CO₂-Emissionen Fleischkonzerne schaden dem Klima mehr als die Ölindustrie

Eine Kuh auf der Weide: Für bessere Luft müsste der weltweite Fleischkonsum deutlich sinken.

(Foto: dpa)
  • Die fünf weltgrößten Fleisch- und Molkereikonzerne sind für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als die großen Ölkonzerne. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.
  • Sie schaden dem Klima damit deutlich mehr als bislang angenommen.
  • Berechnungen zufolge müsste der jährliche Fleischkonsum bis 2030 auf 22 Kilo pro Person sinken, um den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Von Silvia Liebrich

Kühe stoßen beim Verdauen große Mengen Methangas aus, und das schadet dem Klima. Wird Fleisch und Milch verarbeitet und transportiert, entstehen weitere Emissionen. Wie sehr die Branche zur rasanten Erderwärmung beiträgt, das zeigt eine neue Studie des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) sowie der Umweltorganisation Grain. Deren Fazit lautet: "Gemeinsam sind die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne bereits heute für mehr Treibhausgas-Emissionen pro Jahr verantwortlich als die Ölkonzerne Exxon-Mobil, Shell oder BP." Wächst die Branche im bisherigen Tempo weiter, werde der gesamte Viehbestand bis 2050 etwa 80 Prozent des Treibhausgasbudgets der Erde verbrauchen, so die Schätzung. "Der Bericht zeigt, welche zentrale Rolle diese Unternehmen bei der Verursachung des Klimawandels haben", sagt Shefali Sharma, Leiterin des IATP-Instituts.

JBS, der größte Fleischkonzern der Welt aus Brasilien, führt in der Studie die Liste der größten CO₂-Verursacher an. Auf den Plätzen folgen drei US-amerikanische Konzerne: Tyson Foods, Cargill und Dairy Farmers. Deutschlands größter Molkerei-Konzern DMK steht auf Platz 21, der Fleischkonzern Tönnies belegt Rang 24.

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Die Macher der Studie kritisieren, dass ein Großteil der Unternehmen in seinen CO₂-Bilanzen viel zu niedrige Werte ansetzt. "Die meisten der 35 größten Fleisch- und Molkereiunternehmen berichten entweder gar nicht über ihre Treibhausgas-Emissionen oder klammern die Emissionen in der Lieferkette aus", heißt es in dem Bericht weiter. Diese machten aber 80 bis 90 Prozent ihrer Gesamtemissionen aus. Nur vier Konzerne haben den Angaben zufolge vollständige, nachvollziehbare Emissionsdaten vorgelegt: Nestlé (Schweiz), Danone (Frankreich), Friesland/Campina (Niederlande) und NH Foods (Japan).

Beim Klimagipfel in Paris 2015 hatten sich die Länder darauf geeinigt, dass auch der Nahrungssektor Emissionen reduzieren muss. Genaue Ziele und verpflichtende Vorgaben für Unternehmen und Landwirtschaft gibt es aber bis heute nicht. In der Realität stehen die Wachstumsziele vieler Firmen in krassem Widerspruch zu den Klimaschutzzielen. So hat etwa der Fleischriese JBS seinen Investoren in Aussicht gestellt, dass der globale Konsum im Schnitt bis 2030 um 30 Prozent steigen werde, von 37 auf 48 Kilogramm Fleisch pro Kopf.

Tatsächlich wäre jedoch genau das Gegenteil notwendig, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal zwei, besser noch 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Nach Berechnungen von Greenpeace müsste der Fleischkonsum bis 2030 auf 22 Kilo pro Jahr, bis 2050 sogar auf 16 Kilo pro Person sinken. Auch die bei den Vereinten Nationen angesiedelte Welternährungsorganisation FAO warnt seit längerem vor den negativen Folgen eines hohen Fleisch- und Milchkonsums.

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