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Leben in Griechenland:"Ich will mich nicht erpressen lassen"

Geschichten aus Griechenland

Will sich keinen Politikern zuordnen, beobachtet sie aber sehr genau: Spyros Gkelis.

(Foto: Privat)

Wie geht es den Griechen? Wir haben bei einigen nachgefragt. Spyros Gkelis, 38, ist Biologiedozent an der renommierten Aristoteles Universität in Thessaloniki und twittert seit Jahren über die Auswirkungen der Krise.

"Viele sind völlig ratlos"

"Ich bin gewohnt, dass Griechenlands Politiker lügen und unfähig sind. Aber dass Kommissionspräsident Juncker Dinge behauptet, die nachweislich nicht stimmen, das erschüttert mich: Er hat doch tatsächlich gesagt, die Vorschläge der Kreditgeber würden keine Rentenkürzungen beinhalten - was de facto falsch ist. Das ist eigentlich das Schlimmste an der Krise in Griechenland: dass wir es als Europäer nicht schaffen, zusammenzuhalten.

Eigentlich wäre doch jetzt die Chance für den Kontinent, Solidarität vorzuleben. Die EU sollte doch wie eine Familie sein: Wenn es ein Familienmitglied gibt, das auf Abwege kommt, dann schafft es eine gute Familie, ihm zu verzeihen, es wieder aufzunehmen. Aber im Gegenteil, wir werden erpresst. Das ist es doch, wenn Juncker uns beim Referendum vor die Wahl stellt: Wenn Griechenland mit Nein stimme, dann sage es nein zu Europa. Ich fühle ich mich mehr als Europäer denn als Grieche, doch erpressen lassen will ich mich nicht. Noch weiß ich nicht, wie ich stimme. Die Menschen diskutieren das Referendum, viele sind völlig ratlos, welche Konsequenzen ihre Stimme hat.

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"Es hat sich im Land unter Tsipras etwas geändert"

Ich war noch nie ein Anhänger einer bestimmten Partei. Aber unter der Regierung Tsipras hat sich tatsächlich einiges geändert. Wir können zum Beispiel wieder befreiter demonstrieren. Unter seinen Vorgängern wurden Verkehrswege beschnitten oder Metrostationen geschlossen, um die Demonstranten abzuhalten. Das Aufgebot der Polizei war massiv. Das ist nicht mehr so - und zwar auch bei Protest gegen die Regierung. Die Rechte von Homosexuellen und von Flüchtlingen wurden gestärkt.

Nicht erfüllt hat er das Versprechen, dass Gehälter und Renten nicht sinken. Es imponiert mir aber, dass er seinen Prinzipien treu bleibt: Er hat versprochen, harte Sparpolitik nicht zu unterstützten. Das macht er nun auch nicht und sagt, er trete zurück, wenn die Griechen für diese Politik stimmen. Ein ehrlicher Politiker - das ist sehr ungewohnt für die Griechen.

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