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Handy-Bank:N26 ist jetzt das wertvollste deutsche Start-up

N26 hat mittlerweile 3,5 Millionen Kunden - und expandiert jetzt auch in die USA.

(Foto: PR)
  • Mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar ist N26 zum wertvollsten Start-up Deutschlands aufgestiegen.
  • Für die Handy-Bank ist das eine gute Nachricht nach den Problemen mit der Finanzaufsicht und dem Kundenservice.

Die Handy-Bank N26 ist beim Einsammeln weiterer Investorengelder mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar zum teuersten Start-up Deutschlands aufgestiegen. Die Firma, hinter der unter anderem die Milliardäre Peter Thiel und Li Ka-shing stehen, erweiterte seine Kapitalrunde zugleich von 300 auf 470 Millionen Dollar. Das Geld soll für die internationale Expansion, den Ausbau des Teams sowie Produktinnovationen verwendet werden. Das gab N26 am Donnerstag bekannt.

Die neue Milliarden-Bewertung bringt das 2013 gegründete Unternehmen auf Augenhöhe mit den Fintech-Konkurrenten Klarna Bank AB aus Schweden und TransferWise Ltd. aus Großbritannien, die nach eigenen Angaben zuletzt ebenfalls mit jeweils 3,5 Milliarden Dollar bewertet wurden.

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Die nächstwertvollsten deutschen Start-ups sind Delivery Hero (3,1 Milliarden Dollar), HelloFresh (2,9 Milliarden Dollar) und Auto1Group (2,4 Milliarden Dollar), wobei sowohl Delivery Hero als auch HelloFresh bereits an der Börse sind. Auch Tayentha schließt einen künftigen Börsengang nicht aus. "Ein IPO ist ein Szenario, was wir uns in der Zukunft vorstellen können", sagt er. "Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass unsere jüngste Finanzierungsrunde die letzte gewesen sein wird."

N26 hat mittlerweile 3,5 Millionen Kunden. Erst in der vergangenen Woche ist die Firma in den USA gestartet, dem ersten Markt außerhalb Europas. Als nächster Schritt ist im kommenden Jahr die Expansion nach Brasilien geplant. "Unsere Hypothese ist, dass das, was in Europa funktioniert hat, auch in den USA und Brasilien funktionieren wird", sagte Mitgründer und Finanzchef Maximilian Tayenthal. N26 wolle pro Jahr einen oder zwei neue Märkte erschließen. In den USA stünden inzwischen rund 100 000 Interessenten auf der Warteliste. Früher oder später wolle man zudem "in einige asiatische Märkte gehen".

Mitarbeiterzahl in einem Jahr verdreifacht

Als Gesamtunternehmen ist N26 nach wie vor nicht profitabel. Das liegt Tayenthal zufolge vor allem daran, dass das Start-up nach wie vor "viel Geld in die Expansion investiere". Daran werde sich in den kommenden drei, vier oder fünf Jahren auch nichts ändern. Innerhalb des vergangenen Jahres hatte N26 seine Mitarbeiterzahl auf mehr als 1300 verdreifacht. An den Standorten Berlin, New York, Barcelona, Wien und São Paulo will das Unternehmen weitere Leute an Bord holen.

Die Einstellungen könnten auch mit einer Anordnung der deutschen Finanzaufsicht Bafin aus dem Mai zusammenhängen: Sie hatte die Smartphone-Bank damals aufgefordert, eine "angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen sicherzustellen". N26 war in den vergangenen Monaten zudem gleich mehrmals in Negativschlagzeilen geraten, weil Nutzer sich über einen schwer erreichbaren Kundenservice beschwert hatten. So wurden einem Kunden etwa 80 000 Euro von seinem Bankkonto gestohlen - der Kundendienst war jedoch nicht erreichbar und das Geld wurde ihm erst Wochen später erstattet. Nach jüngsten Angaben wurde der Bereich von 120 Mitarbeitern im vergangenen Jahr auf 400 Mitarbeiter intern und 400 externe Beschäftigte aufgestockt.

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