Lehman-Pleitier Richard Fuld Keine Verantwortung, keine Entschuldigung

Verantwortlich fühlt er sich allerdings nicht, enschuldigt hat er sich nie: Im Oktober 2008 bei einer Anhörung im US-Kongress zur Finanzkrise, beschwert sich Fuld darüber, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve Lehman nicht geholfen und den Kollaps somit mitverschuldet habe. Er frage sich, warum die Regierung den Rivalen Bear Stearns und den Versicherer AIG gerettet habe. Im Saal beschimpfen ihn die Zuhörer, sie halten Plakate mit der Aufschrift "Schande" und "Stoppt die Gier" hoch.

Tatsächlich wird der Pleitebankier nie zur Verantwortung gezogen. Die US-Börsenaufsicht SEC zweifelt daran, dass Fuld sich schuldig gemacht habe. Im 4000 Seiten dicken Untersuchungsbericht heißt es, er habe fehlerhafte, aber keine strafbaren Entscheidungen getroffen.

"Hybris und Omnipotenz"

Er kommt davon, anders als beispielsweise die Verantwortlichen des zusammengebrochenen Energiekonzerns Enrons. Doch beruflich läuft es nicht mehr, er gilt als Verfemter der Wall Street. 2009 gründet er das Beratungsunternehmen Matrix Advisors, allerdings kommen kaum Kunden. Ein Jahr später geht er zum Broker Legend Securities. Allerdings bekommt er keine Broker-Lizenz. Er verlässt das Unternehmen wieder und heuert 2012 beim Giftmüll-Technologie-Vertreiber Gly Eco an.

Finanzielle Sorgen muss sich Fuld ohnehin nicht machen - auch wenn er aus Angst vor einer Pfändung seine 13-Millionen-Dollar Villa in Florida für 100 Dollar an seine Frau übertragen hat. Das Ehepaar fördert weiterhin als Mäzene das New Yorker Museum of Modern Art.

Sprüche von Bankern

Wahrheiten aus dem Kartenhaus

Eine gewisse Karriere macht Richard Fuld allerdings noch in wissenschaftlichen Publikationen. Der Psychoanalytiker Mark Stein von der University of Leicester attestiert dem letzten Lehman-CEO "eine Hybris und Omnipotenz, die von einem überaus aggressivem Verhalten begleitet wurden". Sein Lebenslauf könne als ein Beispiel eines Vorzeigepsychopathen gedeutet werden.

Vor seinem Einstieg in die Finanzbranche war Fuld Pilot der US-Luftwaffe. Das sei ein Hochrisikoberuf, wie ihn nach ständigem Nervenkitzel gierende Psychopathen bevorzugten. Der Grund für Fulds Ausscheiden: Er hatte sich eine Schlägerei mit seinem Vorgesetzten geliefert, angeblich weil er den jungen Kadetten verspottet hatte. 1969 wird Fuld Wertpapierhändler bei Lehman Brothers. Eine Karierre beginnt.