Mangelnde Kenntnisse über Wirtschaft:Wie effektiv ist Unterricht in Finanzdingen überhaupt?

15 Euro

So viel Taschengeld sollten Jugendliche ab zehn Jahren laut einer aktuellen Empfehlung der Sparkassen monatlich erhalten, um rechtzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu lernen.

Es ist eine heikle Kombination: Unwissende Schüler und Lehrer treffen auf wortgewandte Experten. Und genau da liegt das Problem. Jugendliche in der siebten Klasse haben womöglich noch nie gehört, wie ein Kredit funktioniert. Oder ein Kaufvertrag. Oder eine Rechnung. Kaum jemand bestreitet noch, dass die Schule mehr Wissen über Wirtschaft vermitteln sollte, dass also mehr Kaufverträge, Bankwesen und Finanzmärkte in den Stundenplan gehören. Wer mehr über Finanzen weiß, fällt weniger leicht auf Betrug herein, lässt sich nicht einfach einen Vertrag aufschwatzen und agiert klüger bei der privaten Altersvorsorge. So weit die Theorie.

Allein, in Deutschland hapert es an der Umsetzung: Mal steht Wirtschaft im Lehrplan, mal ist es für einige Jahre ein Fach, mal findet an ausgewählten Schulen testweise Unterricht statt. 16 Bundesländer, vier Schulformen und entsprechend viele Konzepte machen es schwierig, den Erfolg der Bildungsprogramme zu überprüfen. Unübersichtlich sind deshalb auch die Erkenntnisse der Forschung. Wie effektiv ist denn Schulunterricht in Finanzdingen überhaupt? Wie sollte er gestaltet werden? In einer Untersuchung bescheinigten Forscher der Universität München dem Projekt "My Finance Coach" immerhin, dass es wirkt: Schüler, die daran teilgenommen hatten, wüssten signifikant mehr über Finanzen als zuvor und könnten die Risiken von Vermögensanlagen besser einschätzen.

"Weil Kinder das Geld haben und voll naiv sind und einfach kaufen"

Doch das ist eine Momentaufnahme. Grundsätzliche Aussagen sind nur unter Vorbehalt möglich: "Es gibt Grund zu der Annahme, dass verpflichtende persönliche Finanzbildung effektiv sein könnte, um das Wissen von Schülern zu verbessern", sagen die Ökonominnen Annamaria Lusardi und Olivia Mitchell, Expertinnen auf dem Gebiet der finanziellen Allgemeinbildung, vorsichtig in einer 2014 erschienenen Meta-Studie. Den Wissenschaftlern fehlen Experimente, es gibt kaum Vorher-Nachher-Vergleiche oder Kosten-Nutzen-Analysen von Programmen zur Finanzbildung. Nutznießer der unübersichtlichen Lage sind im Zweifel Unternehmen und Verbände.

Umso mehr Verantwortung liegt bei den Schulen. Lehrer Wenzel plädiert nicht nur für Inhalte, die ein offizieller Partner kontrolliert hat. Der entscheidende Punkt ist für ihn die Anwesenheit des Lehrers. Der müsse absprechen, was die Experten lehren und während des Unterrichts das Geschehen beobachten. Der Verein Lobbycontrol, der den Einsatz externer Wirtschaftsexperten kritisiert, geht weiter: Er fordert eine zentrale Monitoringstelle für Unterrichtsunterlagen. "Sie sollte ein Korrektiv sein, das den kritischen Umgang mit Materialien fördert und LehrerInnen mit externem Rat unterstützt", schreibt der Verein in einem Thesenpapier zum Thema.

Noch etwas bleibt zu hoffen: Dass Schüler unterschätzt werden. Als die Dozentin in München fragt, warum es Werbung für Kinder gibt, antwortet eine Schülerin: "Weil Kinder das Geld haben und voll naiv sind und einfach kaufen." Die anderen lachen. Doch dann ist es nicht die Expertin, die diese Sicht widerlegt. Eine Mitschülerin erzählt von Werbung für wetterfestes Haarspray. "Das ist total dumm, wenn es regnet, kann man auch nen Schirm benutzen", sagt sie und stöhnt. Und vermutlich hat am ehesten die Schülerin recht, die während eines Rollenspiels befindet: "Wir Jugendliche sind halt voll kompliziert." Die Debatte um mehr Wirtschaft in der Schule ist es auch.

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