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Forstwirtschaft - Osthausen-Wülfershausen:Experten schlagen Alarm: 85 Prozent der Bäume sind krank

Osthausen (dpa/th) - Thüringens Wäldern geht es so schlecht wie zuletzt vor 30 Jahren. Trockenheit und Borkenkäferbefall hätten dazu geführt, dass nur noch 15 Prozent der Bäume gesund seien, sagte Forstministerin Birgit Keller (Linke) am Dienstag in Osthausen (Ilm-Kreis) bei der Vorlage eines vorläufigen Waldzustandsberichts. "Das Klima sorgt bei vielen Pflanzen für einen enormen Stress." Die Situation sei dramatisch.

53 Prozent der Bäume seien stark geschädigt, 32 Prozent zeigten leichtere Schäden. Die Landesregierung startete eine Aktion "Thüringen pflanzt" und hofft, dass sich möglichst viele Thüringer beteiligen. Ziel seien Mischwälder, die dem Klimawandel besser trotzen könnten als die vielerorts in Thüringen vorherrschenden Fichtenmonokulturen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte, "wir brauchen in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen Euro und 200 Millionen Bäume, damit wir den Wald retten können." In einer solchen Situation seien ungewöhnliche Aktionen wie "Thüringen pflanzt" nötig.

Der Anteil der gesunden Bäume mit intakten Kronen sei so gering wie noch nie seit Beginn der Waldzustandserhebung und vergleichbar mit der Situation Anfang der 1990er Jahre, als die Wälder noch unter dem hohen Ausstoß an Luftschadstoffen litten, heißt es in dem Bericht. "Der Borkenkäferbefall in den Fichtenbeständen stieg dramatisch an und entwickelte sich im Jahresverlauf 2018/19 zu einer Katastrophe."

Von 2018 an bis Ende August 2019 starben rund 2,5 Millionen Bäume durch die Trockenheit, weitere 1,8 Millionen Bäume wurden von Schädlingen zerfressen. Borkenkäfer hatten leichtes Spiel, weil die Bäume durch die zwei trockenen Jahre geschwächt waren, sagten Forstexperten. Auf 22 000 Hektar gebe es dadurch Kahlflächen oder stark gelichtet Waldbestände. Thüringen gehört zu den waldreichen Bundesländern mit insgesamt 550 000 Hektar Wald.

Nach dem Bericht sind 18 Prozent der Nadelbäume gesund, bei den Laubbäumen seien es sogar nur noch 8 Prozent. Besonders der Zustand der Buchen habe sich verschlechtert. Thüringen hat einen großen Bestand an Buchen, der Nationalpark Hainich mit seinen Buchenbeständen gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe.