bedeckt München
vgwortpixel

Verbraucherpreise:Inflation sinkt 2019 wieder

Um die Teuerungsrate zu berechnen, berücksichtigen die Statistiker, was Obst und Gemüse, aber auch Bücher, Schuhe oder Möbel kosten.

(Foto: Brooke Cagle/Unsplash)
  • Die Inflation hat sich im vergangenen Jahr einer ersten Schätzung zufolge deutlich abgeschwächt.
  • Demnach lag die Teuerungsrate 2019 nur noch bei 1,4 Prozent - viele Ökonomen halten jedoch eine Rate von zwei Prozent für wünschenswert.

Für Sparer ist die Nachricht auf den ersten Blick erfreulich, für Ökonomen eher nicht: Die Verbraucherpreise sind im Jahr 2019 um wohl nur 1,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt in seiner ersten Schätzung mit. Die endgültigen Berechnungen legt es am 16. Januar vor. "Nur" 1,4 Prozent, weil die Inflationsrate in den vergangenen zwei Jahren deutlich höher lag: Sowohl 2017 als auch 2018 hatten sich Waren und Dienstleistungen noch um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verteuert.

Um die Teuerungsrate zu berechnen, berücksichtigen die Statistiker etwa, was Obst und Gemüse, Bücher, Schuhe oder Möbel kosten. Wie hoch ist der Listenpreis für ein Auto, was kostet eine Pauschalreise, was der Sprit an der Tankstelle? Mehr als 300 000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden so repräsentativ erfasst. Den größten Anteil haben Mieten, Strom und Gas mit fast 32 Prozent. Gut zehn Prozent entfallen auf Lebensmittel.

Im April betrug die Teuerungsrate noch zwei Prozent

Viele Ökonomen sehen sinkende Teuerungsraten kritisch: Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Ein solcher Wert ist nach Auffassung der Zentralbanker ideal für die Wirtschaft. Im Gegensatz dazu befürchtet sie, dass im Falle kaum steigender oder sogar stagnierender Preise Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Schließlich könnten Produkte in absehbarer Zeit ja noch günstiger werden. Ökonomen befürchten, dass ein solches Verbraucherverhalten mittelfristig das Wirtschaftswachstum bremst.

Zuletzt war die monatliche Inflationsrate in Deutschland kontinuierlich gesunken. Erst im Dezember stieg sie mit 1,5 Prozent wieder leicht an. Im Juli hatte die Teuerungsrate noch 1,7 Prozent, im April 2019 sogar noch zwei Prozent betragen, was dem Wunschwert der EZB entspricht.

Viele Sparer freuen sich über weniger stark steigende Preise: Sie können unterm Strich beim Einkaufen Geld sparen - und ihre Erspartes verliert weniger stark an Wert. Derzeit gibt es wegen der Nullzinspolitik der EZB auf Geld, das Kunden auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern parken, kaum noch Zinsen. Und je weiter die Inflationsrate über den überaus niedrigen Zinsen der EZB liegt, desto schneller verliert das Ersparte an Wert.

© SZ.de
Zur SZ-Startseite