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Griechenland:Hat sich China politischen Einfluss erkauft?

Die Mentalität habe sich geändert. Auch der Druck sei gewachsen: "Jetzt wird kontrolliert, dass jeder seine Arbeit macht." Aber es gibt sie: Arbeit. Neue Vertragskonditionen muss Cosco mit der Hafenarbeiter-Gewerkschaft vereinbaren. "Wir müssen jetzt mit Cosco leben. Und Cosco mit uns", sagt Gewerkschaftspräsident Georgiou. Die Regierung von Premier Alexis Tsipras, der das Linksbündnis Syriza 2015 an die Macht geführt hatte, stand früher auf der Seite jener, die gegen Firmen wie Cosco gekämpft hatten. Tsipras gehörte zur "Cosco go home"-Fraktion.

Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Sein für den Hafen zuständiger Minister Panagiotis Kouroumblis redet der Privatisierung das Wort. Damit nehme man dem Staat "Lasten" ab. Heute laufe die Zusammenarbeit mit Cosco reibungslos, lobt er. Ein ums andere Mal hatte Athen beklagt, die Rettungspolitik, die in Brüssel gemacht werde, setze nicht auf Wachstum. Im Gegenteil: Sie schwäche das Land. Die Chinesen haben Athen nicht belehrt. Sie haben Geld mitgebracht. Und Tsipras führt sein Land zum Geld.

Beim Seidenstraßen-Gipfel im Frühjahr in Peking schickte Athen nicht einfach nur einen Minister. Griechenlands Premier Alexis Tsipras kam selbst und huldigte dem Projekt. Es ist gerne Teil der neuen Seidenstraße. Es fühlt sich anders an, umworben zu werden. Auf der Wirtschaftsmesse in Thessaloniki im September war China in diesem Jahr Ehrengast. Tourismusunternehmen hoffen, dass bald Chinesen zur wichtigen Zielgruppe im Tourismus aufsteigen. Jetzt sind es 200 000 im Jahr, bald schon könnten es mehr als eine Million Touristen sein. In Piräus baut Captain Fu gerade den Kreuzfahrthafen aus. "Wir wollen unsere Länder miteinander verbinden", sagt er.

Für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping ist Griechenland heute ein "verlässlicher Freund in Europa". Manche fragen sich schon, wie weit die Freundschaft geht. Hat sich China über die Investitionen nicht schon längst politischen Einfluss in Europa erkauft? Im Juni scheiterte eine gemeinsame Entschließung der Europäer zur Menschenrechtslage in China ausgerechnet an Griechenland. Ein Novum.

Bislang waren die Länder der EU in dieser Frage nicht auseinanderzubringen. Plötzlich schert Athen aus. Als "fadenscheinig und oberflächlich" bezeichneten EU-Politiker die Begründungen aus Athen. Unter den Außenpolitikern von Tsipras' Syriza heißt es, niemand von der chinesischen Seite habe jemals den Wunsch vorgetragen, so abzustimmen. Aber es macht auch niemand ein Geheimnis daraus, wer in der Krise investiert hat und wer Athen andauernd belehrt. Athen habe sich keineswegs von den Chinesen "kolonialisieren" lassen, sagt Minister Kouroumblis. "Wir haben klargemacht, dass wir gleichberechtigte Partner sind." Den Minister und Captain Fu sieht man Seite an Seite auf einem Foto im Flur zu Captain Fus Büro. Die Fotogalerie dort ist ein Who's who der griechisch-chinesischen Freundschaft.

Cosco ist zum Machtfaktor geworden. Captain Fu rechnet vor: An einem Job bei Cosco im Hafen hingen indirekt fünf andere. Und Cosco beschäftigt mehr als 3000 Leute. "Wir unterstützen Griechenland." Niemand brauche Angst zu haben. "Geschäft ist Geschäft", sagt Fu Chengqiu. "Und Freundschaft ist Freundschaft."

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