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iPhone-Verkäufe:Selbst Rekorde enttäuschen Apples Aktionäre

Apple - 1. Geschäftsquartal

iPhones verkaufen sich immer besser - aber das reicht Investoren nicht.

(Foto: dpa)

Apple legt Rekordzahlen vor - aber Analysten und Anleger sind frustriert. In China müsse Apple besser durchstarten und die Aussichten für das kommende Quartal seien mau. Vor allem aber fragen sie: Wo bleibt das nächste große Ding?

Es mag durchaus Tage geben, an denen sich Tim Cook vorkommen muss wie der Sisyphos. Der ist zwar ein recht gewitztes Schlitzohr in der griechischen Mythologie, doch am Ende wird er damit bestraft, dass er dauernd einen Felsblocken einen Berg hinaufwälzen muss, der kurz vor dem Gipfel wieder hinunter ins Tal rollt. Cook schiebt ebenfalls, Quartal für Quartal, einen gewaltigen Brocken nach oben, er kommt dem Himmel näher als jeder andere Mensch zuvor.

Doch weil nicht er, sondern die Schlitzohren von der Wall Street bestimmen, wo genau sich der Gipfel zu befinden hat, kommt der Apple-Chef niemals oben an. Er muss sogar dabei zusehen, wie der Felsblock nach unten purzelt - immer dann, wenn er verkündet, wie hoch er diesen Brocken in den vergangenen drei Monaten mal wieder geschoben hat.

Ins wahre Wirtschaftsleben übersetzt: Apple hat wieder einmal ein Quartal hingelegt, bei dem viele andere Unternehmen einen Vergleich mit Herkules oder gar Zeus heranziehen würden. Der Umsatz betrug 57,6 Milliarden US-Dollar, das ist Rekord, der Gewinn 13,1 Milliarden wie im Vorjahr. Insgesamt verkaufte der Konzern mehr als 51 Millionen iPhones, so viele wie noch nie zuvor in einem Vierteljahr. Dazu mehr als 26 Millionen iPads, ebenfalls Rekord. Und natürlich noch 4,8 Millionen Macs, 700.000 mehr als im Vorjahresquartal - und das obwohl der PC-Markt schrumpft. Lediglich der iPod stirbt aus: Im Vergleich zum Quartal vor einem Jahr verkaufte Apple 52 Prozent weniger der Musik-Player.

Cook und sein Finanzchef Peter Oppenheimer gaben sich bei der Telefonkonferenz am Montagnachmittag selbstbewusst, als seien sie sich gewiss, den Felsbrocken diesmal am Gipfel ablegen zu können: "Wir sind überaus glücklich über die Rekordverkaufszahlen für iPhone und iPad, die starke Vorstellung der Mac-Produkte und das stete Wachstum von iTunes, Software und anderer Dienstleistungen", sagte Cook: "Wir haben die zufriedensten, treusten und engagiertesten Kunden."

Auch die Zusammenarbeit mit dem weltweit größten Mobilfunkanbieter China Mobile bewertete Cook positiv: "Letzte Woche war die nach Aktivierungen beste Woche, die wir jemals in China hatten. Derzeit gibt es in China nur in 16 Städten ein 4G-Netzwerk - wir erwarten, dass es bis zum Ende des Jahres mehr als 300 Städte sein werden." Und Oppenheimer sagte, dass Apple mittlerweile über mehr als 158,8 Milliarden Dollar Bargeld verfüge: "Wir glauben weiterhin fest daran, Anteile am Unternehmen zurückzukaufen - das haben wir in der Vergangenheit bereits getan und daran wird sich nichts ändern, ob der Aktienkurs heute nach oben oder nach unten geht."

Die Erwartungen sind immens hoch

Und was passierte? Der Aktienkurs des Unternehmens purzelte nach der Veröffentlichung der Zahlen nach Handelsschluss um mehr als acht Prozent nach unten. Es war wie im vergangenen Jahr, als Apple prächtige Zahlen verkündete - und die Aktie nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen von 514 Dollar auf 392 Dollar fiel.

Denn die Erwartungen an das Unternehmen sind mittlerweile immens hoch. Die Analysten hatten etwa prognostiziert, dass Apple 55 Millionen iPhones verkaufen würde, dass der Marktanteil in den USA besser sein würde, dass die Zusammenarbeit mit China besser anlaufen würde - und dass vor allem die Prognose für das zweite Quartal rosiger sein würden. Sie hatten auf 46,1 Milliarden Dollar gehofft, nun sprach Oppenheimer von 42 bis 44 Milliarden Dollar. Es könnte sein, dass Apple weniger einnimmt als im Vorjahresquartal.

Und natürlich fragen sich mittlerweile einige Analysten, ob das Unternehmen denn nun weiterhin "nur" das iPhone 5 verfeinert und auf den chinesischen Markt hofft - oder bald tatsächlich wieder ein neues, innovatives und womöglich gar bahnbrechendes Produkt auf den Markt bringt. Cook deutete am Montag immerhin an, noch in diesem Jahr neue Produktkategorien einführen zu wollen. Genau das wollen viele Analysten natürlich hören, nun dürfen sie spekulieren, was das sein könnte: eine iWatch womöglich, ein Fernseher oder womöglich gar ein Produkt, das durch eine Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Nike entsteht. Wer weiß? Die Erwartungen sind jedenfalls immens, und wahrscheinlich schon jetzt schon wieder zu hoch.

Aber das ist Tim Cook ja gewohnt. Wie nach beinahe jeder Telefonkonferenz zu Quartalszahlen geht er nun wieder ins Tal, um den Felsbrocken aufzuheben und ihn wieder nach oben zu schleppen. Ihm scheint das nichts auszumachen, denn er weiß, dass der Brocken, den er da vor sich herschiebt, immer noch ein wahnsinnig wertvoller ist.