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Lebensmittel:Danone kauft Bio-Hersteller für 11 Milliarden Euro

Kraft Foods Products Ahead Of Earnings Release

Biomilch der Firma Whitewave, die der französische Lebensmittelkonzern Danone übernehmen möchte.

(Foto: Scott Eells/Bloomberg)
  • Die Zahl der Vegetarier und Veganer nimmt in den Vereinigten Staaten rasch zu - und die Kunden sind diesem Segment bereit, viel Geld zu investieren.
  • Der Lebensmittel-Riese Danone will davon profitieren und übernimmt für elf Milliarden Euro ein Unternehmen, dass vegane und vegetarische Produkte herstellt

Es ist in Amerika kein ganz billiges Vergnügen, seinem Gewissen zu folgen und auf den Genuss von Fleisch, Geflügel oder gar allen tierischen Produkten zu verzichten. Ja, man könnte sogar sagen, rein vom Geldbeutel her betrachtet ist es ein Wahnsinn: 4,99 Dollar kostet in einem New Yorker Supermarkt ein kümmerliches Schälchen Bio-Salatmix der Marke Earthbound Farm - exakt so viel wie die Familienpackung Spare Ribs. Kein Wunder, dass die meisten Bürger weiter zum ohnehin beliebten Grillgut greifen.

Und doch: Kaum irgendwo auf der Welt nimmt die Zahl der Vegetarier und Veganer so rasch zu wie in den USA. Die Daten differieren ein wenig, aber man liegt wohl nicht falsch, wenn man sagt, dass mittlerweile etwa 20 Millionen Amerikaner ganz oder teilweise auf Tierprodukte verzichten. Das sind gut sechs Prozent der Bevölkerung - 2009 lag der Wert noch bei einem Prozent.

Von dem Trend will jetzt auch der französische Lebensmittelkonzern Danone profitieren, der bekannt gab, dass er den US-Bioprodukte-Hersteller Whitewave für 12,5 Milliarden Dollar (gut elf Milliarden Euro) übernehmen wird. Es ist der größte Zukauf für Danone seit zehn Jahren und auch die erste größere Transaktion für Emmanuel Faber, der das Unternehmen seit Ende 2014 führt. Mit der Übernahme verdoppelt der Konzern, der Produkte wie Actimel, Activia, Volvic und Evian anbietet, sein Geschäftsvolumen in den USA. Auch der Earthbound-Farm-Salatmix gehört damit künftig zum Danone-Imperium.

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Wenn Amerikaner auf einen Zug aufspringen, dann konsequent

Der Beschluss erscheint verständlich, denn wie der Vergleich der Preise für Bio-Salat und Schweinerippchen zeigt, sind Vegetarier und Veganer oft ebenso zahlungskräftige wie -willige Kunden. Im Vordergrund steht für sie nicht der Preis, sondern der Wunsch, sich gesund zu ernähren und ein Zeichen gegen die Massentierhaltung zu setzen. Und wie so oft, wenn die Amerikaner mit Verspätung auf einen Zug aufspringen, gehen sie umso konsequenter vor: Auch in Nicht-Biomärkten nehmen allein die Milchersatzgetränke - von Soja- über Hafer- und Mandel- bis zu Hanfmilch - mittlerweile viele Regalmeter ein.

Entsprechend gut kamen Fabers Pläne an der Börse an. Die Danone-Aktie legte im Tagesverlauf um gut sieben Prozent zu und erreichte mit 67,89 Euro ein Allzeithoch. "Whitewave ist der am schnellsten wachsende US-Lebensmittelhersteller und passt ausgezeichnet zu Danone", erklärte der Finanzdienstleister Canaccord Genuity. Die Übernahme stärkt auch die Stellung der Franzosen gegenüber dem Schweizer Weltmarktführer Nestlé.

Die Franzosen wollen den Zukauf komplett auf Pump finanzieren

Angesichts des hohen Kaufpreises - Danone zahlt mit 56,25 Dollar das 26-Fache des Whitewave-Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibung und Amortisierung - gab es aber auch kritische Stimmen. "Das riecht alles ein bisschen nach der alten Firma Danone: Das Geschäft schwankt, und was tut man? Man holt das Scheckbuch hervor, um ein stark wachsendes Unternehmen zu kaufen, das niemals die Kapitalkosten wieder einspielen kann", erklärte Jeff Stent von Exane BNP Paribas. Tatsächlich wollen die Franzosen den Zukauf zu 100 Prozent auf Pump finanzieren.

Umgekehrt macht Fabers Entscheidung zweierlei deutlich: Erstens ist die Sorge mancher Analysten, der geplante EU-Austritt Großbritanniens werde die gesamte Unternehmenswelt in eine Art Schockstarre versetzen, offenbar unbegründet. Und zweitens zeigt sich, dass die USA für europäische Firmen offenbar wieder stärker in den Fokus rücken. In den vergangenen Jahren hatten sich die Übernahmeaktivitäten vor allem auf aufstrebende Schwellenländer wie Russland und Brasilien konzentriert - Staaten also, die Danone wegen der dortigen Wirtschaftskrisen zuletzt teils erhebliche Probleme bereitet hatten.

Whitewave mit Sitz in Denver verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet etwa 3,5 Milliarden Euro, Danone ist mit 22 Milliarden Euro mehr als sechsmal so groß. Die Führungsspitzen beider Firmen unterstützen die Übernahme, die bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll. Zuvor müssen noch die Aktionäre des US-Konzerns sowie die Behörden zustimmen.

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