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Hochspezielle Rohstoffe:Seltene Erden heiß umkämpft

In der deutschen Industrie wächst die Furcht vor einem Ressourcen-Engpass. Ohne spezielle Metalle können weder Elektroauto noch Energiesparlampe oder Windrad auskommen.

Wer kennt schon Scandium, Neodym oder Gadolinium? Die meisten Menschen haben wohl noch nie etwas von diesen exotischen Materialien gehört. Das galt bis vor kurzem auch für die Manager in den Chefetagen vieler deutscher Unternehmen. Doch seit einiger Zeit sorgen die äußerst raren Metalle, die auch Seltene Erden genannt werden, in den Führungsetagen für helle Aufregung.

Im ostchinesischen Hafen von Lianyungang wird Sand, in dem Seltene Erden enthalten sind, für den Export nach Japan verladen.

Im ostchinesischen Hafen von Lianyungang wird Sand, in dem Seltene Erden enthalten sind, für den Export nach Japan verladen.

(Foto: AFP)

Der Nachschub ist in Gefahr und damit die Produktion in manchen Branchen. Kaum eine Schlüsseltechnologie vom Elektroauto über die Energiesparlampe bis zum Windrad kommt ohne diese raren Bodenschätze aus. Auch die Entwicklung von Zukunftstechnologie hängt entscheidend davon ab.

Macht Hauptlieferant China seine Ankündigung wahr und drosselt seine Ausfuhr, wäre dies ein Schlag für die deutsche Wirtschaft. Manche sehen sogar die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes bedroht, wie Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). "In manchen Unternehmen gibt es bereits echte Probleme mit der Verfügbarkeit", klagt er. Das gelte etwa für Lanthan, einen Rohstoff, der für Photovoltaik-Anlagen verwendet wird. Dass es eng wird, zeigt auch die Preisentwicklung. Seit dem Jahresanfang haben sich die Preise einiger rarer Metalle mehr als verdreifacht und sie steigen weiter.

Fatal ist, dass nicht nur deutsche, sondern Unternehmen rund um den Globus bei den Seltenen Erden beinahe zu hundert Prozent von China abhängig sind, das seine Exporte drastisch verringert. Die jährliche Produktion der seltenen Erden liegt bei nur 120.000 Tonnen. Davon gingen im vergangenen Jahr noch etwa 50.000 Tonnen in den Export. Jetzt fürchten die westlichen Länder, dass die Chinesen ihre Ankündigung wahr machen und die Ausfuhren auf nur noch 30.000 Tonnen gesenkt werden.

Deutsche Industrie rüstet sich

Inzwischen rüstet sich auch die deutsche Industrie zum Kampf um die knappen Ressourcen, sie fordert dabei mehr Hilfe von der Regierung. Kritiker werfen Kanzlerin Angela Merkel vor, sie habe das Problem zu lange ignoriert, denn der Zugang zu Rohstoffen ist nicht allein eine Frage von Angebot und Nachfrage. Länder wie China, aber auch die USA, Japan oder Russland haben die Beschaffung von Bodenschätzen längst zur nationalen Aufgabe erklärt.

Deutschland zog erst jetzt nach. Anfang Oktober nahm die Deutsche Rohstoffagentur, die unter dem Dach der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) angesiedelt ist, ihre Arbeit auf. Deren neuer Chef, Volker Steinbach, nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Entwicklung von Zukunftstechnologien, insbesondere auch der Ausbau der Windkraftenergie, hänge vom Zugriff auf die Seltenen Erden ab. "Das ist eine strategische Frage", sagt der BGR-Mann. Über die neue Rohstoffstrategie der Bundesregierung wollen Vertreter aus Politik und Wirtschaft am Dienstag bei einem Kongress des BDI in Berlin diskutieren.