Spielwaren:Haba streicht 700 Stellen in Deutschland

Spielwaren: Im Schaufenster der Haba Familygroup stehen zwei Enten aus Holz. Das Unternehmen hat schon seit mindestens zwei Jahren Probleme.

Im Schaufenster der Haba Familygroup stehen zwei Enten aus Holz. Das Unternehmen hat schon seit mindestens zwei Jahren Probleme.

(Foto: Daniel Vogl/dpa)

Einer der größten deutschen Spielzeughersteller kämpft ums Überleben. Das liegt vor allem an Fehlern im Management. Zuvor hatte auch Playmobil verkündet, Hunderte Stellen zu streichen.

Von Uwe Ritzer, Bad Rodach

Auf einer kleinen Wiese vor dem Hauptquartier des Holzspielzeug- und Kindermöbelherstellers Haba in Bad Rodach bei Coburg sitzen rund um die Uhr ein paar ältere Herrschaften mit Kindern auf Sitzbänken. Es sind aber keine echten Menschen. Ein Künstler hat die Figuren geschaffen und dort platziert. Die Gemütlichkeit steht im krassen Gegensatz zu den Turbulenzen, die in der gemessen am braven Stadtbild von Bad Rodach futuristisch anmutenden Firmenzentrale dahinter ausgebrochen sind. Haba, einer der größten deutschen Spielzeughersteller, kämpft ums Überleben. Und das will das Management mit drastischen Einschnitten sichern.

Der Plan sieht im Kern vor, fast 700 der insgesamt 1677 Stellen in Deutschland zu streichen und einen Produktionsstandort in Eisleben in Sachsen-Anhalt zu schließen. So steht es in einem Sanierungskonzept von Management und Experten. Am Mittwoch haben sie dieses Konzept der Belegschaft und dem Betriebsrat vorgestellt, ab sofort wird damit über den Personalabbau verhandelt. Bis Ende November muss es eine Lösung geben. Die Zeit drängt, denn Haba, ein vor 85 Jahren gegründetes und auf Holzspielzeug konzentriertes Familienunternehmen, befindet sich seit September in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Und das lässt den Verantwortlichen drei Monate Zeit, um aus eigener Kraft einen Weg aus der Krise zu finden.

Dem Sanierungskonzept zufolge will Haba nicht nur Personal abbauen, sondern das nach Ansicht von Fachhändlern in den vergangenen Jahren ausgeuferte Sortiment auf "hochwertige Spielwaren und Spiele zur Entwicklungsförderung von Kindern" ausrichten, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Ausbauen will Haba seine unter der inzwischen in Haba Pro umbenannten Tochtermarke Wehrfritz errungene Marktführerschaft als Ausstatter für Kindertagesstätten und Ganztagseinrichtungen.

Der Stellenabbau kommt nicht überraschend

An dem bereits im August angekündigten Plan, den Online-Shop Jako-o zu zum Jahresende zu schließen, wird festgehalten. Um Haba zu retten, seien "grundlegende und für alle Beteiligten überaus schmerzhafte Einschnitte nötig", sagt der als Generalbevollmächtigter eingesetzte Sanierungsexperte Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger. "Zu den zentralen Elementen der erfolgreichen Sanierung gehören eine klare Positionierung der Marken, tragfähige Kostenstrukturen und eine nachhaltige Aufstellung des Unternehmens nach innen wie außen."

Der Abbau der knapp 700 Stellen kommt nicht überraschend, bereits seit Monaten wird darüber spekuliert. Das Unternehmen hat schon seit mindestens zwei Jahren Probleme. Unbestätigten Informationen zufolge steuert es im laufenden Jahr auf einen Fehlbetrag von 70 Millionen Euro zu, bei einem drastisch auf 250 Millionen Euro gefallenen Umsatz.

Drei Tage vor Haba hatte der für sein Plastikspielzeug Playmobil bekannte Zirndorfer Spielzeughersteller Brandstätter angekündigt, 700 Stellen zu streichen, 369 davon in Deutschland und zwar fast ausschließlich in Franken. Damit fallen allein in der fränkischen Spielwarenindustrie auf einen Schlag mehr als 1000 Stellen weg. Haba ist überdies im Landkreis Coburg der größte Arbeitgeber. Wie bei Playmobil sind auch bei Haba nach Einschätzung von Insidern und Branchenexperten vor allem Managementfehler verantwortlich für die Probleme. Die Spielwarenbranche insgesamt war über Corona deutlich gewachsen; inzwischen allerdings plagen volle Lager viele Hersteller. Mit großer Spannung wird daher das bevorstehende Weihnachtsgeschäft erwartet - die wichtigste und umsatzstärkste Zeit des Jahres in der Branche.

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