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Banking-Apps:Das steckt hinter C24, der Bank von Check24

Zentrale des Unternehmens für Preisvergleiche im Internet Check 24 an der Donnersbergerbrücke in Mün

Verbraucherschützer meinen, Check24 sei mit der Bank "vom Vergleichsportal zum Datenkraken" geworden.

(Foto: Ralph Peters/imago images)

Das Vergleichsportal hat jetzt eine mobile Bank. Für das Unternehmen könnte es ein gutes Geschäft werden - sofern die Kunden ihre Daten preisgeben.

Von Felicitas Wilke

Das Rezept für eine neue Bank scheint so lauten: Man bastle einen schneidigen Namen, gerne bestehend aus einem Buchstaben und einer zweistelligen Zahl, und verteile ein paar Bezahlkarten in Pastellfarben an die Kundschaft. Man programmiere eine leicht zu bedienende App und ersetze das Wort "Bank" möglichst oft durch das Wort "Plattform". Und man verdiene sein Geld nur teilweise mit Kontogebühren, sondern vielmehr mit Dienstleistungen drumherum. Fertig ist, im Großen und Ganzen, das Geschäftsmodell von C24, der neuen Bank des Vergleichsportals Check24. Es erzählt viel darüber, wie sich das Bankgeschäft verändert.

Seit Dienstag kann jeder, der ein Smartphone besitzt, die App von C24 herunterladen. Nicht nur der Name, sondern auch das Konzept einer bislang rein mobilen Bank erinnert an das Berliner Unternehmen N26, das nach fünf Jahren im Geschäft nach eigenen Angaben rund fünf Millionen Kunden zählt. Bereits im Mai hatte die Finanzaufsichtsbehörde Bafin dem Münchner Unternehmen Check24 eine Banklizenz erteilt. Sie braucht es, um beispielsweise Girokonten anzubieten.

Genau das tut C24. Die neue Bank wirbt mit drei Kontomodellen: Das günstigste gibt es umsonst, was mittlerweile längst nicht mehr jede Bank anbietet, das teuerste kostet 9,90 Euro pro Monat. "Das sind Konditionen, die am Markt bestehen können", sagt der Bankenspezialist Oliver Mihm, Vorstandsvorsitzender der Beratung Investors Marketing. Von einigem Chichi wie bunten Bezahlkarten oder einem Bonuspunktesystem abgesehen, unterscheiden sich die Konten im Wesentlichen durch die Anzahl der kostenlosen Abhebungen pro Monat. Mit dem Gratiskonto können die Kunden viermal pro Monat kostenlos Geld abheben, sofern sie ihr Konto aktiv nutzen. Bei den anderen Preismodellen ist das sechs- beziehungsweise achtmal möglich.

Wie bei anderen Banken auch, müssen die Kunden von C24 für einige Einzelposten extra zahlen, die allerdings bei einer digitalen Bank nur selten in Anspruch genommen werden dürften. Dazu gehört etwa eine Versandpauschale in Höhe von fünf Euro. Die in Deutschland weit verbreitete Girocard (ehemals EC-Karte) gibt die neue Bank nicht aus; stattdessen ist die Debitkarte von Mastercard bei den Kontomodellen inklusive. Mit ihr können Verbraucher überall dort bezahlen, wo auch Kreditkarten akzeptiert werden, allerdings wird das Konto anders als bei einer Kreditkarte direkt belastet. Zwar akzeptieren immer mehr Händler und Gastronomen eine Debit- oder Kreditkarte, an die Akzeptanz der Girocard kommen sie jedoch hierzulande nicht heran.

Zur neuen App gehört außerdem eine Multibanking-Funktion, mit der sich C24-Kunden auch ihre Konten und Depots bei anderen Instituten anzeigen lassen können. Diese Funktion bieten auch viele andere Banken und Banking-Apps an, sie kann aber praktisch für Kunden sein, um auf einen Blick zu sehen, auf welchem Konto gerade Geld eingeht und wo Beträge abgebucht wurden.

