Finanzindustrie:LBBW sichert sich Milliarden Fonds-Vermögen aus Deal mit Helaba

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Finanzindustrie: Bis Ende des Jahres möchte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einen Großteil der 60 Milliarden Euro Spezial- und Publikumsfondvermögen der Helaba übernommen haben.

Bis Ende des Jahres möchte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einen Großteil der 60 Milliarden Euro Spezial- und Publikumsfondvermögen der Helaba übernommen haben.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Unter den Kunden mit Spezial- und Publikumsfonds folgt offenbar ein Großteil der Empfehlung, die Landesbank zu wechseln. Die Einigung dürfte den Abbau von Doppelstrukturen vorantreiben.

Die Bündelung einzelner Geschäftsbereiche der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) schreitet voran. Nach der bereits erfolgten Übernahme des Zins- und Währungsmanagements für Sparkassen-Kunden hat sich die LBBW nun auch Dutzende Milliarden Euro an verwahrtem Fondsvermögen gesichert, das bisher bei der Helaba liegt.

Die LBBW bewegt sich hier über ihren internen Planungen, sagte Christian Sagerer, Bereichsvorstand Financial Institutions & Corporates. Beide Landesbanken hatten sich 2021 unter anderem darauf geeinigt, dass die Helaba bis Ende dieses Jahres das Verwahrstellengeschäft für Spezial- und Publikumsfonds beendet und ihren Kunden den Wechsel zur LBBW empfiehlt. Ob die dieser Empfehlung auch folgen, war offen. "Wir verzeichnen eine hohe Wechselquote", sagte Sagerer nun. "Wir hatten uns ursprünglich vorgenommen, einen Großteil der rund 60 Milliarden Euro Assets von der Helaba zu übernehmen. Das ist uns gelungen."

Die ersten Assets seien bereits transferiert worden. Der Rest folge bis Ende des Jahres. Im deutschen Verwahrstellengeschäft gibt es eine Vielzahl von Anbietern. LBBW und Helaba zählen zwar zu den größeren Akteuren, liegen aber jeweils für sich genommen eher im Mittelfeld. Laut Fondsverband BVI kam die LBBW Ende 2021 auf ein verwahrtes Fondsvermögen von 147 Milliarden Euro, während die Helaba bei 62 Milliarden Euro stand. Die Margen im Verwahrstellengeschäft sind sehr niedrig, Erträge lassen sich vor allem über große Volumina erzielen. Das gelte auch für das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement für Firmenkunden der Sparkassen (ZWRM), so Sagerer. Dieses übernahm die LBBW zunächst von der ehemaligen HSH Nordbank und der Bayern-LB sowie zuletzt auch von der Helaba.

Sparkassen-Präsident Schleweis befürwortet den Abbau von Doppelstrukturen schon lange

Innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe hat die LBBW eigenen Angaben zufolge nun einen ZWRM-Marktanteil von über 90 Prozent. Ebenfalls aktiv ist hier noch die Nord-LB. Daneben betreibt die LBBW solche Absicherungsgeschäfte auch für ihre eigenen Firmenkunden. Sagerer zufolge ermöglichen es die hohen Volumina, den Sparkassen ZWRM zu günstigeren Konditionen anzubieten, wodurch diese wiederum mit besseren Preisen auf Kundenfang gehen können. Die Helaba wird im Gegenzug im Sparkassen-Sektor zu einem Top-Anbieter im Sorten- und Edelmetall­geschäft. Denn die Vereinbarungen mit der LBBW sehen auch vor, dass diese ihr physisches Sorten- und Edel­metall­geschäft an die Helaba vermittelt.

All das dürfte ganz im Sinne von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sein, der sich seit Langem für den Abbau von Doppelstrukturen im Sparkassen-Sektor einsetzt und so für mehr Wettbewerbsfähigkeit sorgen will. Zwar gibt es für das von ihm angeregte Sparkassen-Zentralinstitut, welches bei einer Fusion von Landesbanken oder Dekabank entstehen könnte, bisher keine Mehrheiten. Doch die Zusammenlegung einzelner Geschäftsbereiche könnte letztlich in einem ähnlichen Ergebnis münden, auch wenn dieser Weg länger dauert.

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