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Finanzindustrie:Deutsche Bank zieht wichtige Geschäfte aus London ab

Die Deutsche Bank veröffentlicht keine Zahlen zu ihrem Clearing-Bereich, sie gilt aber als einer der fünftgrößten Spieler in dem Geschäft mit Zinsderivativen.

(Foto: AP)
  • Die Deutsche Bank verlagert einen Teil ihres Wertpapiergeschäfts von London nach Frankfurt.
  • Zu den Profiteuren gehört vor allem die Deutsche Börse.
  • Der Finanzplatz Frankfurt könnte durch den Schritt langfristig Arbeitsplätze hinzugewinnen.

Die Deutsche Bank bereitet sich auf den Brexit vor: Das Geldinstitut wird neue Euro-Clearing-Geschäfte künftig in Frankfurt abschließen. Das bestätigte die Bank auf Anfrage. Die Entscheidung betreffe aber nicht das bestehende Geschäft, wie zuvor die Financial Times berichtet hatte, betonte ein Sprecher. Es sei praktisch unmöglich, bestehendes Geschäft von der einen auf eine andere Plattform zu verschieben.

Der Schritt ist ein weiteres Signal dafür, dass kontinentaleuropäische Finanzzentren vom Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union profitieren. Bislang wurden Euro-Clearing-Geschäfte - es geht dabei um die Abwicklung des Handels von bestimmten in Euro notierten Wertpapieren - vor allem in London abgewickelt. Das Volumen der Geschäfte beläuft sich der FT zufolge börsentäglich auf bis zu eine Billion Euro.

Unklar ist jedoch, inwieweit diese Geschäfte nach dem Brexit noch über die entsprechenden Abwicklungsstellen in der britischen Hauptstadt laufen dürfen. Sie wären außerhalb des Euro-Raumes quasi dem Zugriff der europäischen Finanzaufsicht entzogen. Verliert London seine Vormachtstellung, könnten nach Einschätzung von britischen Finanzplatzlobbyisten dort bis zu 100 000 Arbeitsplätze verloren gehen.

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Die Deutsche Bank veröffentlicht keine Zahlen zu ihrem Clearing-Bereich, sie gilt aber als einer der fünftgrößten Spieler in dem Geschäft mit Zinsderivativen. Eine Verlagerung von Jobs ist mit dem Schritt nach Angaben der FT zwar zunächst nicht verbunden - es ändert sich lediglich die zuständige Clearing-Stelle.

Die Bedeutung des Schritts gilt trotzdem als wegweisend. Banken und Firmen nutzen in großem Umfang Euro-Derivate, um sich gegen Währungs- und Zinsschwankungen beim Euro abzusichern. Die Abwicklung übernehmen in Europa zum Beispiel die Clearinghäuser der Deutschen Börse, Eurex, oder der London Stock Exchange, LCH. Doch die Gewichte sind höchst ungleich verteilt: Drei Viertel des gesamten Geschäfts laufen bislang über London. Erst im vergangenen Jahr hat die Deutsche Börse eine eigene Plattform eingerichtet, auf der inzwischen 29 Banken angemeldet sind. Im Jahresvergleich hat die Deutsche Börse das Handelsvolumen in dem Bereich verzehnfacht.

Langfristig könnten viele Arbeitsplätze nach Frankfurt wandern

Vor allem spielt der Schritt der Deutschen Bank aber der Deutschen Börse in die Hände, über deren Tochter Eurex die Geschäfte künftig laufen werden. Mit der Zeit könnten durch den Clearing-Umzug daher auch viele andere Geschäfte und damit Arbeitsplätze nach Frankfurt wandern. "Das Thema Clearing war vom ersten Tag nach dem Brexit-Referendum an ganz besonders wichtig für uns", sagt Hubertus Väth, Chef der Lobbygruppe Frankfurt Main Finance. Man dürfe daher die indirekten Folgen einer solchen Verschiebung nicht unterschätzen. In den vergangenen dreißig Jahren seien die Handelssäle weitgehend nach London umgezogen. "Wer das Clearing in Frankfurt stärkt, kann dieses Geschäft vielleicht irgendwann zurückholen", sagt Väth.

Zu Anfang galt Frankfurt als der große mögliche Profiteur des Brexit, auch dank einer Kampagne, die am Tag nach dem Referendum startete. Inzwischen aber zeigt sich: Den einen großen Brexit-Profiteur wird es unter Europas Finanzplätzen nicht geben. Anstatt Tausende Jobs nach Frankfurt umzusiedeln, schaffen Banken und andere Finanzkonzerne jeweils einige Hundert Stellen in Städten außerhalb Großbritanniens: neben Frankfurt auch in Paris, Dublin, Madrid oder Mailand.

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