Galeria-Insolvenz:Der Mann von der Intensivstation

Galeria-Insolvenz: Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus will die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof aus der Intensivstation holen.

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus will die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof aus der Intensivstation holen.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Als vorläufiger Insolvenzverwalter soll Stefan Denkhaus bei Galeria Karstadt Kaufhof retten, was zu retten ist.

Von Uwe Ritzer, München

Von Stefan Denkhaus stammt der Satz, eine Insolvenz sei "so, wie wenn man ins Krankenhaus muss". Soll heißen: unangenehm, aber hilfreich und nicht zwangsläufig das Ende. Oder, wie Denkhaus es formulierte: "Man kann auch von der Intensivstation wieder entlassen werden."

Die Frage ist nur, in welchem Zustand der Patient sie wieder verlässt. Sie stellt sich auch beim schwer angeschlagenen Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof. Als vorläufiger Insolvenzverwalter soll Stefan Denkhaus nun Galeria retten; im Idealfall komplett, tunlichst aber einen maximal großen Teil der Warenhauskette mit ihren 92 Filialen und - inklusive Teilzeitkräften - gut 15 000 Beschäftigten. Dass das Essener Amtsgericht dem Anwalt mit Büros in Hamburg und Essen diese Aufgabe übertragen würde, zeichnete sich in den vergangenen Tagen ab. Und doch ist seine Berufung eine Überraschung.

Galeria Karstadt Kaufhof wäre für jeden Insolvenzverwalter eine ziemlich komplexe Herausforderung angesichts der vielfältigen, nur schwer durchschaubaren und letztlich für die Schieflage wesentlich verantwortlichen Verflechtungen mit dem maroden Mutterkonzern, René Benkos Signa. Es ist im Übrigen die dritte Galeria-Insolvenz binnen drei Jahren und das bizarrerweise in einer Phase, in der sich das Unternehmen im Tagesgeschäft einigermaßen gefangen hat. Als vorläufiger Insolvenzverwalter muss Denkhaus dem Gesetz folgend einen Kassensturz vornehmen, Gläubigerforderungen sortieren und ausloten, wie die Chancen für einen Fortbestand von Galeria sind und unter welchen Umständen.

Überlebt der Patient? Und in welchem Zustand?

Der bekennende HSV-Fan gilt als erfahrener Insolvenzexperte. Einer, der ihn aus der Nähe kennt, beschreibt Denkhaus als distanziert und kühl, durchsetzungsstark und Teamplayer. Nach dem Studium in den 1990er-Jahren in Bonn heuerte der Fachanwalt für Insolvenzrecht zunächst in Schwerin und später in Hamburg bei Kanzleien an. 2006 gehörte er zu den Gründungspartnern der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen.

Die fachliche Qualifikation von Denkhaus ist also unbestritten. Andererseits bringt er keine Erfahrungen aus einem Verfahren bei einem auch nur annähernd mit Signa vergleichbaren Handelsunternehmen mit. Und sieht man von eher beratenden und begleitenden Tätigkeiten im Zuge der Insolvenzen von Air Berlin, des ostdeutschen Agrarkonzerns KTG ab, war Denkhaus' Radius bis dato vor allem Norddeutschland. Als Insolvenzverwalter von Hamburgs größter Bäckereikette Dat Backhus, des Bootsausrüsters AWN, der Brauerei Joybräu oder bei der Flensburger Werft FSG, an deren Verkauf an den schillernden Investor Lars Windhorst er als Generalbevollmächtigter 2020 beteiligt war. Gemessen an diesen Verfahren ist Galeria ein anderes Kaliber.

Es gibt dort viele Menschen, die mit bangen Gefühlen hoffen, dass Denkhaus erfolgreicher arbeitet als Arndt Geiwitz. Das Wirken des letztmaligen Insolvenzverwalters von Galeria vor einem Jahr erscheint vielen Insidern und Beobachtern in der Gesamtbetrachtung in einem immer trüberen Licht. Geiwitz wird für hohe Mieten mitverantwortlich gemacht, unter denen Galeria ächzt. Mietzahlungen an die Signa von Benko, wo Geiwitz Ende 2023 als Sanierer gehypt wurde, nur um jetzt zu erklären, er habe dort niemals gearbeitet.

Geiwitz und Denkhaus kennen sich gut, nicht zuletzt aus dem Gravenbrucher Kreis, einem Zusammenschluss von 19 aktiven und zehn passiven Vertretern deutscher Großkanzleien. Vor knapp einem Jahr wurde Stefan Denkhaus dort zum Vorsitzenden gewählt. Als Nachfolger von Lucas Flöther, von dem viele erwartet hatten, dass er gegebenenfalls der neue, vorläufige Insolvenzverwalter von Signa werden würde. Sie ist eben klein und überschaubar, die Szene jener Insolvenzverwalter mit ausreichenden Ressourcen für Großverfahren wie bei Galeria. Lukrativ ist das Geschäft allemal; als Honorar winkt ein stattlicher zweistelliger Millionenbetrag. Mindestens.

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