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Bedingungen in Schlachthöfen:Klöckner: "Es gibt kein Recht auf Billigfleisch"

Pressekonferenz Klöckner zu EU-Ratspräsidentschaft

Wünscht sich kleinere Schlachthöfe: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Was folgt aus der Debatte um Fleischfabriken? Die Bundeslandwirtschaftsministerin will über die Größe von Schlachthöfen reden und Lock-Angebote für besonders billiges Fleisch verbieten. Aber sie nimmt auch die Verbraucher in die Pflicht.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will sich verstärkt gegen Fleisch-Billigangebote einsetzen. "Ich lasse derzeit juristisch prüfen, inwieweit es möglich ist, der Werbung mit Lockangeboten beim Fleisch Einhalt zu gebieten", sagte die CDU-Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

"Unlauteren Handelspraktiken zwischen Landwirtschaft und den Lebensmittelketten" solle "ein Riegel vorgeschoben" werden, so Klöckner. Wertschätzung für Tiere und die Menschen in der Branche könne nicht entstehen, wenn Dumpingpreise an der Tagesordnung seien. Zudem könnten Bauernfamilien bei extrem niedrigen Preisen nicht von den Erträgen leben.

Durch eine erhöhte Zahl von Corona-Infektionen in verschiedenen Schlachthöfen sei "ein Momentum entstanden, das strukturelle Veränderungen begünstigt", so die Ministerin. Die Lebensmittelstandards in den meisten Betrieben seien zwar "sehr hoch", betonte Klöckner. "Aber dort wird unter Bedingungen gearbeitet, wo jeder Cent zählt." Dies sei der Nährboden für das System der vielen Subunternehmer im Rahmen der Werkverträge. "Verantwortung wird delegiert. Das geht zu Lasten der Menschen, das System ist massiv krisenanfällig." Eine Antwort aus ihrer Sicht könnten wieder mehr kleinere Schlachthöfe sein.

Klöckner setzt auch auf Veränderungen bei der Tierhaltung. "Für mich ist klar: Wir müssen in Stallumbauten investieren", sagte Klöckner. Der Bundesrat hatte am Freitag einen Kompromiss zur umstrittenen Sauenhaltung in engen Metallgittern beschlossen. Die Länderkammer stimmte einer Verordnung zu, nach der die sogenannte Kastenstandhaltung weitgehend abgeschafft werden soll, allerdings erst nach Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren. Klöckner will Bauern, die ihre Ställe frühzeitig umbauen und freiwillig auf die Kastenstandhaltung verzichten, nun mit insgesamt 300 Millionen Euro aus dem Corona-Konjunkturprogramm fördern.

Die Ministerin nimmt aber vor allem die Verbraucher in die Pflicht. In Umfragen sage zwar eine Mehrheit, sie würde mehr für Fleisch bezahlen, auch für Tierwohl. "Die Supermarktkasse belegt aber das Gegenteil", so die Ministerin. "Es gibt kein Recht auf täglich Billigfleisch", sagte Klöckner. Die Verbraucher müssten jedoch erkennen können, "wo mehr Tierwohl drinsteckt". Das könne etwa durch ein staatliches Tierwohlkennzeichen erreicht werden. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft wolle sie nutzen, um für ein europäisches Tierwohlkennzeichen zu werben.

© SZ.de/olkl/leja
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