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Griechenland:Der spektakulärste Coup in Europa

"Tor zu Europa", "Brückenkopf", "Drachenkopf" - welches Etikett auch immer dem Hafen angeheftet wird, das Engagement der Chinesen ist Teil eines gigantischen Vorhabens mit Investitionen in 65 Ländern. China baut an einem neuen Handelskorridor: einer modernen Seidenstraße. Die Führung in Peking stellte die Idee 2013 vor. China greift nach neuen Märkten, weil der eigene nicht mehr genug hergibt. Die Binnennachfrage reicht nicht, um die Wachstumsziele weiter zu erreichen. Der Export wächst nicht mehr.

Vernachlässigte Schienennetze, verkümmerte Hafenanlagen - die Chinesen greifen danach.2014 legte die Regierung einen Seidenstraßen-Fonds mit 40 Milliarden Dollar auf, der jetzt noch mal um 15 Milliarden aufgestockt werden soll. Investitionsbanken wurden gegründet. Bis zu 1,6 Billionen Dollar könnten in den kommenden zehn Jahren in den Aufbau der neuen Seidenstraße fließen - ein Jahrhundertprojekt, wie es die Chinesen nennen. Es soll wieder "Milch und Honig" fließen.

Der Hafen von Piräus ist nur der spektakulärste Coup in Europa. Von hier aus führen Bahnverbindungen über den Balkan nach Mittel- und Osteuropa. Seit einiger Zeit gehen die Chinesen in krisengeschüttelten Ländern Südeuropas auf Einkaufstour. Captain Fu sagt: "China war früher ein armes Land. Warum arm bleiben? Wir ändern das. Wir können hart arbeiten. Ich kann zwölf Stunden am Tag arbeiten, ohne mich zu beschweren."

In der Taverne am Fischmarkt von Piräus serviert die Bedienung herrlich starken Kaffee. Wände voller Fotos erzählen Geschichten aus einer Zeit, in der Piräus noch nicht von den Chinesen gerettet werden musste. Der Hafen ist für die Menschen Identität. Ganz großes Gefühl. Wenn Ferien sind, schleppen die Griechen ihr Gepäck den Kai entlang zu den Fähren, die sie auf die Inseln bringen, von denen sie oder ihre Vorfahren kommen. Piräus bedeutet Fernweh und Heimweh zugleich.

Kaum einer kennt den Hafen so gut wie Nick Georgiou. Er hat den Buckel krumm gemacht, bevor die modernen Maschinen kamen. Heute ist er Präsident der Hafenarbeiter-Gewerkschaft. Mit am Tisch sitzt sein Generalsekretär, Giorgos Gogos. In ihrem Büro hängt ein Plakat von einem früheren Gewerkschaftstreffen. "We will never walk alone again", steht darauf. Aber das Haus der Gewerkschafter, ein Betonriegel mit langen Fluren am anderen Ende des Hafens, wirkt wie ein ausgestorbener Ort.

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Georgiou, 53 Jahre alt, weißes Poloshirt, Jeans, raucht Kette. "Es war ein schwieriger Kampf. Vielleicht war es unmöglich zu gewinnen", sagt er. Bis zum Schluss hätten sie versucht, die Privatisierung des Hafens, "des Herzens von Piräus" zu verhindern. Im vergangenen Jahr, bevor Cosco die Kontrolle übernahm, hatten die Arbeiter gestreikt. Es half nichts.

Am Anfang stand Feindschaft. "Cosco war gegen uns, gegen Gewerkschaften. Es ging nur darum, Kosten zu minimieren", sagen die Gewerkschafter. Mit Überstunden und Schichtzulagen kamen manche Hafenarbeiter vor der Schuldenkrise auf 1800 Euro im Monat. Aus heutiger Sicht: Traumgehälter. Als Cosco die Konzession für den Containerumschlag 2009 bekam, musste der Konzern die teure Belegschaft nicht übernehmen. Die Griechen bauten einfach ein neues Terminal für die Alt-Belegschaft. So funktionierte Privatisierung damals - sie sollte niemandem wehtun.