bedeckt München
vgwortpixel

Ex-Manager im Streit mit Solar Millennium:Hässliche Vorwürfe stehen im Raum

Unter anderem hätten sie ihn mit einem gefälschten Business-Plan geködert, der eine Vielzahl von angeblich laufenden Projekten suggeriert habe, von denen es in Wirklichkeit so gut wie keines gab. Auch sei die tatsächliche geschäftliche Situation geschönt worden. Statt prognostizierter 89 Millionen Euro Gewinn im Geschäftsjahr 2009/2010 waren es nur 700.000. Der Umsatz lag bei gerademal 73,2 Millionen. Die Firma bestreitet jedweden Bluff. Der Businessplan sei gar kein Businessplan gewesen.

Claassen beziffert seinen Schadenersatzanspruch nach Angaben seines Sprechers auf bis zu 200 Millionen Euro. Es gehe ihm aber nur in zweiter Linie um Geld. Nach der Entschuldigung des Aufsichtsratsvorsitzenden Pflaumer im Gerichtssaal, fordere Claassen "in erster Linie eine Klarstellung, dass er professionell und in gutem Recht gehandelt hat", so der Sprecher.

Claassens Anwalt Sebastian Melz bedauerte, dass der Vergleichsvorschlag an die Öffentlichkeit gelangte. "Jede Verletzung der Vertraulichkeit gefährdet einen Vergleich." Ein Sprecher des Aufsichtsrates von Solar Millennium begrüßte auf Anfrage "die intensiven Vergleichs-Bemühungen des Gerichtes." Man werde dessen Vorschläge eingehend prüfen.

Für das Unternehmen wäre ein Vergleich und damit das schnelle Ende des öffentlichkeitswirksamen Prozesses womöglich erstrebenswert. Andererseits wäre Schadenersatz für Utz Claassen und allein das bloße Eingeständnis, dass dieser bis hin zu seiner Kündigung rechtmäßig gehandelt hat, ein neuerliches Fiasko in einer langen Kette an immer neuen Debakeln bei Solar Millennium.

Dort herrscht seit geraumer Zeit an der Spitze ein munteres Kommen und Gehen; jüngst verabschiedeten sich Vorstandschef und Finanzvorstand. Mit dem Verkauf der US-Sparte verabschiedete man sich nicht nur vom bisherigen Kerngeschäft, sondern auch von seinem Renommierprojekt: In der kalifornischen Wüste wollte man nicht weniger als das größte Sonnenkraftwerk der Welt bauen.

Stattdessen durchleuchten Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht Bafin das Geschäftsgebaren bei Solar Millennium. Hässliche Vorwürfe wie Untreue und Insiderhandel stehen im Raum. Letzterer richtet sich gegen Hannes Kuhn, Firmengründer und bis vor kurzem mächtiger Aufsichtsrat. Er soll mit Aktien spekuliert haben, wohl wissend, dass Claassens bevorstehendes Engagement als Vorstandschef ein Kursfeuerwerk auslösen würde. Das tat es dann auch. Ob überhaupt, und wenn ja, wie viel Geld Kuhn damit illegal verdient hat, prüfen gerade Staatsanwaltschaft und Bafin.