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Techkonzern:Klarna attackiert deutsche Banken mit eigenem Girokonto

Advertising for Klarna in New York A billboard in Soho in New York advertises the Swedish online payment processor, Kla

Das schwedische Unternehmen Klarna ist in der Finanzindustrie bislang vor allem als Zahlungsdienstleister bekannt, ist zum Beispiel in Online-Shops integriert.

(Foto: Richard B. Levine/imago images)

Europas wertvollster Finanz-Techkonzern steigt in das Geschäft mit Bankkunden ein: Das neue Konto soll für Basisfunktionen kostenlos sein - und einen speziellen Fokus haben.

Von Bastian Brinkmann und Nils Wischmeyer

Die eine Gruppe von Menschen will Geld vor allem besitzen. Die andere will Geld vor allem ausgeben. Auf die zweite Gruppe scheint das Unternehmen Klarna zu setzen. Klarna, das ist Europas wertvollster Techkonzern der Finanzbranche, der nicht an der Börse notiert ist. "Geschmeidig einkaufen", mit diesem Slogan wirbt die Klarna-App. Da es nicht schadet, Geld zu besitzen, bevor man es ausgibt, möchte Klarna demnächst auch ein eigenes Konto anbieten. Nach Informationen der Süddeutsche Zeitung plant das Unternehmen, in den kommenden Monaten ein Girokonto in Deutschland einzuführen. Zumindest für Basisfunktionen soll es kostenlos sein, dazu gibt es außerdem eine Debitkarte.

Das schwedische Unternehmen ist in der Finanzindustrie bislang vor allem als Zahlungsdienstleister bekannt, ist zum Beispiel in Online-Shops integriert. Je mehr Menschen einkaufen, über Klarna abrechnen und dem Konzern so Gebühreneinnahmen bescheren, desto schöner für den Konzern, der nach eigenen Angaben mit rund neun Milliarden Euro bewertet wird. In Deutschland hat Klarna die Firma "Sofort" und damit die Marke "Sofortüberweisung" übernommen, die Bundesrepublik gilt als wichtigster Markt der Schweden.

Das Girokonto soll die Klarna-App erweitern. Wer die App öffnet, findet sich in einer Art virtueller Shoppingmall wieder und kann zum Beispiel Klamotten von Zara und H&M durchstöbern und kaufen. Bei jedem Kleid, bei jedem Shirt verdient Klarna ein bisschen mit. Bisher müssen Nutzerinnen und Nutzer ein Bankkonto hinterlegen, künftig kann dieses dann eben auch von Klarna kommen.

"Wir werden alles an einen Ort bringen", sagt Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski, der an diesem Mittwoch auch beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung auftritt. Siemiatkowski sieht seine App in der Zukunft als eine Art Mischung aus dem Vergleichsportal Idealo (Wann und wo gibt es die Lampe am günstigsten) und der Fotoplattform Pinterest (Welche Lampe will ich eigentlich).

Mit der guten alten Sparkasse hat das wenig zu tun. Ist das Klarna-Konto also vielleicht gar keine direkte Konkurrenz für die etablierten Banken? Digitale Wettbewerber kennen die etablierten Finanzhäuser mittlerweile. Zur Bank der Zukunft will etwa die Berliner Digitalfirma N26 werden oder neuerdings auch das Vergleichsportal Check24 unter dem Markennamen C24. Klarna jedenfalls will trotz des Shopping-Fokus nicht als Zweitkonto antreten, auf dem die Nutzerinnen und Nutzer nur ein paar Euro zum Einkaufen parken. "Wir haben den Anspruch, langfristig zum Hauptkonto zu werden", sagt Siemiatkowski. Festgeld kann man bereits bei Klarna anlegen (für zwölf Monate bietet die Firma derzeit 0,3 Prozent), auch eine eigene Kreditkarte ist schon im Angebot.

Über die virtuelle Kreditkarte bei Amazon einkaufen

Verdienen wird Klarna an dem neuen Konto zunächst wohl wenig bis gar nichts. Ein bisschen Geld wird allenfalls über die eigene Debitkarte reinkommen, die Klarna bei jedem Einkauf ein paar Prozentpunkte des Umsatzes garantiert. Darüber hinaus wird das Unternehmen darauf setzen, dass die App-Nutzung steigt und damit auch der dort generierte Umsatz. Künftig könnte die Firma auch ins Geschäft mit Rabattcodes und Coupons einsteigen und so mehr Verkehr in die eigene Shopping-Welt locken. Das Bankkonto dürfte also wenig Geld bringen, dafür womöglich Loyalität der Kunden.

Die App wurde nach eigenen Angaben bisher sechs Millionen Mal in Deutschland heruntergeladen. Die Bundesrepublik ist der einzige Markt, in dem Klarna ein Girokonto testet.

Die US-Version der App kann dafür schon andere Dinge. Dort können Kundinnen und Kunden sich in der App eine einmalig nutzbare Kreditkarte ausstellen lassen. Diese existiert dann nur digital und kann beispielsweise für einen Einkauf bei Händlern wie Amazon eingesetzt werden, die nicht an Klarna angeschlossen sind. Ob und wann die Funktion auch in Deutschland verfügbar ist, ließ der schwedische Konzern unkommentiert.

© SZ/ma
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