Griechenlands Schuldenkrise:Einigen Ministern blieb schier die Luft weg

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Es ist nicht überliefert, ob der Brite weiter insistierte und wie sein Premier David Cameron in der vergangenen Woche die europäischen Kollegen ermahnte, mit ihren Streitereien nicht das schöne Wachstum in Großbritannien zu gefährden.

Sicher ist dagegen, dass wenig später eine Wortmeldung des griechischen Finanzministers dazu führte, dass einigen Ministern schier die Luft wegblieb. Um die Wirtschaft in der Euro-Zone in Gang zu bringen, so erklärte Varoufakis den verdutzten Kollegen, sollten sich doch die Europäische Zentralbank und die Europäische Investitionsbank zusammentun. "Glaubt er, dass die eine Bank das Geld druckt und die andere es ausgibt?", fragte ein entnervter Unterhändler.

Universitäre Denkübungen wie diese lassen europäische Realpolitiker zunehmend verzweifeln. Sie haben die Kompromissbereitschaft der Euro-Partner, darunter Deutschland, auf den Nullpunkt gebracht. Ein netter Kerl sei dieser Varoufakis schon, sagte Luis De Guindos, der spanische Minister, "er sitzt ja, geografisch gesehen, zu meiner Linken". Aber das war das Freundlichste, was man über den Charakterkopf in Brüssel zu hören bekam.

Premier Tsipras verlangt von Schäuble mehr Selbstbeherrschung

Bundesfinanzminister Schäuble räumte ein, er könne sich nicht beklagen. Varoufakis habe sich ihm gegenüber nie anders betragen, "als es zivilisierte Menschen tun". Aber diese Anmerkung zeigt, dass die Auseinandersetzung zwischen Griechenland und den Euro-Partnern eine von Varoufakis und Schäuble ist. Der griechische Gelehrte, der seit drei Wochen Finanzminister ist, rüttelt vehement an den von Schäuble geschriebenen Grundsätzen der Euro-Rettung. Und mit ihm der linke Premierminister Alexis Tsipras. Für den Bundesfinanzminister ist das ungewohnt. Er ist der ungekrönte König unter den Finanzministern. Alles, was in den vergangenen Jahren der Euro-Rettung beschlossen wurde, trägt die Handschrift Schäubles.

Umso schwerer wiegt, dass plötzlich ein unerfahrener Finanzminister einer linksgerichteten Regierung eines kleinen Landes darauf besteht, der Euro-Politik eine neue Richtung zu geben und so nebenbei den Bundesfinanzminister brüskiert.

Vergangenen Mittwoch verließ Schäuble eine lange Sitzung der Euro-Finanzminister in dem Glauben, beide Seiten hätten sich geeinigt, das bestehende Kreditprogramm zu verlängern. In der Tiefgarage, so erzählt Schäuble, erreichte ihn die Nachricht, dass Varoufakis doch nicht zustimme. Kurz danach erschien in der Zeitung des regierenden Linksbündnisses Syriza eine Karikatur von Schäuble als Nazi, worauf sich sämtliche Euro-Finanzminister bei ihm meldeten und ihr Bedauern aussprachen. Am Dienstag gab es dann eine Entschuldigung von griechischer Seite.

Offiziell gibt sich Schäuble so, als könne ihm das alles nichts anhaben. EU-Diplomaten machten am Dienstag allerdings darauf aufmerksam, dass die deutsche Kompromissbereitschaft nachgelassen habe. Bevor sich der Finanzminister auf den Weg zurück nach Berlin machte, ließ er Griechenland dann noch wissen, dass er natürlich wolle, dass die Euro-Gruppe zusammenbleibe. Indes müsse jeder etwas dafür tun. Etwa zur selben Zeit meldete sich der griechische Premier zu Wort. Tsipras bat Schäuble um mehr Selbstbeherrschung. Er habe sich abwertend über das griechische Volk geäußert. "Es wäre besser, er würde Völker bemitleiden, die mit hängendem Kopf gehen."

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