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Greensill Bank:Enge Kontakte

Hätte die Schließung der Greensill Bank verhindert werden können? Bei der Schuldfrage stehen vor allem die Finanzaufsicht Bafin und der Prüfungsverband der privaten Banken im Fokus.

Von Meike Schreiber

Hätte die Schließung der Bremer Greensill Bank verhindert werden können? Und wenn ja, von wem, wie und wann? Diese Fragen stellen sich wenige Tage, nachdem die Finanzaufsicht Bafin das Kreditinstitut am Mittwoch einfrieren musste und Kunden vorerst nicht an ihr Geld kommen. Die Aufseher hatten festgestellt, dass ein Teil der Kredite womöglich nichts wert ist.

Bei der Schuldfrage richten sich die Augen nun vor allem auf die Finanzaufsicht Bafin und den Prüfungsverband der privaten Banken. Aufgabe der Bafin ist es, die deutschen Banken zu überwachen. Der Prüfungsverband der Banken wiederum muss seine 139 Mitglieder im Auge behalten, damit keines zu riskante Geschäfte eingeht. Dazu hat der Prüfungsverband weitreichende Befugnisse, kann also Auflagen erteilen ähnlich wie die Finanzaufsicht. Dahinter steht, dass die Mitglieder bei einer Bankpleite füreinander einstehen, also den Sparern dank der Einlagensicherung ihr Geld so gut wie unbegrenzt ersetzen, wenn ein Geldhaus umkippt. Bei Greensill müssen die Privatbanken wohl ein bis zwei, maximal drei Milliarden Euro ersetzen - eine Menge Geld.

Eine zentrale Frage lautet jetzt: Wie gelang es der Greensill Bank, im Jahr 2019 plötzlich mehr als drei Milliarden Euro Kundengelder einzusammeln, ohne dass Aufseher und Prüfungsverband ihr Veto einlegten? Erst im Sommer 2020 begann die Bafin mit einer Sonderprüfung des Instituts, die schließlich in Auflagen für die Bank mündete, was aber die Pleite nicht mehr verhindern konnte.

Ein ehemaliger Vorstand des Prüfungsverbandes rückte in den Aufsichtsrat der Bank ein

Eine mögliche Antwort hat das Fachportal Finanz-Szene recherchiert: Demnach hatte der Prüfungsverband bereits das Vorgängerinstitut der Greensill Bank, die Nordfinanz, besonders streng überwacht: Von 2013 bis 2015 verhängt der Verband nicht näher präzisierte Auflagen. Später übernahm die britisch-australische Greensill-Gruppe die Bremer Bank und schoss frisches Kapital in das Institut. Ab 2018 begann das Geldhaus dann plötzlich mit attraktiven Konditionen für Tages- und Festgeld Kunden anzulocken.

Kurz zuvor war Eberhard Kieser, von Beruf Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, in den Aufsichtsrat der Bank eingezogen. Trotz des hohen Einlagenwachstums gab es - Zufall oder nicht - zu diesem Zeitpunkt aber offenbar keine neuen Auflagen der Einlagensicherungen mehr. Kieser wiederum war nicht irgendwer, sondern von 1989 bis 2014 im Vorstand des Prüfungsverbandes deutscher Banken. Hat sich Kieser bei seinem früheren Arbeitgeber für die Bank eingesetzt? Dazu wollte sich der Bankenverband nicht äußern. Kieser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

© SZ
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