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Militärtransporter A400M:Militärtransporter bedroht

Milliardengrab A400M: Dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS könnte bald das Aus für sein aus dem Ruder gelaufenes Militär-Transportflugzeug bevorstehen.

Der Militärtransporter Airbus A400M steht möglicherweise vor dem Aus. Die europäische Rüstungsbehörde Occar habe die an dem Milliardenprojekt beteiligten Länder daran erinnert, dass sie den Kaufvertrag am 31. März kündigen können, berichtet der Spiegel vorab. Mit dem ursprünglich für Januar 2008 geplanten Erstflug der Maschine sei ein "kritischer Meilenstein" nicht erreicht worden. Laut Airbus-Mutterkonzern EADS ist wegen technischer Probleme derzeit nicht absehbar, wann ein Prototyp abheben kann.

Mit dem Transportflugzeug A400M gibt es massive Probleme.

(Foto: Foto: dpa)

Falls der Konzern nicht bald darlege, wie und wann er die Probleme zu lösen gedenke, werde im Berliner Verteidigungsministerium die Beendigung des Vertrags beraten, schreibt das Magazin weiter. Würde mit den sechs anderen von Occar vertretenen Käuferländern verabredet, das Kündigungsrecht auszuüben, käme Airbus in Nöte. Der Flugzeugbauer müsste "innerhalb von 60 Tagen" Anzahlungen in Milliardenhöhe zurückerstatten.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte dazu, das Unternehmen müsse Transparenz und Klarheit schaffen. Man sei in Kontakt, es gebe aber keine Vertragsverhandlungen. Die Bundesregierung sei nicht bereit, vertragliche Ansprüche aufzugeben.

EADS erklärte am Sonntag, nach wie vor zu dem Projekt zu stehen. Der Konzern sei entschlossen, das A400M zum Erfolg zu bringen, verwies ein EADS-Sprecher auf eine Mitteilung von Mitte Februar. "Die dort getroffenen Aussagen gelten uneingeschränkt", sagte er.

Die Auslieferung des Militärtransportflugzeugs soll drei Jahre nach dem Erstflug erfolgen. Einen Termin für diesen wichtigen Test gibt es aber nach wie vor nicht, er wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Hauptproblem bei der mehrjährigen Verzögerung des Flugzeugs gelten die riesigen Propellertriebwerke und ihre Steuerung.

Wegen der Verzögerungen führt EADS derzeit Gespräche mit den Besteller-Ländern über die Änderung der Verträge. Anders als sonst üblich wurde für den A400M zum Leidwesen von Airbus und EADS ein Festpreis vereinbart. Zudem fallen wie üblich hohe Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung an.

Beide Seiten üben bei den Vertragsverhandlungen gegenseitig Druck aus. So bezeichnete Airbus-Chef Tom Enders das Projekt jüngst unter den derzeitigen Vertragsbedingungen als "mission impossible". Die Auftraggeber pochen entweder auf Einhaltung der Verträge oder drohen wie letzte Woche Großbritannien mit einem Ausstieg aus dem Programm.

Der Spiegel schreibt weiter, im Verteidigungsministerium werde erwartet, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bedrängen wird, am A400M festzuhalten, selbst wenn er weit später komme, weniger leiste und noch mehr koste. Dies lehnt Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) demnach ab. Er wies Rufe der EADS zurück, den Vertrag zu ändern, der auch hohe Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung vorsieht. Berlin hat 60 Maschinen für gut acht Milliarden Euro bestellt. Paris will 50 kaufen. Insgesamt liegen 192 Aufträge aus neun Nationen im Wert von gut 20 Milliarden Euro vor.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/vw/mel

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