Geschäftsklima-Index:Selbstständige geraten in Abwärtsstrudel

Geschäftsklima-Index: Bei Selbstständigen fehlen laut Ifo-Institut die Aufträge.

Bei Selbstständigen fehlen laut Ifo-Institut die Aufträge.

(Foto: Thomas Trutschel/imago images/photothek)

Weil Großunternehmen Aufträge fehlen, vergeben diese wiederum weniger an Selbstständige. Das trübt das Geschäftsklima.

Selbstständige geraten in Deutschland zunehmend in den konjunkturellen Abwärtsstrudel. Ihr Barometer für das Geschäftsklima sank im Juni um 4,0 auf minus 12,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. "Es ist eine Art Domino-Effekt", sagte Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. "Da vielen Großunternehmen Aufträge fehlen, vergeben sie auch weniger Aufträge an die Selbstständigen." Die Sorgen um die weitere Geschäftsentwicklung nahmen daher erneut deutlich zu. Auch mit ihren laufenden Geschäften waren die Selbstständigen unzufrieden.

"In der Gesamtwirtschaft zeigten die Indikatoren ebenfalls nach unten, allerdings gilt hier die Geschäftslage insgesamt noch als günstig", erklärte das Ifo-Institut. Bei den Dienstleistern - auf denen der Schwerpunkt der Umfrage unter Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern liegt - gaben die Erwartungen spürbar nach. Die aktuelle Lage wurde zudem weniger gut beurteilt. Der Umsatz ging zurück, die Auftragsbestände schrumpften weiter. Unternehmensnahe Dienstleister wie IT- oder Unternehmensberatungen spürten demnach die fehlenden Aufträge aus der Industrie.

"Auch viele Privathaushalte halten sich aufgrund der weiterhin hohen Inflation mit Aufträgen zurück", sagte Demmelhuber. Im Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima stark eingetrübt. "Die Branche bewertete vor allem die momentane Situation deutlich schlechter, aber auch für die Zukunft sind die Unternehmen pessimistischer als im Vormonat", erklärten die Münchner Forscher. Auch die Stimmung in den Chefbüros der kleinen und mittleren Unternehmen ist im Juni eingebrochen.

Das Barometer für das Geschäftsklima sank um 5,4 auf minus 11,8 Punkte, wie die staatliche Förderbank KfW kürzlich mitteilte. "Der kurzzeitige Konjunkturoptimismus vom Frühjahr ist verflogen", kommentierte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib die Entwicklung. "Stattdessen befindet sich die deutsche Wirtschaft gerade in einer Art Schwebezustand."

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