Japan Hotel feuert Roboter

Dieser unsympathische Dino forderte die Gäste auf, ihren Reisepass zu scannen. Das kam nicht gut an.

(Foto: Shizuo Kambayashi/AP)
  • Im Hotel sollten die Roboter eine Sensation sein - und natürlich auch Kosten sparen. Doch das misslang.
  • Die automatischen Gepäckträger erreichten die meisten Zimmer des Hauses nicht, andere Roboter verstanden die Worte der Gäste nicht.
Von Helmut Martin-Jung

Immer freundlich, immer da für die Gäste, so sollte doch ein Hotel-Concierge sein. Doch was hilft alles höfliche Bemühen, wenn die Gäste nicht bekommen, was sie wollen? Eine Auskunft darüber zum Beispiel, ob sie ein Taxi nehmen sollen oder doch lieber den Bus, oder was man in der Nähe denn noch besichtigen könne. Und so musste der Roboter-Concierge des Henn-na-Hotels in Sasebo bei Nagasaki nun einem menschlichen Kollegen weichen. Und er ist nicht der Einzige.

Henn na, das könnte man vielleicht so übersetzen: das etwas andere Hotel. Anders ist darin vor allem eines: Die Betreiber versuchen, so viel Tätigkeiten wie nur irgend möglich auf Roboter zu übertragen. Zum einen deshalb, weil es in einem Themenpark in einer ländlichen Gegend liegt, in der Arbeitskräfte rar sind. Zum anderen aber - viel wichtiger - als Attraktion für die vielen Besucher des Themenparks, in dem das Hotel liegt.

250 Roboter tummelten sich im Hotel. Manche tanzten in der Lobby

Die Gäste werden im Henn na von einem mannsgroßen Dinosaurier begrüßt, der sie beim Check-in zum Beispiel dazu auffordert, ihren Reisepass auf einen Scanner zu legen oder ihr Gesicht von einer Kamera erfassen zu lassen. Eine Kamera an der Tür erkennt dann (hoffentlich) das Gesicht wieder und öffnet die Tür. Inspiriert vom anfänglichen Presserummel schon vor der Eröffnung im Jahr 2015 und ersten Erfolgen danach, wurden immer mehr Roboter angeschafft, am Ende waren es gut 250. Solche zum Beispiel, die in der Lobby den Gästen vortanzen oder das Gepäck aufs Zimmer schaffen sollten.

Doch es häuften sich die Probleme. Die Gepäckträger beispielsweise kamen nur mit ebenen Fluren zurecht und erreichten daher die meisten Zimmer des Hauses gar nicht. Sie konnten auch nicht in die außerhalb gelegenen Flügel geschickt werden, da sie nicht nass werden dürfen. Und nicht selten blieben die Transporteure in den Gängen stecken, weil sie nicht aneinander vorbeifanden. "Die waren echt langsam und laut", berichtete ein Gast dem Wall Street Journal, der 2017 im Henn na übernachtet hatte.

Als besonderes Ärgernis erwiesen sich die Churi genannten sprechenden Puppen, die den Gästen in jedem Zimmer zu Diensten sein sollten. Man konnte damit sprachgesteuert das Licht an- und ausmachen oder telefonieren. Doch die Gäste, mittlerweile gewohnt an Dienste wie Alexa oder Siri, wollten mehr und waren dann zunehmend enttäuscht, wenn Churi ein ums andere Mal auf ihre Fragen nichts zu antworten wusste außer einer Entschuldigung.

Es zeigte sich, dass die Roboter sehr schnell veralten - sie zu ersetzen, zieht hohe Kosten nach sich. Während die sich gut beziffern lassen, ist das mit den Kosten schwieriger, die entstehen, wenn Gäste unzufrieden sind. So wie jener Besucher des Henn na, der eine unruhige Nacht verbrachte, weil Churi, die sprechende Puppe, immer wieder losplapperte. Es stellte sich heraus, dass der Mann heftig schnarchte. Die Puppe fühlte sich dadurch angesprochen. Das Dumme war bloß, dass der Gast nicht herausfand, wie man das Ding zum Schweigen bringt.