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MAN: Weitere Vorstände vor Abgang:Piëch fährt die harte Tour

Der Abgang von Konzernchef Samuelsson - nur ein "Teil der Antwort"? Bei MAN müssen weitere Vorstände um ihren Job zittern, denn VW-Patriarch Piëch greift rigoros durch.

Beim Münchner Nutzfahrzeugkonzern MAN sollen nach dem Rücktritt von Vorstandshef Hakan Samuelsson offenbar weitere Vorstände ihr Amt verlieren. Der Abgang von Samuelsson sei aus Sicht des Aufsichtsrates nur ein "Teil der Antwort", hieß es in Unternehmenskreisen. Weitere Vorstandsmitglieder müssten um ihre Jobs bangen.

MAN, Foto: AP

Bei MAN müssen weitere Vorstandsmitglieder um ihren Posten bangen.

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Dazu zählten vor allem Finanzchef Karlheinz Hornung sowie Anton Weinmann, Chef der MAN-Nutzfahrzeugtochter. Samuelsson hatte am Montag wegen der Schmiergeldaffäre bei MAN seinen Rücktritt erklärt. In Unternehmenskreisen hieß es, die Kernfrage für den Vorstand laute: "Hat jeder sich in den vergangenen zehn Jahren so verhalten, wie das der Aufsichtsrat von ihm erwartet."

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch greift damit beim Münchner Lkw-Bauer MAN rigoros durch. In die Aufklärung der Schmiergeldaffäre ist Piëch nach Angaben aus MAN-Kreisen über zwei Vertraute eingeschaltet. Piëchs Büroleiter Jörg Astalosch und Matthias Erb, der ebenfalls in seinem Büro arbeitet, sitzen bei wichtigen Gesprächen mit den vom MAN-Aufsichtsrat beauftragten Anwälten mit am Tisch. Astalosch und Erb wie auch MAN wollten sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Aufsichtsrat befürwortet hartes Vorgehen

Einer ihrer Vorgänger in Piëchs Büro war Rupert Stadler, heute Chef der VW-Tochter Audi. Astalosch und Erb kümmerten sich in Piëchs Auftrag darum, dass den Korruptionsdelikten und mögliche Verfehlungen oder Mängeln in der Konzernspitze konsequent nachgegangen wird. "Jeder Stein wird umgedreht, jede Führungskraft wird durchleuchtet", heißt es aus Konzernkreisen dazu.

Wie es heißt, stehe der Aufsichtsrat geschlossen hinter dem harten Vorgehen gegen den Vorstand. Die Vorgehensweise bei MAN erinnert an den Schmiergeldskandal bei Siemens. Dort war nach und nach der gesamte Vorstand ausgetauscht worden. Bei MAN geht es bislang um fragwürdige Zahlungen von bis zu 100 Millionen Euro. Für Schmiergeldzahlungen in kleinerem Umfang in Deutschland und in größerem Umfang im Ausland (Europa, Afrika, Asien), mit denen Aufträge für Busse und LKW besorgt wurden, liegen Geständnisse vor.

MAN muss sich auf ein Bußgeld von über 100 Millionen Euro einstellen. Außerdem sind Anklagen auch gegen Ex-Manager zu erwarten. Die Aufklärung des Falles dauert noch einige Zeit. Eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft über das fällige Bußgeld wird es, anders als von MAN erhofft, nicht bis zur Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember geben.