Munich Economic Debates:In der neuen Welt wird jeder gebraucht

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Munich Economic Debates: Elisabeth Denison ist Chief People Officer bei Deloitte.

Elisabeth Denison ist Chief People Officer bei Deloitte.

(Foto: oh)

Demografie und Digitalisierung verändern die Arbeitskultur. Unternehmen müssen sich darauf einstellen - im eigenen Interesse und für die Gesellschaft, fordert die Beraterin Elisabeth Denison.

Von Sophie Kobel

Was wünschen sich junge Menschen von ihrem Arbeitgeber? New Work, Remote Leadership, Sustainability-Bootcamp, Work-Life-Blending. Würde man den Vortrag von Elisabeth Denison nur lesen und nicht im Live-Stream sehen und hören, könnte sie auch als Gründerin eines hippen Start-ups in einem Berliner Hinterhof durchgehen. Wie selbstverständlich verwendet Denison, ihre offizielle Bezeichnung bei Deloitte lautet denn auch Chief People Officer, Business-Anglizismen bei ihrem Vortrag im Rahmen der "Munich Economic Debates", die das Ifo-Institut und die Süddeutsche Zeitung veranstalten. Doch es braucht keine Fachbezeichnungen, um zu verstehen, was Denison meint: Nicht nur Unternehmen im Silicon Valley müssen lernen, modern zu denken. Sondern alle.

Je digitalisierter die Welt wird, desto stärker verändert sich auch der internationale Arbeitsmarkt. Die Covid-19-Pandemie wirkt zusätzlich wie ein Verstärker dieses Prozesses. Angestellte fordern von ihrem Arbeitgeber durchdachte Plattformen für den virtuellen Austausch mit ihrem Team. Sie möchten einen Alltag, bei dem sie gemeinsame Ziele mitbestimmen dürfen und auch mal drei Wochen von Portugal aus arbeiten dürfen. Auch der klassische Nine-to-five-Arbeitstag mit der einstündigen Mittagspause wird für viele immer weniger relevant. Am Ende zählt doch das Resultat. "Wir wollen uns mehr auf den Output konzentrieren und nicht auf den Input, also die Zeit und Energie, die es dafür gebraucht hat", sagt Denison. Für sie steht fest: Ändern und öffnen sich Unternehmen in dieser Hinsicht nicht, gewinnen sie in Zukunft keine jungen talentierten Menschen mehr für sich: "Und die brauchen wir alle, um nach vorne zu kommen".

Reines Home-Office, wie es viele Unternehmen seit zwei Jahren kennen, findet die Beraterin allerdings nicht gut. "Auch in der Pandemie sind persönliche Moments that matter, wie wir sie nennen, wichtig. Zum Beispiel das Onboarding neuer Mitarbeiter oder Teammeetings zu Beginn eines neuen Projekts vor Ort. Sonst kommt kein Team-Gefühl auf", erzählt Denison. Menschen wollen die Möglichkeit eines Büros haben, das zeige auch das nagelneue Office von Deloitte in Frankfurt. Über ein Onlinesystem sehen Angestellte, welche Kollegen an welchem Tag anwesend sein werden und buchen sich ebenfalls ein.

"New Work", dieser Begriff fällt häufig. Bei der neuen Art der Arbeit geht es jedoch nicht nur darum, von wo aus Menschen arbeiten und wie sie mit Kollegen kommunizieren. Auch woran man inhaltlich arbeite, werde künftig anders sein. Die Jobs der Zukunft werden weniger aus Routinetätigkeiten bestehen, dafür mehr auf analytische und interaktive Fähigkeiten abzielen: "Mit dem Betriebssystem SAP umzugehen kann schließlich jeder lernen, soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit hingegen nicht", so Denison. Kurz gesagt: Wo eintönige Tätigkeiten wegfallen, bleibt mehr Zeit für Innovatives.

Werden da nicht viele Menschen wie Pflegepersonal oder Fabrikarbeiter ausgeschlossen, während jene aus gebildeten Elternhäusern noch mehr profitieren, fragt ein Zuhörer? Nein, sagt Denison. In der Welt von morgen werden alle gebraucht, unabhängig von ihrem Ausbildungsniveau. Freilich müssen die Unternehmen darauf auch reagieren. Einstellungstests dürften nicht auf reines Wissen abzielen. So engagiere man bei Deloitte nicht nur Top-Qualifizierte. Das ließe sich auch auf andere Bereiche übertragen: "Ja, das Waschen eines alten Menschen kann durch Roboter ersetzt werden, die soziale Komponente nicht. Dafür brauche ich keinen Uni-Abschluss."

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