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Braucht man das?:Microsoft-Handy mit zwei Bildschirmen

Das Surface Duo lässt sich aufklappen wie ein Buch. Die beiden Bildschirme werden aber meist nicht zusammen, sondern einzeln verwendet.

(Foto: AFP)

Android auf einem Microsoft-Smartphone, mal was Neues. Auch das Konzept des Surface Duo ist neu, die Zielgruppe aber sehr klein.

Von Helmut Martin-Jung

Ob es sowas wie Phantomschmerzen gibt in der Tech-Branche? Wie dem auch sei, jedenfalls hat Microsoft trotz des milliardenschweren Fiaskos mit den von Nokia übernommenen Lumia-Smartphones wieder an einem Smartphone gewerkelt. Herausgekommen ist das Surface Duo, das es in den USA schon seit einigen Monaten gibt, und nun auch in Deutschland.

Das Duo im Namen rührt daher, dass das Smartphone wirkt, als seien zwei sehr flache Handys an der langen Kante mit einem Scharnier verbunden worden. Es lässt sich auf- und zuklappen wie ein Buch, aber auch komplett umklappen, so dass einer der beiden Bildschirme vorne ist, der andere die Rückseite bildet.

So herum gedreht, lässt sich das Duo nutzen wie ein herkömmliches Smartphone. Aber seinen Reiz entfaltet es natürlich im Doppelbetrieb. Nicht indem man, wie man annehmen könnte, die beiden Bildschirme als eine große Fläche nutzt. Das geht zwar, doch teilt ein Balken den Bildschirm in der Mitte.

Nein, dafür ist das Duo nicht gemacht. Es soll vielmehr Büromenschen helfen, auch unterwegs einigermaßen vernünftig arbeiten zu können, zum Beispiel, indem man im Zug E-Mails bearbeitet, ohne eigens ein Notebook auf die Knie nehmen zu müssen. Das Doppel-Smartphone zeigt etwa links den Maileingang an, rechts die jeweils geöffnete Nachricht. Das ist praktisch und funktioniert gut. Bei anderen Apps muss man sich ein wenig reinarbeiten, bis sie so angeordnet sind, wie es einem passt.

Weil Microsoft dieses Mal auf Android als Betriebssystem setzt, gibt es keine Probleme mit der App-Auswahl. Dass die bei den Lumia-Handys viel zu spärlich war, machte dem eigentlich guten Windows-Smartphone-System letztlich den Garaus. Die Bildschirme sind scharf und ausreichend hell. Der Akku ist - angesichts der zwei Bildschirme verständlich - kein Dauerläufer. Die Kamera allerdings muss man als Schwachpunkt bezeichnen.

Da die Ausrichtung aber klar auf die Business-Zielgruppe ausgelegt ist, fällt das weniger ins Gewicht als bei einem Consumer-Gerät. Angesichts des Preises - 1549 bzw. 1649 je nach Speicherausstattung - ist es trotzdem keine lässliche Sünde. Als solche könnte man schon eher sehen, dass das Duo den 5G-Standard nicht beherrscht. Auch das installierte Android 10 ist nicht mehr das Neueste. Im Sommer erst soll Android 11 für das Duo nachgeliefert werden - da stellt Google schon dessen Nachfolger vor. Die Zielgruppe für das Surface Duo dürfte damit ziemlich klein sein.

© SZ
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