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Gipfelstürmer:Die Bauerstochter

Mareile Wölwer: "Ich hatte Respekt davor, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber keine Angst. In meiner Familie waren alle selbständig."

(Foto: oh)

Mareile Wölwer betreibt ein Start-up für personalisierte Tiermedizin. Vetevo verschickt Testkits, mit denen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner analysiert werden.

Mareile Wölwer ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. 350 Milchkühe lebten dort, Hunde und ein paar Katzen, Pferde hatte sie auch auf dem Hof in der Nähe von Koblenz. Sie hat viel mitgenommen aus der Zeit, darunter zwei Dinge: ein Bewusstsein dafür, wie es ist, mit Tieren zu arbeiten und zu leben. Und eine gewisse Selbstverständlichkeit, was Unternehmertum angeht. "Ich hatte Respekt davor, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber keine Angst", sagt die 25-Jährige. "In meiner Familie waren alle selbständig, darum hatte ich keine Berührungsängste."

Nach dem Abitur hat sie den Rat ihrer Eltern befolgt und "etwas Anständiges" studiert: Management an der privaten Hochschule WHU in Vallendar, nicht weit weg von ihrem Heimatort. Dort belegte sie Kurse über Start-ups und lernte ihren Mitgründer Felix Röllecke kennen. Schon während des Studiums hatte sie einen ersten Plan für ein Unternehmen. Sie entwickelte eine App, mit der Bauern ihr Vieh registrieren können - die Pflege der Datenbanken per Hand war für ihre Familie immer mühselig. Doch das Ganze hat nicht geklappt, die Bauern litten damals unter der Milchkrise, die Preise fielen, sie hatten andere Dinge im Kopf als die Digitalisierung.

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Inzwischen hat die Gründerin die Idee weiterentwickelt und Vetevo gegründet, ein Start-up für Gesundheitsvorsorge für Hunde, Katzen und Pferde. Vetevo verschickt Testkits, mit denen Herrchen und Frauchen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner einsammeln, ins Labor schicken und analysieren können. Das Start-up empfiehlt dann die passende Wurmkur, wenn Würmer im Kot sind. Dazu gehört eine App, in der Kunden die Laborergebnisse und auf das Tier zugeschnittene Empfehlungen von Tierärzten einsehen können. "Viele Trends der Humanmedizin schwappen herüber zu den Tieren", sagt Wölwer. Tierbesitzer kümmern sich mehr um Gesundheitsvorsorge und gute Ernährung. Die Tiermedizin ist im Wandel. Große Ketten kaufen immer mehr Praxen auf, weil sie ein Geschäft in der Tatsache sehen, dass Haustierhalter bereit sind, Unsummen für ihre vierbeinigen Liebsten auszugeben. Vor ein paar Jahren hat sogar der Süßigkeitenkonzern Mars eine Tierklinikkette gekauft - für 7,7 Milliarden Dollar.

Vetevo macht für Tiere, was auch bei Menschen gerade in die Gesundheitsbranche einzieht: Personalisierte Medizin, eine digitale Gesundheitskarte. Manche Tierärzte sehen das Start-up als Konkurrenz, andere arbeiten mit ihm zusammen. Vetevo hat von Anfang an Geld eingenommen, weil die Firma die Testkits verkaufte. Bislang ziehen die Gründer noch keine Gewinne aus dem Unternehmen, alle Einnahmen investieren sie in neue Projekte, zum Beispiel ihre Pläne für weitere Testkits und ein eigenes Labor, statt wie bisher mit Partnern zusammenzuarbeiten. In diesem Jahr lief es bislang sehr gut, sagt Wölwer, der Umsatz wachse von Monat zu Monat um etwa 40 Prozent. Inzwischen hat Wölwer 20 Mitarbeiter und gut 15 000 Nutzer.

Wölwer und ihr Team gehen manchmal in Parks und sprechen Hundebesitzer an, ob sie schon von Vetevo gehört hätten und welche Dienstleistungen sie sich wünschen würden. "Das kostet sehr viel Zeit, aber es lohnt sich", sagt Wölwer. "So bekommen wir Feedback von unvoreingenommenen Menschen." Bürohund Matilda, quasi der 21. Mitarbeiter, ist immer dabei und modelt auch für das Unternehmen bei Instagram. Vetevo sitzt in Berlin. Wölwer hat sich wegen der Start-up-Szene für die Stadt entschieden. "Wir tauschen uns viel mit anderen Gründern aus", so Wölwer. "Dann fühlt man sich nicht so allein. Und es ist besser, Ratschläge zu bekommen, als allein zu grübeln." Wenn sie Fragen zur Selbständigkeit hat, kann sie die Eltern um Rat bitten.