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Luftfahrt:1500 Airbus-Stellen in Deutschland in Gefahr

Airbus will vermehrt auf kleinere Modelle wie den A320 setzen.

Airbus will vermehrt auf kleinere Modelle wie den A320 setzen.

(Foto: dpa)
  • Betroffen sind die Werke in Bremen und Augsburg - der Konzern will den Mitarbeitern aber Alternativen anbieten.
  • Die Gründe für die Entscheidung sind wohl das geringe Interesse am Großraumjet A380 sowie Probleme beim Militärtransporter A400M.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will nach SZ-Informationen in Deutschland rund 1500 Arbeitsplätze in zwei kriselnden Flugzeugprogrammen abbauen. Dem Vernehmen nach sind mehrere Standorte betroffen, darunter auch das Werk der Airbus-Tochtergesellschaft Premium Aerotec in Augsburg sowie das Werk in Bremen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Hintergrund der Entscheidungen sind die Probleme in den beiden Flugzeug-Programmen Airbus A380 und A400M. Airbus bestätigte am Donnerstag, die Produktion des Großraumjets A380 werde von derzeit zwölf Maschinen pro Jahr auf nur noch sechs im Jahr 2020 zurückgefahren. Dadurch sollen das Programm über einen längeren Zeitraum auf Sparflamme weiterlaufen bis die Nachfrage wieder anzieht, so das Kalkül. Beim Militärtransporter A400M braucht Airbus mehr Zeit, um Produktionsprobleme in den Griff zu bekommen und die militärischen Fähigkeiten der Maschine serienreif zu machen. Darauf hatte sich der Hersteller mit Erstkunden, darunter die Bundeswehr, im Februar grundsätzlich geeinigt. Die A400-Produktion wird von 15 Flugzeugen in diesem auf auf elf im Jahr 2019 und acht 2020 gekürzt.

Andere Modelle, vor allem im Zivilgeschäft, sollen aber wegen hoher Nachfrage hochgefahren werden. Airbus will deswegen den allermeisten betroffenen Mitarbeitern Stellen in anderen Bereichen anbieten. Diese könnten vor allem bei der A320 sowie dem neuen Langstreckenflugzeug A350 landen. Airbus-Chef Tom Enders hatte erst vor wenige Tagen angekündigt, die Raten für beide Serien weiter erhöhen zu wollen. Allerdings hatte Lieferanten, vor allem das Triebwerkskonsortium CFM International, Bedenken deutlich gemacht, das geplante Wachstum stemmen zu können.

Den Informationen zufolge sieht Airbus für rund 900 der 1500 Jobs bereits Alternativen in anderen Bereichen des Konzerns. Für 600 sei nun drei Jahre Zeit, Lösungen zu finden, daher ist das Unternehmen "optimistisch." Weitere rund 400 Stellen sollten schon länger aus dem A380-Programm zur A320neo-Baureihe verlagert werden. Für das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug hat Airbus eine vierte Endmontagelinie in Hamburg gestartet.

Gespräche mit Arbeitnehmervertretern geplant

Airbus stellte die Pläne am Mittwoch dem Europäischen Betriebsrat vor, nannte aber noch keine genauen Zahlen zu den möglichen Verlagerungen. In Deutschland gebe es "besondere Herausforderungen" für die Werke in Bremen und Augsburg, hieß es. Nach Informationen der IG Metall könnten in Augsburg 300 Stellen in der Produktion des Militärflugzeugs A400M betroffen sein. Auch in Frankreich, Großbritannien und Spanien sollen Stellen wegfallen, teilte Airbus mit. Es solle nun mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden. "Wie in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich demonstriert, geht Airbus mit allen Auswirkungen unternehmerischer Entscheidungen auf seine Mitarbeiter verantwortungsvoll um", so das Unternehmen in einer Mitteilung. Die endgültigen Zahlen hingen von der "Veränderungsoffenheit" der Mitarbeiter ab - diese müssen also bereit sein, in andere Sparten des Unternehmens zu wechseln, wenn sie weiter einen Arbeitsplatz bei Airbus haben wollen. Umgesetzt soll der Abbau bei der A380 und der A400M im Jahr 2020, es gibt also aus Sicht von Airbus noch zeitlichen Spielraum für eine Einigung.

IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner erklärte, die Ankündigung von Airbus verunsichere die Belegschaft: "Die Auftragslage des Unternehmens ist gut genug, dass es für die betroffenen Beschäftigten alternative Arbeitsplatzangebote geben muss." Die IG Metall sei offen für Gespräche. In Gewerkschaftskreisen wird auf einen 2012 zwischen Airbus Deutschland und der IG Metall geschlossenen Zukunftstarifvertrag hingewiesen, der bis Ende 2020 gilt und die deutschen Standorte sichert.

Airbus bestätigte, dass insgesamt rund 3700 Stellen betroffen sein könnten, genau werde dies aber erst nach den Verhandlungen mit den Gewerkschaften feststehen. Neben den 1500 in Deutschland sind es nach Angaben von französischen Gewerkschaftsvertretern 470 in Frankreich. Von betriebsbedingten Kündigungen sei in den Gesprächen am Mittwoch nicht die Rede gewesen, sagte Jean-Marc Escourrou von der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO). Airbus beschäftigt weltweit etwa 129 000 Mitarbeiter und setzte vergangenes Jahr 67 Milliarden Euro um.

© SZ vom 08.03.2018/been

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