bedeckt München 23°
vgwortpixel

General Electric:Vorbild Trapattoni

Ferdinando Beccalli-Falco soll dem amerikanischen Unternehmen General Electric neuen Schwung geben. Er ist zuversichtlich - dabei will er ausgerechnet dorthin, wo der Rivale Siemens Platzhirsch ist.

Er hat bei Jeff Immelt nachgefragt warum ausgerechnet er, ein Italiener, die deutsche Mannschaft führen soll. Der Mann an der Spitze des amerikanischen Mischkonzerns General Electric, so erzählt es Ferdinando Beccalli-Falco, versteht zumindest so viel vom Fußball europäischer Spielart, dass ihm Giovanni Trapattoni in den Sinn kam.

Ferdinando "Nani" Beccalli-Falco

Vorbild Trapattoni: Der Italiener Ferdinando Beccalli-Falco leitet seit Jahresanfang das Deutschlandgeschäft von General Electric.

(Foto: ge)

Der, so habe Immelt dem Manager entgegnet, habe doch auch eine deutsche Mannschaft zum Erfolg geführt. Er hoffe, sagt Beccalli-Falco in betont bescheidenem Ton, dass Immelt dabei an Trapattonis Zeit beim FC Bayern München gedacht habe - und nicht an die weniger glorreichen Stunden, die später als Trainer beim VfB Stuttgart folgten.

Beccalli-Falco, der seine Karriere 1975 bei GE in den USA begonnen hat, weiß wohl, dass keine leichte Aufgabe vor ihm liegt. Deutschland ist nach Indien das zweite Land, in dem der vom Glühbirnenerfinder Thomas Edison gegründete Traditionskonzern, ein Experiment wagt: Es gewährt dem Management vor Ort Entscheidungsfreiheit. Das soll helfen, besser und schneller auf die Wünsche von Kunden einzugehen - und GE fernab des schwächelnden Heimatmarktes einen starken Stand verschaffen.

"Wir sehen hier nicht die üppigen Wachstumsraten, die in Schwellenmärkten zu erzielen sind", sagt Beccalli-Falco. "Aber wir begreifen Deutschland als Schlüsselmarkt für Hochtechnologie." Nicht zuletzt in der Finanzkrise habe sich Deutschland als Anker erwiesen.

Beccalli-Falco, Jahrgang 1949, ist so etwas wie der Leiter dieses Experiments. Das, was ihm dazu in seinem neuen Büro in Frankfurt zu Verfügung steht, ist recht ordentlich: 56 Millionen Euro will GE in den nächsten 15 Monaten investieren, um Verwaltung und Vertrieb in Deutschland auszubauen, weitere 30 Millionen sollen in den nächsten zwei Jahren in die Forschung fließen.

Doch die Ziele von Beccalli-Falco sind ambitioniert: Der Konzern schlüsselt seine Bilanz zwar nicht nach Ländern auf. Aber innerhalb Europas, wo der Umsatz im vergangenen Jahr bei 32 Milliarden Euro lag, soll Deutschland den größten Brocken liefern. "Das geht nur, wenn wir den Umsatz in den nächsten fünf Jahren verdoppeln", sagt Beccalli-Falco.

Und das geht nur, das sagt er natürlich nicht laut, wenn GE es mit Siemens aufnimmt. Der Münchner Konzern ist der stete Rivale: Man konkurriert auf dem Feld der Medizin- und der Lichttechnik, bei Gasturbinen und Flugzeugmotoren, bei Haushaltsgeräten und grünen Technologien.

Und auch wenn die Amerikaner bei Umsatz und Börsenwert noch die Nase vorn haben, so hat Siemens doch ganz gut aufgeholt. Nun drängt GE also mit aller Kraft auf dem Heimatmarkt von Siemens vor, so wie sich Siemens längst auf das traditionellen Revier von GE breit gemacht hat.