Mögliche Alstom-Übernahme durch GE "Alstom passt besser zu GE als zu Siemens"

Aus finanzieller Perspektive mag es vielleicht sinnvoll sein, Alstom zu übernehmen, doch lohnt sich ein Zusammengehen auch aus technischen Gründen? "Alstom passt besser zu GE als zu Siemens", sagt Simon Toennessen, Analyst der Credit Suisse in London. Das glaubt auch sein Kollege Volker Stoll von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) : "GE hat Produktlücken im Bereich der Hochspannungsstromübertragung, der Umspannungstechnik, in der Wasserkraft und im Offshore-Windgeschäft." Erst vor wenigen Monaten musste GE mit ansehen, wie Siemens vor der amerikanischen Ostküste den Auftrag bekam, den bislang größten Offshore-Windpark der Vereinigten Staaten zu bauen. Alstom ist im Windgeschäft auf hoher See aktiv und ein Mitbewerber des Münchner Konzerns.

Während Siemens vor allem in den vergangenen Monaten spektakuläre Aufträge in den USA einfahren konnte, ist der Erfolg von GE in Europa bislang noch mäßig. Mit einer Alstom-Übernahme könnte sich das verschieben. Derzeit macht Siemens knapp 45 Prozent seines Umsatzes in Europa. "GE dürfte bei gut 15 Prozent liegen", schätzt Analyst Stoll.

Die "patriotische Besorgnis" der französischen Regierung

Trotz der Konkurrenz: Eine Übernahme von GE könnte mittelfristig aber auch positive Folgen haben. Zum Beispiel auf dem Gasturbinenmarkt. Bisher sind es dort im Wesentlichen vier Wettbewerber: GE, Siemens, Mitsubishi-Hitachi und eben Alstom. Es käme also zu einer Konsolidierung. Außerdem sagt Analyst Stoll: "Die Geschäftsfelder wie Medizintechnik oder Gasturbinen, die im direkten Wettbewerb mit GE stehen, sind im Zuge einer optimalen Produktpositionierung äußerst margenstark." Konkurrenz werde Siemens also eher anspornen.

Ob am 7. Mai die gesamte Elektrobranche nach Berlin oder doch eher nach Paris schauen wird, hängt auch mit der Politik zusammen. Während alle beteiligten Unternehmen eisern schwiegen, meldete sich Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zu Wort: "Die Regierung bringt ihre patriotische Besorgnis und Wachsamkeit zum Ausdruck", sagte er der französischen Zeitung Le Monde. "Diese Besorgnis bezieht sich auf die ernsthafte Gefahr, ein großes Entscheidungszentrum zu verlieren." Die Regierung arbeite an "anderen Lösungen und Szenarien." Eine deutliche Warnung.