Kampf um die Zukunft Metro spekuliert auf Karstadt

Was wird aus der maroden Kaufhauskette Karstadt? Für den Fall, dass der Verkauf scheitern sollte, wird bereits an einer Auffanglösung gearbeitet - und zwar von der direkten Konkurrenz.

Von Caspar Busse, Silvia Liebrich und Stefan Weber

Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft des insolventen Kaufhauskonzerns Karstadt ist noch einmal Bewegung in die Gespräche gekommen. In Verhandlungskreisen wurde am Wochenende nur noch zwei Bietern überhaupt ernsthafte Chancen eingeräumt, nämlich dem privaten Investor Nicolas Berggruen - Sohn des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen - und dem Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Bank Goldman Sachs, dem 86 Karstadt-Immobilien gehört. So gut wie aus dem Rennen seien dagegen der russische Investor Artur Pachomow und der Finanzinvestor Triton, hieß es. Gleichzeitig bereitet der Metro-Konzern offenbar eine Offerte für den Fall vor, dass alle Verkaufsgespräche scheitern sollten.

Was wird aus Karstadt? Schon bald soll eine Entscheidung fallen, offenbar sind nur noch zwei Bieter im Rennen. Das Düsseldorfer Konkurrenzunternehmen Metro bereitet sich schon mal auf eine Karstadt-Insolvenz vor.

(Foto: dpa)

Zukunft mehrfach vertagt

Vor einem Jahr musste Karstadt Insolvenz anmelden. An diesem Montag wollen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und der Gläubigerausschuss auf einem Treffen die Zukunft besiegeln. Die Entscheidung war bereits mehrmals vertagt worden. Görg will Karstadt als Ganzes verkaufen. Sollte einer der Interessenten den Zuschlag erhalten, könnte der Vertrag an diesem Mittwoch unterzeichnet werden.

Falls ein Verkauf an einen der bietenden Investoren in letzter Sekunde scheitert, würde Karstadt in die Insolvenz gehen. Auf diesen Fall bereitet sich derzeit der Düsseldorfer Metro-Konzern vor, zu dem auch die konkurrierende Warenhauskette Kaufhof gehört. Metro hat bisher nicht für Karstadt als Ganzes geboten, sondern will nur etwa 50 bis 60 Karstadt-Häuser übernehmen, um diese dann mit Kaufhof zusammenführen zu können. Metro-Chef Eckhardt Cordes stimmte sich nach Informationen aus Firmenkreisen am Wochenende bereits mit Aufsichtsrat und Anteilseignern intensiv über eine Auffanglösung für Karstadt ab. Die Einzelheiten wolle Cordes am Montag dem Insolvenzverwalter Görg vorstellen, hieß es. Cordes sagte wegen der neuen Entwicklung seine Teilnahme am World Economic Forum Südostasien in Vietnam ab. Metro-Vorstandsmitglied Frans Muller, der für das Großhandelsgeschäft in Asien verantwortlich ist, entschuldigte das Fehlen von Cordes damit, dass im Unternehmen "wichtige strategische Entscheidungen" anstünden. Metro-Großaktionär ist der Mischkonzern Haniel.

Das nun geplante Angebot von Metro sieht nach Angaben aus Firmenkreisen die Übernahme von mehr als der Hälfte aller Standorte vor. Dabei soll es vor allem um große und mittelgroße Standorte gehen. 18.000 bis 20.000 von insgesamt 25.000 gefährdeten Arbeitsplätzen bei Karstadt könnten so gerettet werden, heißt es. Metro will Karstadt mit Kaufhof fusionieren und anschließend im Paket verkaufen. Auch für den Fall, dass Highstreet den Zuschlag erhält, könnte Metro ins Spiel kommen, heißt es.

Keine Extrawurst für die Russen

Der russische Investor Artur Pachomow hatte bisher zwar Interesse bekundet, aber kein formelles Angebot öffentlich gemacht. Einem Sprecher von Insolvenzverwalter Görg zufolge gibt es nach wie vor offene Fragen bezüglich des Interesses des russischen Investors. Pachomow hatte um eine Fristverlängerung gebeten, um noch fehlende Dokumente vorzulegen. Hierzu sagte der Sprecher, es werde keine Sonderregularien geben.

Der Finanzinvestor Triton hält an seiner Offerte für die insolvente Warenhauskette Karstadt fest. "Wir gehen davon aus, dass unser Angebot am Montag auf der Tagesordnung steht", sagte ein Sprecher des deutsch-schwedischen Finanzinvestors zu Reuters. Triton hatte für den Fall eines Zuschlags bisher weitere Zugeständnisse der Karstadt-Arbeitnehmer gefordert, die Verhandlungen dazu waren aber nicht erfolgreich.

Im Juni 2009 hatte der inzwischen 129 Jahre alte Karstadt-Konzern mit rund 25000 Beschäftigen Insolvenzantrag gestellt. Zuvor war eine Rettung, auch mit möglicher staatlicher Hilfen, gescheitert. Karstadt war Teil des Arcandor-Konzerns. Die Karstadt-Schwester-Firma, das Versandhaus Quelle, wurde nach erfolgloser Investorensuche bereits abgewickelt.