Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt:Rückenwind für die Karriere

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Kellnern ist ein klassischer Ferienjob. Einige Minderjährige arbeiten jedoch in Branchen, in denen man sie nicht vermuten würde. (Foto: IMAGO/xpressmasterx/IMAGO/Pond5 Images)

Viele Jugendliche arbeiten neben der Schule oder in den Ferien. Und die meisten von ihnen kommen nicht aus ärmeren, sondern aus gut situierten Familien. Was das für ihren weiteren Lebensweg bedeuten kann.

Von Bernd Kramer

Da soll noch einmal jemand sagen, die Jugend wüsste nicht, wie man in die Hände spuckt. Sie ist sogar überaus fleißig: Im vergangenen Jahr hatten zum Stichtag Ende Juni 382 753 Menschen bis 18 Jahren einen Minijob - viel mehr als kurz vor Corona, als die Zahl dieser Tätigkeiten massiv eingebrochen war. Gerade jetzt in den Sommermonaten, wenn die Schulen geschlossen sind und die Zeit und das Portemonnaie irgendwie gefüllt werden wollen, schwärmen viele junge Menschen zu Abstechern ins Arbeitsleben aus.

Wohin es sie zieht, verrät die Statistik der Minijob-Zentrale - und zwar in einer Detailtiefe, dass das Kopfkino anspringt. Zum Beispiel waren zwei junge Menschen als geringfügig Beschäftigte im Erzbergbau tätig, vier weitere hatten einen Job in der Tabakverarbeitung gefunden, 330 im Spiel-, Wett- und Lotteriewesen - auf den ersten Blick allesamt Tätigkeitsfelder, die nicht geeignet für Minderjährige erscheinen. Immerhin sind das die Ausnahmen. Ein großer Teil hält es klassisch und geht kellnern. Ein Viertel der jugendlichen Minijobber hatte einen Vertrag in der Gastronomie oder im Hotel.

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Eine neue Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln, die der SZ exklusiv vorliegt, wirft nun ein weiteres Licht auf die jugendlichen Nebenbeschäftigungen - und hält dabei Erstaunliches fest. Wer vermutet, dass gerade Schülerinnen und Schüler aus ärmeren Familien von der Möglichkeit Gebrauch machen, das Taschengeld aufzustocken, liegt falsch. Der Studie zufolge ist es vor allem der Nachwuchs reicher Familien, der nach Nebenjobs sucht - oder sie vielleicht einfach schneller findet. "In dem Ausmaß hat mich das Ergebnis selbst überrascht", sagt IW-Ökonom Wido Geis-Thöne.

Der Forscher hatte Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 2018 bis 2020 ausgewertet, einer großen repräsentativen Haushaltsbefragung. Demnach berichteten nur 31,5 Prozent der 17-Jährigen aus der einkommensärmeren Hälfte aller Familien von Erfahrungen mit Nebentätigkeiten- aber 52,1 Prozent der Jugendlichen aus der reicheren Hälfte. Geis-Thöne vermutet, dass wohlhabendere Eltern ihre Kinder besser bei der Suche unterstützen können. Dass besonders häufig die Kinder von Führungskräften und Selbständigen einen Nebenjob haben, deutet in diese Richtung: Wenn Mama eine eigene Kanzlei führt, dann kennt sie bestimmt ein paar Kollegen, die mal jemanden für ein paar Hilfsarbeiten brauchen. Wenn Papa Abteilungsleiter ist, hat er vielleicht auch eher mal Kontakt zu anderen Unternehmen, die kleine Jobs zu vergeben haben.

Ist das ein Problem? Gute Frage. "Bisher ging man eher von der Prämisse aus, dass man Kinder vor zu viel Arbeit schützen muss", sagt Geis-Thöne. Deswegen habe die Forschung kaum in den Blick genommen, ob junge Menschen von ihren Nebenjobs nicht sogar profitieren - und ob Kinder aus reichen Familien auch hier einmal mehr einen Vorteil für ihren weiteren Lebensweg haben. Denn wer weiß: Vielleicht haben die Kanzleikollegen der Eltern eines Tages nicht nur einen Schülerjob zu vergeben, sondern einen gut dotierten Posten für einen frischgebackenen Uni-Absolventen.

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