Streik:Das fordern die Eurowings-Piloten

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Streik: Eurowings-Maschinen am Boden: Am Donnerstag werden wohl einige Flugzeuge der Airline nicht abheben.

Eurowings-Maschinen am Boden: Am Donnerstag werden wohl einige Flugzeuge der Airline nicht abheben.

(Foto: Marcus Brandt/dpa-tmn)

Zu viele Flugstunden und hohe Arbeitsbelastung: Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit will deutlich bessere Arbeitsbedingungen für die Piloten. Am Donnerstag soll mitten in den NRW-Herbstferien gestreikt werden.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Als vor einigen Wochen der Konflikt zwischen Lufthansa und ihren Piloten auf seinen vorläufigen Höhepunkt - sprich Streik - zulief, gab es unter den Mitarbeitern Debatten über die Ziele: mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen? Am Ende legte Lufthansa knapp 1000 Euro monatlich pro Pilot drauf und entschärfte die Lage nach einem Streiktag zumindest für den Moment. Bei der Konzerntochter Eurowings stehen nun die Arbeitsbedingungen im Fokus. Und es wird wieder gestreikt. Seit Wochen hatten sich die Auseinandersetzungen zugespitzt.

Nach zehn Verhandlungsrunden, die aus Sicht der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nicht zu einem akzeptablen Ergebnis geführt haben, rief diese ihre Mitglieder für den Donnerstag zu einem eintägigen Streik auf. "Es reicht nicht, am Verhandlungstisch zu sitzen - man muss auch Lösungswillen mitbringen und Gegenforderungen nicht als Angebot präsentieren", sagt VC-Tarifvorstand Marcel Gröls. Eurowings hatte für Donnerstag, den dritten Tag der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen, eigentlich rund 500 Flüge geplant. Nur rund die Hälfte davon werden nun nach Angaben des Unternehmens tatsächlich stattfinden.

Die Ruhezeiten für Piloten sind derzeit kurz

Die Gewerkschaft beklagt, dass der Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt, seit 2015 unverändert blieb. Das Management reize aber die zulässigen Flugstunden der Piloten bis zum Maximum aus, in der Folge seien die Ruhezeiten gering. Die Arbeitsbelastung sei erheblich gestiegen, dies könne kein Dauerzustand sein, so die Gewerkschaft. Das ist nur ein Teil des Problems. Eurowings hat wie die meisten anderen Airlines nach dem Einbruch in der Corona-Pandemie schwer damit zu kämpfen, die hohe Nachfrage zu bewältigen. Da die Airline viele Ferienziele bedient, flog sie vor allem im vergangenen Sommer am Limit.

Eurowings selbst hält die Forderungen der VC für überzogen. "Trotz zweier anstehender Gehaltserhöhungen in den nächsten vier Monaten von deutlich mehr als zehn Prozent fordert die VC 14 zusätzliche freie Tage im Jahr sowie eine Absenkung der maximalen Wochenarbeitszeit um fünf Stunden", beklagt Eurowings-Personalchef Kai Duve. "Das ist in Zeiten, in denen sich Millionen Menschen vor einem kalten Winter und der nächsten Heizkostenrechnung fürchten, nicht nur maßlos." Duve behauptet, Eurowings könne 20 Prozent ihrer aktuellen Flüge nicht mehr wirtschaftlich betreiben, wenn sich die VC mit ihren Forderungen durchsetzen würde. Die Airline habe bei der Freizeit viele Verbesserungen angeboten, die Arbeitsbedingungen gehörten bei den Airlines im innereuropäischen Direktverkehr schon jetzt zu den besten.

Eurowings hat allerdings das gleiche Problem wie die Muttergesellschaft Lufthansa und viele andere Airlines: Die Piloten befinden sich derzeit in einer äußerst starken Verhandlungsposition, denn es gibt aktuell zu wenige, um die vielen Flüge durchführen zu können. Die Eurowings-Crews können es sich übrigens leisten, sich auf die Arbeitsbedingungen zu fokussieren: In einer früheren Runde hatten sie mit dem Unternehmen im Vergütungstarifvertrag einen automatischen Inflationsausgleich vereinbart, als die Teuerung noch kein großes Thema war.

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