Finanzmärkte:EU wird zum größten grünen Schuldner

Windrad Hamberg, Ansichten von der Ferne

Windkraftanlage in Oberbayern: Das Geld, das die EU mit Öko-Anleihen aufnimmt, soll Klima- und Umweltschutz finanzieren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die EU-Kommission wird im Oktober die ersten Öko-Anleihen herausgeben - und diesen Markt dann ganz schnell dominieren. Die Einnahmen sollen den Corona-Hilfstopf füllen.

Von Björn Finke, Brüssel

Die EU-Kommission wird zum weltweit größten Herausgeber von Öko-Anleihen - und die ersten dieser grünen Schuldscheine sollen bereits im Oktober platziert werden. Dies kündigte Haushaltskommissar Johannes Hahn am Dienstag in Brüssel an. Bei Öko-Anleihen garantiert der Geldempfänger, dass die Mittel in grüne Investitionen fließen, etwa in die Förderung von erneuerbaren Energien. Als Gegenleistung für diese Zusage ist der Zins ein wenig niedriger.

Der Markt für solche umweltfreundlichen Finanzprodukte boomt; auch die Bundesregierung wird an diesem Mittwoch wieder eine grüne Anleihe ausgeben. Hahn sagte, Europa sei die "Speerspitze" dieser Entwicklung; elf europäische Staaten würden bereits derartige Anleihen nutzen, vier weitere würden es planen, erläuterte der Österreicher. Nach Angaben von Bloomberg platzierten Regierungen weltweit im vergangenen Jahr Öko-Anleihen im Wert von gut 30 Milliarden Euro. Die EU-Kommission möchte nun bis zu 250 Milliarden Euro mit grünen Anleihen eintreiben. Diese enorme Summe verteilt sich zwar auf die fünf Jahre bis 2026, aber trotzdem wird Brüssel mit diesem Vorhaben den Markt rasant wachsen lassen.

Das Geld soll den Corona-Hilfstopf der EU füllen. Für diesen Fonds wird die Kommission bis zu 806 Milliarden Euro Schulden über Anleihen aufnehmen - und 250 Milliarden davon, also fast ein Drittel, soll eben durch grüne Anleihen hereinkommen. Den Großteil der Fondsmittel, 724 Milliarden Euro, verteilt die Brüsseler Behörde über ein neues EU-Programm mit dem schönen Namen Aufbau- und Resilienzfazilität an die Mitgliedstaaten, entweder als Zuschuss oder als günstiges Darlehen. Die Regierungen sind verpflichtet, mindestens 37 Prozent dieser Gelder für grüne Investitionen zu nutzen, etwa für die Förderung von Wärmedämmung in Häusern oder für Ladesäulen für Elektroautos. Die 250 Milliarden Euro, welche die Kommission mit den Öko-Anleihen einnimmt, sollen für diesen grünen Teil der Corona-Hilfen verwendet werden.

Damit Anleger sicher sein können, dass ihr Geld Umwelt und Klima hilft, hat sich die Kommission für ihre Öko-Anleihen ein Regelwerk gegeben, das im Einklang mit den entsprechenden Vorgaben der Internationalen Kapitalmarktvereinigung ICMA steht. Unabhängige Prüfer haben das bestätigt. Die Kommission wird jährlich Berichte darüber veröffentlichen, in welche Projekte das Geld geflossen und wie groß der Nutzen für Umwelt und Klima ist.

Im Juli schlug die Kommission ein Gesetz vor, das einen eigenen EU-Standard für grüne Anleihen schaffen soll, als Alternative zu den ICMA-Regeln. Doch dieser Rechtsakt ist noch nicht in Kraft; zunächst müssen EU-Parlament und Ministerrat, das Entscheidungsgremium der Mitgliedstaaten, darüber befinden. Daher muss sich die Behörde bei ihren Öko-Anleihen weiter auf die ICMA berufen - betont aber, sich so weit wie möglich auch an dem eigenen Vorschlag von Juli zu orientieren.

Hahn gab außerdem bekannt, dass die Behörde kommende Woche anfangen werde, Geldmarktpapiere, also Anleihen mit sehr kurzer Laufzeit, herauszugeben. Sie sollen die lang laufenden Anleihen ergänzen.

© SZ
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