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Gewinneinbruch:Krisenflugzeug A400M bringt EADS in Bedrängnis

Der Militärtransporter A400M hinterlässt hässliche Spuren in der EADS-Bilanz: Der Gewinn bricht deutlich ein. Die Auslieferung des Flugzeugs hat sich deutlich verzögert.

EADS kämpft mit schweren Turbulenzen: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen, vor allem wegen des Problemfliegers A400M. Die Luftfahrtkrise und explodierende Kosten für das Prestigeobjekt vermiesten die Geschäfte.

Airbus A400M, AFP

Spuren in der Bilanz hinterlässt der Militärtransporter

A400M

- hier eine Computersimulation. Er hätte längst ausgeliefert werden sollen, ist bislang aber nicht einmal zum Erstflug gestartet.

(Foto: Foto: AFP)

Das Betriebsergebnis ging um 23 Prozent auf 888 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen mitteilte. Allein für das Militärflugzeug A400M musste der Konzern 191 Millionen Euro abschreiben.

Drei Jahre Verspätung

Die mit der Auslieferung um mindestens drei Jahre verspätete Transportmaschine könnte das Ergebnis auch in den kommenden Quartalen weiterhin "erheblich" belasten, warnte das Mutterhaus des Flugzeugbauers Airbus.

Zumindest die vergangenen drei Monate brachten mehr Geld in die EADS-Kasse: Dank der Auslieferung etlicher Airbus-Maschinen sei der Gewinn nach Steuern im zweiten Quartal um 76 Prozent auf 208 Millionen Euro gestiegen.

Die Verteidigungsminister der sieben A400M-Abnehmerstaaten - Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und die Türkei - hatten sich darauf geeinigt, das Programm trotz der immensen Verspätung fortzuführen.

Bis Jahresende stehen nun Nachverhandlungen mit EADS an. Das Unternehmen räumte ein, sich über die finanziellen Folgen der dauernden Verzögerung bei dem Prestigeprojekt noch nicht im Klaren zu sein.

Die A400M hat mindestens drei Jahre Verspätung. Während die erste Maschine ursprünglich Ende dieses Jahres ausgeliefert werden sollte, ist das Transportflugzeug bislang nicht einmal zum Erstflug gestartet. Ein Datum hierfür nannte EADS nicht. Deutschland ist mit 60 Flugzeugen der größte Abnehmer.

Verdacht des Insiderhandels

Nicht nur die Finanzzahlen sorgen für Negativ-Schlagzeilen bei EADS: Nach Ermittlungen der Pariser Börsenaufsicht AMF haben sich sieben ehemalige oder amtierende EADS-Führungsmanager im Zuge der A380-Pannen des Insiderhandels schuldig gemacht.

Mit Wissen um weitere Verzögerungen sollen sie umfangreiche Aktienpakete verkauft haben, bevor die Öffentlichkeit informiert worden sei. Dies geht aus dem Ermittlungsbericht der AMF hervor.

Unter den sieben Beschuldigten ist auch der Deutsche Andreas Sperl, früherer Finanzvorstand des Europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns und zur Zeit Leiter der zum EADS-Konzern gehörenden Elbe Flugzeugwerke in Dresden.

Ex-EADS-Chef Noel Forgeard und Ex-EADS-Vize Jean-Paul Gut stehen ebenfalls auf der Liste. Die Börsenaufsicht könnte Geldstrafen von bis zu 1,5 Millionen Euro gegen die Manager verhängen.

© sueddeutsche.de/AFP/AP/Reuters/kfa/hgn

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