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Bewerben bei der EZB:Jahrelang die gleichen Fragen im Jobtest

Europäische Zentralbank

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

(Foto: Boris Roessler/dpa)
  • Viele Mitarbeiter beschweren sich darüber, wie leicht man bei der Bewerbung um einen Job bei der EZB betrügen könne.
  • Um Bewerber auszusieben, beauftragte die EZB einen externen Dienstleister. Dieser stellte tatsächlich immer die gleichen Fragen, die sich dann herumsprachen.
  • Das ging so weit, dass die Bewerber irgendwann mit Ehrlichkeit nicht mehr weit kamen. Lange tat die EZB nichts, jetzt sucht sie einen neuen Dienstleister.

Den Puls der Europäischen Zentralbank fühlt man am besten im Intranet. Dort gibt es für die 3500 Mitarbeiter ein Forum, in dem die Belegschaft geschützt und anonym Luft ablassen kann. Ein Thema bewegte die Gemüter in den vergangenen Wochen besonders stark. Viele Mitarbeiter erzählten erregt, wie leicht es doch sei, bei der Bewerbung um einen Job bei der EZB zu betrügen. Das liege vor allem daran, weil die Kandidaten den wichtigen Eingangstest ohne jegliche Kontrolle online zu Hause machen dürften.

"Ich kenne Leute, die haben zur Pizza-Party geladen und die Fragen zusammen mit sechs Leuten auf einem großen Bildschirm im Wohnzimmer beantwortet", schrieb einer, der das unkontrollierte Auswahlverfahren als "Schande" bezeichnete. Ein anderer Angestellter wusste, dass die Lösungen dieser immer gleichen psychometrischen Tests in bestimmten Internet-Foren problemlos zu erhalten seien.

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Die Jobs bei der Europäischen Zentralbank sind sehr begehrt. Das Aufgabengebiet in Geldpolitik und Bankenaufsicht ist anspruchsvoll, die Bezahlung attraktiv, und die Kollegen aus vielen anderen EU-Staaten geben dem Arbeitsplatz ein elitäres Flair von Internationalität. Da überrascht es nicht, dass sich mitunter Hunderte Bewerber um eine Stelle streiten. Naheliegend also, dass die Personalabteilung früh aussieben möchte. Also beauftragte man dafür im Jahr 2014 einen externen Dienstleister, bei dem EZB-Bewerber einen umfassenden Fragenkatalog beantworten mussten. Das Ergebnis entschied über die Eignung des Bewerbers. Doch leider sprachen sich die Fragen und Antworten dieses Tests im Lauf der Zeit herum.

Beim Betriebsrat gab es schon vor zwei Jahren Zweifel an dem Verfahren. Die Arbeitnehmervertreter informierten die Personalabteilung und die Chefinnen der EZB-Bankenaufsicht, Danièle Nouy und Sabine Lautenschläger. Doch nichts passierte.

Erst vor einigen Tagen, nachdem der Ärger im Intranet riesig geworden war, reagierte die Notenbank auf den jüngsten Bewerbungsprozess. "Die EZB hat einige der Testergebnisse annulliert, nachdem Unregelmäßigkeiten ans Licht gekommen sind", teilte die EZB auf Anfrage der SZ mit. "Die EZB bedauert die Konsequenz für Kandidaten, die den Test in gutem Glauben gemacht haben."

Die Angelegenheit ist brisant, weil die Personalabteilung den umstrittenen Auswahlprozess so lange hat laufen lassen. In vielen Kandidatenkreisen war die Kontrolllücke ein offenes Geheimnis. Einige nutzten das wohl aus. Sie bewarben sich online unter anderem Namen auf die Stelle, um unter falscher Identität die Testfragen zu erfahren. Dann besorgte man sich die Antworten. Im Intranet heißt es, die Tests seien zumindest in den vergangenen zwölf Monaten stets identisch gewesen. Mit dem Wissensvorsprung bewarb man sich dann erneut unter richtigem Namen und hatte so gute Chancen die erste Hürde zu nehmen. Später folgen stets weitere Tests und ein Bewerbungsgespräch, in dem schlechte Kandidaten ausscheiden. Das Problem war nur: Geeignete "ehrliche" Bewerber erreichten gar nicht in die zweite Runde, weil die unehrlichen Kandidaten alle richtigen Antworten zum Test kannten.

Manche Bewerber kamen in Gewissenskonflikte. Sie mussten befürchten, dass die eigene Ehrlichkeit den Weg auf die Shortlist verbauen könnte. Wenn sich ein Bewerber allerdings die Lösungen vorab beschafft hatte, dann wusste er, dass er die ethischen Standards seines künftigen Arbeitgebers verraten würde. "Ein fairer Rekrutierungsprozess und Leistung sind Grundpfeiler für die Legitimität unserer Institution", sagte Emmanuel Larue, Präsident der Gewerkschaft bei der Notenbank, IPSO. "Betriebsräte hatten die EZB über die Risiken des Betrugs im Bewerbungsprozess informiert. Jetzt bezahlt die Notenbank den Preis dafür, nicht hingehört zu haben." Nun hat die Personalabteilung versprochen, man suche für die psychometrischen Eingangstests einen neuen externen Anbieter mit "besseren Sicherheitsvorkehrungen."

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