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Mobilität:Vergesst doch mal das Auto!

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Noch dominiert der Autoverkehr die Innenstädte. Umfragen zeigen aber, dass vor allem junge Stadtbewohner anders mobil sein wollen.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Eine Zukunft ohne eigenes Fahrzeug ist für viele Menschen unvorstellbar. Wer aber flexibel und nachhaltig mobil sein will, muss die Angst vor Veränderung ablegen.

Es ist gegen jede Vernunft: Obwohl es auf den Straßen immer enger und Sprit noch teurer wird, steigen die Verkaufszahlen von SUVs weiter an. Ganz so, als gäbe es keinen Klimawandel, als wäre Erdöl eine unendlich verfügbare Ressource. Einige Forscher haben für dieses Phänomen eine erstaunliche Erklärung: Angst! Die Angst vor Veränderung und gesellschaftlichen Umbrüchen. Wer sich und seine Familie schützen will, so die Erklärung, fühlt sich in einem Wagen sicherer, der mehr einem mächtigen Rammbock denn einem niedlichen Käfer gleicht.

So gesehen wäre der klobige Geländewagen ein Bollwerk gegen den Wandel, ein trotziges Aufbegehren gegen die schleichende Entwertung des Statussymbols Auto. (Vor-)Urteile wie dieses gibt es in der Psychologie des Autofahrens zuhauf. Männern im Sportwagen wird gern nachgesagt, sie wollten ihre Potenz zur Schau stellen, Frauen in kleinen, bunten Flitzern auf sich aufmerksam machen. Egal, was da nun dran sein mag. Fest steht: Autofahren ist eine hochemotionale Angelegenheit. Wer zum Beispiel Tempo 30 in Städten oder gar ein Limit auf Autobahnen in Deutschland fordert, dem droht nach wie vor ein Sturm der Entrüstung.

Soll also alles so bleiben wie es ist? Einfach weiter machen wie bisher? In endlosen Staus herumstehen? Runde um Runde im Stadtviertel drehen auf der Suche nach einem Parkplatz? Lärm, verpestete Luft, entnervt zuhause ankommen? Oder geht es vielleicht auch anders, besser, sogar viel besser? Ja, das geht. Was es dafür vor allem braucht: Visionen, Technik, eine passende Infrastruktur - und ganz wichtig, den Willen zur Veränderung.

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Da kann es helfen, sich einfach mal zurückzulehnen, die alten Denkmuster für ein paar Momente beiseitezuschieben, um sich einen ganz anderen Alltag vorzustellen. Wie etwa würde sich das Leben in einer staufreien Stadt anfühlen, mit sauberer Luft, mit viel Grün vor der Haustür und jeder Menge Platz für Fußgänger, Radfahrer oder einfach nur zum Draußensein. Eine Stadt, in der man jederzeit schnell und bequem unterwegs sein kann, und das auch noch, ohne dem Klima zu schaden.

Oder wie fühlt sich das Dasein in einem Dorf an, das wieder Lebensqualität bietet, weil es kein Problem mehr ist einzukaufen, zur Arbeit zu kommen, in die Schule oder zum Arzt. Und all das, ohne auf das eigene Auto angewiesen zu sein.

Was lange undenkbar erschien, wird langsam Realität: Die Vormachtstellung des Autos als Verkehrsmittel Nummer Eins bröckelt. Umfragen zeigen deutlich, dass vor allem Städter zwischen 20 und Mitte 30 anders mobil sein wollen. Wenn sie ein Fahrzeug brauchen - egal ob Auto, Fahrrad oder Roller, dann mieten oder teilen sie es. Der Vorteil dabei ist, sie sparen so auch jede Menge Geld für Unterhalt, Versicherung oder Reparaturen.

Das zeigt, wohin die Reise geht: Mobilität bedeutet Service, nicht Besitz. Massentransportmittel wie Zug, S- oder U-Bahn werden wichtiger und werden ergänzt durch ein vielfältiges Angebot an individuell nutzbaren öffentlichen Vehikeln. Sammeltaxis oder autonomfahrende Carsharing-Autos halten auf Bestellung vor der Haustür. Fahrräder, E-Bikes, Roller und andere fahrbare Untersätze sind Teil dieses Systems, sodass auch der letzte Kilometer von der Bahnhaltestelle bis zur Arbeitsstelle abgedeckt ist. Alles eng vernetzt und einfach nutzbar.