianlin (Archivbild aus dem Jahr 2013).

(Foto: Bloomberg)
  • Der Immobilien-Investor Wang Jianlin hat beim Crash der chinesischen Börsen Einbußen in Milliardenhöhe hinnehmen müssen.
  • Die 15 wohlhabendsten Menschen der Welt haben an nur einem Tag gemeinsam 27,5 Milliarden Dollar verloren.

Von Katrin Langhans

Gerade erst ist er zum reichsten Mann Chinas geworden, schon fängt sein Reichtum an zu bröckeln. Vor einer Woche noch stand der Immobilien-Investor Wang Jianlin, 61, in den Schlagzeilen, weil er mit einem geschätzten Vermögen von 42,6 Milliarden Dollar den Hongkonger Unternehmer Li Ka-Shing überholt hatte - und damit zum wohlhabendsten Mann in ganz Asien geworden war. Dann kam der Crash. Am Montag übertrumpfte Wang Jianlin wieder ein paar Superreiche, sogar weltweit, darunter Microsoft-Gründer Bill Gates und Starinvestor Warren Buffett - nur dass die Summe, um die es diesmal ging, kein Plus war, sondern ein Minus.

Keiner bekam den Absturz der chinesischen Börsen so heftig zu spüren wie Wang Jianlin. Der Investor verlor am Montag 3,6 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro. Das ist etwa zehn Prozent seines derzeitigen Vermögens. Diese Summe geht aus dem täglich berechneten Milliardärsindex der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hervor. Auch der zweitreichste Mann Chinas, Jack Ma, musste einen Teil seines Vermögens einbüßen. Mit einem Verlust von 545 Millionen Dollar traf es ihn nicht ganz so hart wie Wang.

Nimmt man aber die 15 reichsten Menschen der Welt zusammen, dann ist das Ergebnis beträchtlich: Zusammengezählt haben diese an nur einem Tag rund 27,5 Milliarden Dollar verloren. So musste auch Bill Gates einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar verkraften und Warren Buffett verlor zwei Milliarden Dollar - jedenfalls auf dem Papier.

Herrscher über die Hotel- und Freizeitlandschaft

Erst wer seine Aktien verkauft, realisiert den Buchverlust. Wang Jianlin dürfte das kaum ein Tost sein. Der Investor, der in der Provinz Sichuan aufgewachsen ist, beherrscht in China zu weiten Teilen die Hotel- und Freizeitlandschaft. Nach 16 Jahren bei der chinesischen Armee und seinem Studium an der Liaoning University zog es ihn zunächst zur Verwaltung und dann zum Immobiliensektor, dem Kerngeschäft der Dalian Wanda Real Estate Group, einem gigantischen Immobilien- und Freizeitimperium, das Wang seit zwölf Jahren leitet. Am Anfang konzentrierte sich sein Geschäft auf Immobilien und Grundbesitz, später weitete er es aus. Wang ist heute nicht nur Chinas größter Luxushotelbetreiber, er besitzt Karaokestudios, Vergnügungsparks und Filmstudios. Wang kaufte auch die US-Kinokette AMC Entertainment und besitzt mehrere Tausend Leinwände in Amerika.

Wang beschrieb seine Unternehmensphilosophie einmal so: Er überlege sich, wo die Chinesen noch nicht aktiv seien und schaffe dann eben jenes Freizeitangebot, zum Beispiel Fußball und Skifahren.

Zweimal schon in diesem Jahr hat Wang Jianlin auch in den europäischen Fußball und in Sportrechte investiert. Anfang des Jahres übernahm er für 1,2 Millionen Dollar das schweizerische Vermarktungsunternehmen Infront, das seine Einnahmen unter anderem mit dem DFB-Pokal generiert und im April kaufte er für 45 Millionen Euro einen Anteil von 20 Prozent am spanischen Fußballmeister Atlético Madrid und wurde dritter Großaktionär. Dass Wang gerade in diesen Verein investierte, ist wohl kein Zufall. Nachwuchstalente des chinesischen Fußballs trainieren in der Jugendabteilung des Klubs. Demnächst sollen außerdem in China ein halbes Dutzend weiterer Klubs eröffnen.

Wie sportlich Jianlin seinen Verlust nehmen wird, bleibt abzuwarten. Er ist nicht nur bekannt für die strikte militärische Art sein Unternehmen zu führen, sondern auch für seinen Ehrgeiz. Als ihm ein Bankmitarbeiter in seiner Anfangszeit als Selbständiger einen Kredit verwehrte, soll er ihm fünfzig Mal aufgelauert sein und sich geschworen haben, sein Unternehmen zur Nummer eins in der Welt zu machen.

© SZ vom 27.08.2015

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