Firmen-Übernahme Wie Bayer den Monsanto-Deal einfädelte

Ein Feld mit Monsanto-Getreide in den USA

(Foto: Bloomberg)

Bayer-Chef Werner Baumann erklärt, wie seine Firma zu genverändertem Saatgut steht und warum er sich mit dem Chef des US-Agrarkonzerns Monsanto zum Abendessen in einem Hotelzimmer traf.

Von Varinia Bernau, Leverkusen

Werner Baumann setzte auf eine gute Flasche Rotwein. Der Mann ist seit Mai Chef des deutschen Traditionskonzerns Bayer - und verblüffte die Öffentlichkeit kurz nach Dienstantritt mit der Nachricht, dass er mit dem amerikanischen Saatgutanbieter Monsanto eine Übernahme aushandelt. Vor knapp vier Wochen hat er gemeinsam mit Hugh Grant, dem Chef von Monsanto, den Kaufvertrag unterzeichnet.

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hat Baumann nun Einblick in die Verhandlung gegeben. Das Prozedere, so erzählt es der Manager, ähnelt in gewisser Weise dem Feilschen mit einem Teppichhändler. Baumann musste sich auch mal auf unkonventionelle Dinge einlassen. "Hugh hat mich angerufen und gesagt: 'Lass uns in Chicago Abendessen gehen, aber wir dürfen dort von keinem gesehen werden'", erzählt der Bayer-Mann. Für Baumann war das kein Problem, er gehört selbst in seiner deutschen Heimat nicht zu den Spitzenmanagern, den jeder auf der Straße erkennen würde. Bei Grant allerdings, seit mehr als zehn Jahren Chef bei Monsanto, ist das ganz anders. "Also haben wir im Hotelzimmer an einem kleinen Tisch gesessen, jeder hatte einen Salat, dazu eine Flasche Wein, und haben verhandelt", berichtet Baumann.

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Im September stand der 66-Milliarden-Dollar-Deal. Es ist die größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen jemals gewagt hat. Auch den Taxifahrer, der Baumann damals zur Konzernzentrale von Monsanto in St. Louis brachte, um vor die dortigen Mitarbeiter zu treten, ließ sie staunen. Der habe, erzählt Baumann, ziemlich große Ohren bekommen, als er ihm und seinem Kollegen zugehört hat. "Irgendwann hat er dann gefragt: 'Ey, seid ihr die Jungs von Bayer? Habt ihr die 66 Milliarden Dollar im Kofferraum?'" Der Taxifahrer habe ein gutes Trinkgeld bekommen, versichert Baumann.

Keine genveränderten Pflanzen in Europa

Die Kartellbehörden, die in etwa 30 Ländern noch ihre Zustimmung geben müssen, sind da sicherlich ein größeres Risiko. Monsanto gilt vielen als Inbegriff eines Konzerns, der ethische Bedenken schon immer hinter die Gier nach immer höheren Gewinnen hintanstellte. Ein Konzern, der das Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut groß gemacht hat - und in dem Ruf steht, Bauern in eine Art Abhängigkeit zu bringen, weil er ihnen verbietet, Saatgut selbstständig zu vervielfältigen. Im Interview stellt Baumann nun klar: "Wir wollen Monsanto nicht übernehmen, um genveränderte Pflanzen in Europa zu etablieren." Wenn die hiesige Gesellschaft genverändertes Saatgut ablehne, akzeptiere Bayer dies. "Und wir werden nicht über Umwege versuchen, etwas anderes durchzudrücken."

Der Manager distanziert sich deutlich von Monsantos umstrittenen Methoden und kündigt seinerseits einen anderen Kurs an, sobald der Saatgutanbieter Teil von Bayer ist. "Manches hat sich Monsanto sicherlich auch selbst zuzurechnen", sagte Baumann.

So habe das Unternehmen zu Beginn des Jahrzehnts versucht, die Einführung von genveränderten Pflanzen in Europa gegen große Widerstände voranzutreiben und sei dabei zu wenig auf Bedenken eingegangen. "Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen." Bayer habe hingegen einen partnerschaftlichen Ansatz beim Umgang mit Kunden wie gesellschaftlichen Gruppen. Nach diesem Maßstab werde man auch das kombinierte Saatgutgeschäft führen. Baumann will auch persönlich den Dialog mit Kritikern suchen.

Lesen Sie das ganze Interview mit Werner Baumann - mit SZ Plus:

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