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Nachruf auf Gerry Weber:Er liebte Mode

Gerhard Weber (GER/Vorstandsvorsitzender Gerry Weber International AG) in einem Showroom in Düsseldorf

Gerhard Weber in einem Showroom in Düsseldorf: Anfang 2019 muss das Unternehmen Gerry Weber Insolvenz anmelden.

(Foto: Jürgen Schwarz/imago)

Der Unternehmer aus Halle in Westfalen stand für Mode und ganz großes Tennis. Dann musste Gerhard Weber mit ansehen, wie sein Lebenswerk zerfiel.

Von Elisabeth Dostert

Gerhard Weber machte nicht nur Mode, er liebte Mode. Schon mit 23 Jahren verkauft er Hemden. 1973 gründet er gemeinsam mit Udo Hardieck, der im Sommer 2018 starb, die Hatex KG, aus der später die Firma Gerry Weber wird. Anfangs vertreiben sie Damenhosen und Weber macht dabei vieles früher als andere: Er weiß, wie wichtig es ist, eine Marke zu sein. 1986 verpflichtet er die damals 17-jährige Tennisspielerin Stefanie Graf als Markenbotschafterin.

Er holt ein ATP-Turnier in die Provinz, an den Stammsitz der Firma in Halle in Westfalen. Tennisgrößen wie der Schweizer Roger Federer spielen dort. Und im Stadion, das nach der Firma benannt ist, treten Weltstars wie Whitney Houston, Elton John und Luciano Pavarotti auf. Auch das Geschäft an sich treibt Weber weiter: der Konzern ist zunehmend nicht nur Hersteller und Großhändler, sondern auch Einzelhändler. 1989 geht Gerry Weber an die Börse, die Familie bleibt der größte Einzelaktionär. Immer neue Läden in besten Lagen macht das Unternehmen auf. Vielleicht macht Erfolg blind, jedenfalls beginnt damit das Problem. Denn nun sind Geschäftskunden verärgert, die vom Konzern Ware beziehen - der nun Konkurrent ist.

Weber hat auch das Gespür verloren, was die Kaufgewohnheiten anbelangt: Er macht noch Läden auf, als der Online-Handel schon floriert. Die Konkurrenz, Zara etwa, agiert geschickter. Aber auch allein über den Preis will Weber nicht gehen: Mode war für ihn nie Schund. Im Sommer 2014, nach mehr als vier Jahrzehnten an der Firmenspitze, wechselt der Gründer in den Aufsichtsrat. Sein Sohn Ralf darf ein paar Monate später ran. "Wir waren in Deutschland überdistribuiert", sagt er. Eine leise Kritik - aber in vielen seiner Sätze schwingt Bewunderung für den Vater mit, den er als detailverliebt beschreibt. Doch das Gespür der Familie für die Modetrends altert.

Anfang 2019 muss Gerry Weber Insolvenz anmelden, wie viele deutsche Modemarken zuvor. Einige Monate später übernehmen andere das Unternehmen, allen voran an die Beteiligungsfirma Robus Capital. Ob die anderen seine Marke wieder zu altem Glanz führen können - Gerhard Weber wird es nicht mehr erleben. Der Mitgründer des Modekonzerns starb in der Nacht zum 24. September im Alter von 79 Jahren.

© SZ/hm

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