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Flugzeugbau:Wie Airbus die Konkurrenz austrickst

FILE PHOTO - Bombardier CS300 aicraft takes off to participate a flying display as Airbus A380 waits on the taxiway during the 51st Paris Air Show at Le Bourget airport near Paris

Eine CS300, produziert von Bombardier, hebt ab.

(Foto: REUTERS)
  • Der europäische Flugzeughersteller Airbus übernimmt die Produktion von Kurz- und Mittelstrecken-Fliegern des kanadischen Konkurrenten Bombardier.
  • Zugleich könnte Bombardier den eskalierenden Handelsstreit mit den USA um angeblich illegale staatliche Hilfen Kanadas umgehen.

Der zivile Flugzeugbau steht vor einschneidenden Veränderungen. Der europäische Flugzeughersteller Airbus kündigte in der Nacht auf Dienstag an, die Mehrheit am C-Series-Programm des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen zu wollen. Das ambitionierte Projekt hatte Bombardier an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen waren und Aufträge ausgeblieben waren.

Die Transaktion verändert den Markt drastisch, denn Airbus kann damit sein Portfolio deutlich verbreitern. Die C-Series wird in zwei Versionen mit zwischen 110 und 150 Sitzen angeboten und kann auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt werden. Airbus selbst baut derzeit Flugzeuge ab rund 130 Sitzen bis zur großen A380. Sowohl die A380 als auch das kleinste Airbus-Modell, die A319neo, verkaufen sich aber schlecht. Der aktuelle Marktführer Boeing bietet Maschinen ab mindestens 130 Sitzen an, die sowohl mit Airbus als auch der C-Series konkurrieren. Daneben befinden sich in China und Russland mit der C919 und der MC-21 zwei neue Konkurrenten in Flugtests. Die Maschinen des brasilianischen Herstellers Embraer sind kleiner als die von Bombardier, Boeing und Airbus.

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Bombardier hatte die C-Series mit einem Erstauftrag von Lufthansa 2007 offiziell gestartet. Lufthansa hatte die Entscheidung auch deswegen getroffen, weil sie Airbus und Boeing mangelnde Innovationen bei den bestehenden A320 und 737-Baureihen vorwarf. Seither haben die beiden führenden Hersteller ihre Bestseller mit neuen Triebwerken ausgestattet und konnten so den Markterfolg der C-Series drastisch eindämmen. Gleichzeitig verdoppelten sich nahezu die Entwicklungskosten für Bombardier. Das Projekt konnte nur mit finanzieller Hilfe der kanadischen Regierung sowie der Provinz Québec gerettet werden. So kaufte Québec für eine Milliarde US-Dollar einen Anteil an der C-Series Aircraft Limited Partnership (CSALP), einem eigens für die Rettungsaktion gegründeten Vehikel.

Dieses nutzt nun auch Airbus für den Einstieg: Der Konzern übernimmt einen 50,01 Prozent-Anteil an CSALP. Dafür fließt kein Geld, stattdessen übernimmt Airbus die Verantwortung für Verkauf und Marketing sowie die Beziehungen mit den Lieferanten. Denkbar ist auch, dass künftig Bombardier-Maschinen im Airbus-Werk in Mobile/USA gebaut werden. Damit könnte der eskalierende Streit um angeblich illegale staatliche Hilfen Kanadas für die C-Series umgangen werden, in dem die USA mit horrenden Importzöllen für das Flugzeug drohen.

Schon vor zwei Jahren plante Airbus die Übernahme

Das Geschäft ist aber auch insofern von großer Bedeutung, weil es den Einstieg Chinas in das C-Series-Programm verhindert. Bombardier hatte über Jahre mit Vertretern der chinesischen Regierung und Luftfahrtindustrie sondiert, ob und wie das Land an dem Projekt teilhaben und es finanziell unterstützen könnte. Schon jetzt wird ein Teil des C-Series-Rumpfes in Shenyang gebaut. Angesichts der weiter schlechten Auftragslage für das Flugzeug lag nahe, dass ein Abschluss über kurz oder lang zustande kommen konnte. Für Airbus und Boeing wäre dies aber langfristig sehr gefährlich geworden, denn über das C-Series-Projekt hätte die chinesische Luftfahrtindustrie viel schneller Zugang zu aktueller westlicher Technologie bekommen, als aus eigener Kraft. Der Zuschlag bei der C-Series hätte den Aufstieg Chinas zum ernstzunehmenden Konkurrenten womöglich um Jahre beschleunigt.

Airbus hatte schon einmal vor zwei Jahren ernsthaft erwogen, die C-Series zu übernehmen, hatte sich damals allerdings aus mehreren Gründen letztlich dagegen entschieden. Unter anderem fürchtete das Unternehmen die langen Genehmigungsprozesse.

In der Branche tobt auch seit Jahren eine Diskussion darüber, wie lukrativ das Marktsegment für Flugzeuge zwischen 100 und 150 Sitzen überhaupt noch ist. Noch vor 20 Jahren war der Bereich Kern des A320- und 737-Marktes, doch inzwischen kaufen die Fluggesellschaften fast nur noch die größeren Varianten der Maschinen. Engere Sitzabstände ermöglichen es mittlerweile, bis zu 240 Passagiere in die Jets zu packen. Das Gegenargument lautet, dass Airbus und Boeing nur nicht für das Segment optimierte Flugzeuge im Angebot hatten.

Doch die Krise Bombardiers hat Airbus nun die Gelegenheit eröffnet, einmalig günstig in den Bereich einzusteigen: Die Entwicklungskosten von mehr als fünf Milliarden US-Dollar haben andere bezahlt. Die beiden C-Series-Versionen CS100 und CS300 befinden sich bei Swiss und Air Baltic im Einsatz, der Produktionshochlauf beginnt. Das wirtschaftliche Risiko ist für Airbus also leicht überschaubar. Bombardier, das künftig einen Anteil von 31 Prozent an dem Konsortium halten wird, hat sogar zugesagt, in den kommenden beiden Jahren jeweils 350 Millionen Dollar in das Projekt zu stecken, vor allem, um den Produktionshochlauf zu finanzieren.

© SZ.de/been/hgn
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