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Karstadt-Insolvenzverwalter Görg:"Sehr zahm"

Von den geschätzt mindestens 50 Millionen Euro müsste Görg sein Team bezahlen, darunter auch Sanierer Thomas Fox, der derzeit die Karstadt-Geschäfte führt. Görg steht nicht in dem Ruf, übertrieben hohe Rechnungen auszustellen.

Sein Umfeld verweist gerne auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln, das vor ein paar Jahren über eine Forderung von Görg als Insolvenzverwalter der Weserberghütte zu bestimmen hatte und zu der Einschätzung kam, seine Forderung sei "sehr zahm" ausgefallen. Die Vergütung orientiert sich am Wert der Insolvenzmasse am Tag der Schlussrechnung; die dürfte bei Karstadt groß sein.

Die Insolvenzrechtliche Vergütungsordnung (InVV) sieht eine Staffelung vor: Von den ersten 25.000 Euro der Insolvenzmasse erhält der Verwalter 40 Prozent. Bei Beträgen bis 50.000 Euro sind es 25 Prozent und so weiter. Von Beträgen, die über 50 Millionen Euro hinausgehen, stehen dem Verwalter dann nur noch 0,5 Prozent zu.

Dazu sieht die Verordnung eine Reihe von Zu- und Abschlägen vor, die sich an der Komplexität des Falls orientieren. Karstadt und die auch von Görg betreute Arcandor-Insolvenz mit insgesamt 37 Einzelverfahren gilt in Kreisen von Insolvenzrechtlern als kompliziertes Verfahren.

Berechtigtes Interesse an der Weiterführung

Aus diesem Grund sei ein entsprechender Aufschlag gerechtfertigt, wird betont. Kritiker des Verfahrens wie der Wissenschaftler und frühere Insolvenzrichter Hans Haarmeyer weisen aber seit langem darauf hin, dass die Vergütung von Insolvenzverwaltern zu wenig erfolgsorientiert sei.

"Statt die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, versorgt die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens offenbar weitgehend und flächendeckend nur die Insolvenzverwalter und die mit ihnen verbundenen Strukturen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Haarmeyer kritisiert, dass viele Verwalter "Heerscharen von teuren Beratern" in die ihnen anvertrauten Firmen schicken, weil es ihnen entweder selbst an Kenntnissen mangele oder weil sie sich durch Gutachten absichern wollten.

Nach Ansicht von Siegfried Beck, dem Vorsitzenden des Verbandes der Insolvenzverwalter, bietet die Insolvenzrechtverordnung dagegen einen starken Anreiz, alles daran zu setzen, ein Unternehmen fortzuführen und nicht zu zerschlagen. "Im Fall einer Fortführung ist der Wert der Firma und damit die Vergütung des Verwalters meist deutlich höher als im Fall der Zerschlagung", sagt er.

Auch Görg hat immer auf eine Fortführung von Karstadt gesetzt. Er gilt bei dem Insolvenzverfahren aber nicht als unumstritten. So hat der Gläubigerausschuss zwar bereits Anfang Juni den Verkauf beschlossen, allerdings nur unter Vorbehalt, weil wichtige Einzelheiten von Görg immer noch nicht geregelt wurden.

Nach Karstadt kommt der Garten

Der mögliche Käufer Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet, zu dem unter anderem die Deutsche Bank und Goldman Sachs zählen, ringen um die Mieten für 86 der 120 Karstadt-Immobilien.

"Mit dem bloßen Auge ist bei Berggruen ein Entgegenkommen nicht ersichtlich", kritisierte ein Highstreet-Sprecher. Görg selbst war bei einer Nachtsitzung der Parteien in London dabei, konnte aber auch nicht den Durchbruch erwirken.

Kritisiert wird zudem die Nähe von Sanierer Fox zum Investor Berggruen. Beide kennen sich bereits von der Insolvenz der Möbelgruppe Schieder. Fox hatte angeblich frühzeitig einen Kontakt zu Berggruen hergestellt und will möglicherweise bei einem Verkauf zunächst weiter bei Karstadt an Bord bleiben.

Wie auch immer es weitergeht, Görg hat bereits Pläne: Wenn alles vorbei ist, will er sich der Gartenpflege daheim auf seinem mehr als 100 Hektar großen Anwesen am Stadtrand von Köln widmen.