Ein Algorithmus durchleuchtet die Konten nach Einsparpotenzialen

Doch vor allem soll es sich für Check24 lohnen, alle Bankverbindungen ihrer Kunden überblicken zu können. Wählen die Kunden von C24 die entsprechende Funktion aus, durchleuchtet ein Algorithmus deren Konten, auch diejenigen bei anderen Banken, nach Einsparpotenzialen. Das kann beispielsweise ein günstigerer Stromvertrag oder ein besserer Versicherungstarif sein. Das Vergleichsportal, das neuerdings auch eine Bank ist, bietet der Kundschaft einen neuen Vertrag an - und erhält vom Stromanbieter oder Versicherer eine Provision, wenn das Geschäft zustande kommt. So verknüpft Check24 sein Kerngeschäft, das Vergleichen, mit einer neuen Dienstleistung.

Im Umkehrschluss heißt das für die Kunden, dass sie ihre Daten für ein Unternehmen mit kommerziellen Absichten zugänglich machen, wenn sie die "Vertragsoptimierung" nutzen. Check24 betont, dass diese Funktion optional sei und aktiv ausgewählt werden müsse. Für Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg offenbart das neue Angebot hingegen, "dass Check 24 vom Vergleichsportal zum Datenkraken geworden ist, die sich von der finanziellen Situation des Einzelnen bis hin zu dessen Datenspuren alles aneignen möchte."

Es ist kein Wunder, dass in der offiziellen Pressemitteilung, die das Unternehmen zum Start von C24 verschickt hat, nicht nur oft das Wort "Bank" auftaucht, sondern auch mehrmals von der "Plattform" die Rede ist. Auch viele klassische Banken haben in den vergangenen Jahren angekündigt, genau dazu werden zu wollen. Denn ihre Kunden kommen immer seltener in die Filialen, wo die Banker ihnen in früheren Jahrzehnten noch im persönlichen Gespräch Produkte verkaufen konnten. Überspitzt gesagt folgte auf die Frage nach dem Befinden der Frau Mama das Angebot für den neuen Bausparer. "Im Tagesgeschäft ist diese Vorgehensweise für einfache Produkte ein Auslaufmodell", sagt Mihm.

Eine Plattform, die ihre Kunden und deren Interessen bis ins Detail kennt und ihnen darauf basierend Angebote macht, mit denen sich Geld verdienen lässt, hätten deshalb viele Banken gern. "Das ist aber gar nicht so einfach, weil nur wenige Kunden die Website einer Bank besuchen, um dort weitere Dienstleistungen außerhalb der Finanzwelt zu kaufen", sagt Mihm. Die Versuche, die Banken bislang teils mit Partnern gestartet haben, ihren Kunden basierend auf deren Kontobewegungen neue Verträge anzubieten, hätten noch keinen durchschlagenden Erfolg erzielt. Check24 habe den Banken gegenüber einen großen Vorteil, sagt Mihm: "Sie sind schon eine Plattform und kommen über ihr Vergleichsportal zu geringen Kosten an neue Kunden. Gleichzeitig erhalten sie über das neue Bankgeschäft noch wertvollere Kundendaten."

Verbraucherschützer Nauhauser kritisiert das neue Produkt des Vergleichsportals vor allem vor dem Hintergrund, dass Check24 neben seinem kommerziellen Angebot erst seit einigen Wochen den ersten zertifizierten Girokontenvergleich in Deutschland betreibt. Dass Check24 nun eigene Girokonten anbiete, sei "der Tod" des zertifizierten Portals, findet Nauhauser. Check24 kann diese Kritik "absolut nicht nachvollziehen" und verweist auf eine TÜV-Zertifizierung. Die Liste der Girokonten, die der Vergleich aufzeigt, wird künftig wohl drei Konten mehr enthalten: die von C24.

© SZ
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