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Karstadt: Nicolas Berggruen:Der Investor greift durch

Der neue Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen räumt auf: Er beginnt, die Filialen der Warenhauskette umzugestalten - und das Gehaltssystem. Doch dagegen gibt es bereits erste Proteste.

Gut zwei Monate nach dem Erwerb von Karstadt spürt der neue Eigentümer Nicolas Berggruen Unterstützung von vielen Seiten. "Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Politiker aller Ebenen bestärken uns in der gemeinsamen Anstrengung, das aus der deutschen Wirtschaft nicht wegzudenkende Traditionsunternehmen Karstadt langfristig wieder als erfolgreiche und starke Handelsmarke aufzubauen und für die Zukunft zu erhalten", heißt es in einem Brief von Berggruen an die Mitarbeiter.

Berggruen uebernimmt Karstadt

Da strahlten sie: Nicolas Berggruen und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Tag der Karstadt-Übernahme durch Berggruen. Mittlerweile beginnt der Investor, die Warenhauskette umzugestalten.

(Foto: ddp)

Die Zuversicht des Investors hat auch mit der guten Geschäftsentwicklung bei Karstadt zu tun. Im selben Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, berichtet die Geschäftsführung von "über den Branchendurchschnitt steigenden Umsätzen." Es sei ein "sehr erfolgreiches Weihnachtsgeschäft" zu erwarten. Entsprechend gut werde auch das erste Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 (30. September) ausfallen, prognostizieren Thomas Fox, der Vorsitzende der Geschäftsführung, und sein Team.

Im Umfeld des Unternehmens heißt es, bei Karstadt laufe es derzeit sogar deutlich besser als beim Konkurrenten Kaufhof. Im Vorjahr hatte Karstadt ein Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen von 93 Millionen Euro erwirtschaftet und damit die eigene Prognose deutlich übertroffen. Zum Umsatz macht das Unternehmen keine Aussage.

Branchenbeobachter weisen jedoch darauf hin, dass die gute Entwicklung der Essener Warenhauskette vor allem mit der blendenden Verfassung des gesamten Einzelhandels in diesen Wochen zu tun hat. Auch resultiere die Ergebnisverbesserung zu einem Großteil aus den zahlreichen Maßnahmen zur Kostensenkung, die unter der Verwaltung des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg im Sommer 2009 eingeleitet worden waren.

Wie es in dem Brief an die Mitarbeiter weiter heißt, hat die Geschäftsführung ein mehr als 70 Einzelprojekte umfassendes Programm aufgestellt, mit dessen Hilfe Karstadt schlagkräftiger werden soll. Dazu gehören unter anderem neue Vergütungssysteme, zusätzliche Markenshops, ein verbesserter Online-Auftritt sowie Filialumbauten. Das Management kündigte an, bis Ende 2014 alle 120 Waren- und Sporthäuser zu modernisieren. Zum Auftakt würden im nächsten Jahr 75 Millionen Euro in die Hand genommen, um 27 Standorte aufzumöbeln.

Bisher war von einem Investitionsetat von etwa 100 Millionen Euro für 2011 die Rede gewesen. Anfang Oktober hatte Fox von insgesamt 400 Millionen Euro gesprochen, mit denen die Filialen in den nächsten Jahren modernisiert würden. Dieses Geld stamme ausschließlich aus dem Cashflow, sei also selbst verdient, hatte er betont. Nach Einschätzung von Branchenexperten sind weit größere Summen notwendig, um die Karstadt-Häuser auf Dauer wettbewerbsfähig zu machen.

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