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Luftfahrt:Was die Lufthansa mit Eurowings vorhat

Eurowings

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Eurowings rollt am Düsseldorfer Flughafen über das Vorfeld an parkenden Flugzeugen vorbei. Der Preiskampf unter Europas Billigfliegern lässt die Lufthansa-Tochter Eurowings nicht profitabel werden.

(Foto: dpa)
  • Eurowings wird massiv verkleinert. Die Fluggesellschaft, bei der die Lufthansa die Kontrolle hat, wird bald keine Langstrecken mehr fliegen.
  • Eurowings rechnet sich nicht: Die Fluggesellschaft sollte in diesem Jahr eigentlich keinen Verlust mehr schreiben, das tut sie aber enorm.
  • Brussels Airlines sollte eigentlich in Eurowings integriert werden, doch daraus wird nichts. Brussels muss nun selbst sparen.

Auch heute noch, knapp zwei Jahre nach dem Kollaps von Air Berlin, ist Carsten Spohr sich sicher. "Wir mussten es machen," sagt der Lufthansa-Chef. Lufthansa habe keine andere Wahl gehabt, als möglichst große Teile des ehemaligen Konkurrenten zu übernehmen, auch wenn dies viel Geld kosten und Gewinne beim Ableger Eurowings vorerst verhindern würde. Doch nun, mehrere Gewinnwarnungen später, und Besserung ist kaum in Sicht, zieht Spohr bei Eurowings die Notbremse - die Fluggesellschaft wird massiv verkleinert.

Der Konzernchef nutzte seinen Auftritt beim ersten Kapitalmarkttag seit 2011, um die Analysten davon zu überzeugen, dass er bei Eurowings nun endlich durchgreift. Erst in der vergangenen Woche war die Sparte der Hauptgrund für die jüngste Gewinnwarnung geworden - anstatt bis zu drei Milliarden Euro erwartet der Konzern nun nur noch einen operativen Gewinn von zwei bis 2,4 Milliarden Euro, die Aktie hat seither mehr als zehn Prozent ihres Wertes eingebüßt. Eurowings sollte in diesem Jahr eigentlich keinen Verlust mehr schreiben, nun wird bis auf Weiteres ein erhebliches Minus erwartet.

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"Es ist Zeit für das nächste Kapitel", so Spohr - und das Kapitel wird in den nächsten zwei bis drei Jahren für Eurowings schmerzhaft. Die Sparte muss sich aus dem Langstreckengeschäft zurückziehen, das sie gerade erst unter großem öffentlichen Getöse aufgezogen hat. Die Marke wird zwar auf Interkontinentalflügen erhalten bleiben, aber die kommerzielle Steuerung geht vollständig an Lufthansa, die Flüge werden von Sun Express und Brussels Airlines bedient. Wo Eurowings draufsteht, ist nicht mehr Eurowings drin. Lufthansa will die Marke dennoch weiter für Flüge zu Ferienzielen etwa in der Karibik nutzen, die sie mit den eigenen Maschinen nicht profitabel anbieten kann.

Die belgische Konzerntochter Brussels Airlines sollte bislang bei Eurowings integriert werden und im Europaverkehr auch ihre eigene Marke aufgeben - der Prozess ist nun gestoppt. Brussels bleibt eigenständig, darf ihren Namen behalten und wird künftig von Harry Hohmeister beaufsichtigt, der die Kernmarke Lufthansa leitet. Dass Lufthansa Brussels Airlines als Name aufgeben wollte, hatte in Belgien für großen Ärger gesorgt. Unter anderem hatte der Konzern den ehemaligen Brussels-Airways-Chef Bernard Gustin geschasst, der die Integration bei Eurowings über Jahre bekämpft hatte. Ein Jahr nach seinen unfreiwilligen Ausstieg kommt nun die Kehrtwende.

Brussels Airlines selbst soll sich nun ihrem eigenen Sparprogramm unterziehen und Details im Spätsommer bekannt geben. Lufthansa will das Unternehmen aber nicht verkaufen.

Eurowings soll sich auf das konzentrieren, wofür sie gegründet wurde: europäische Kurzstreckenflüge. Aber auch diese werden zunächst reduziert. Die Flotte von derzeit 139 Maschinen soll bis 2022 um bis zu 20 Prozent gekürzt werden. Mietverträge mit Drittanbietern wie Tuifly und LGW sollen nicht mehr verlängert werden, laufen aber noch mehrere Jahre weiter.

Eurowings-Piloten sollen künftig viel mehr fliegen und dadurch produktiver werden

Das Konglomerat Eurowings selbst setzt sich aus mehreren Flugbetrieben zusammen, darunter derzeit noch zwei in Deutschland sowie Eurowings Europe in Wien. Künftig soll nur noch ein einziger Flugbetrieb die deutschen Stationen betreiben. Vermutlich dürfte es sich dabei um die ehemalige Düsseldorfer Regionalfluggesellschaft Eurowings GmbH handeln, die auf die günstigsten Kosten je Sitzplatz kommt. Die teure Germanwings soll nun schnell dichtgemacht werden, das hätte allerdings schon längst passieren sollen. Nun gilt die neue Zielmarke 2022.

Die Eurowings-Piloten sollen künftig viel mehr fliegen und dadurch produktiver werden. Bislang kommen sie nur auf 530 Stunden pro Jahr. Bis 2022 soll dies auf 750 Stunden steigen. Damit wären sie auf einer Stufe, ähnlich jener der Kollegen bei den Konkurrenten Easyjet und Ryanair.

Auch bei der Flotte soll viel passieren: Die bis zu 28 Jahre alten Airbus A319 und A320 sollen ausgemustert und durch jüngere Maschinen ersetzt werden. Jets der neuen A320neo-Generation sollen ab 2021 aus Beständen einer großen Lufthansa-Bestellung kommen.

Lufthansa-Chef Spohr: Zukäufe werden in den Medien "überschätzt"

Die Kosten in der Eurowings-Verwaltung sollen um 30 Prozent sinken und damit ein Niveau vergleichbar dem von Easyjet erreichen. Insgesamt hat es sich der Konzern zum Ziel gesetzt, die Sitzplatzkosten bei Eurowings bis 2022 um 15 Prozent zu senken. Frühere Prognosen waren wesentlich ambitionierter und gingen von bis zu 40 Prozent bis 2020 aus, was sich als vollkommen unrealistisch erwiesen hat.

Der Umbau bei Eurowings wirft die Frage auf, wie Lufthansa die Ferienfluggesellschaft Condor integrieren würde, falls sie beim Verkauf den Zuschlag bekäme. Bislang war geplant, vor allem das profitable Condor-Langstreckengeschäft zu nutzen, um Eurowings zu stärken. Mit dem neuen Fokus auf Sanierung könnte das Timing nicht passen, es sei denn, Lufthansa würde Condor wie das Eurowings-Langstreckengeschäft künftig selbst steuern.

Spohr müsste allerdings den Analysten auch noch grundsätzlicher erklären, warum er quasi konzernweit das Wachstum reduziert oder sogar, wie bei Eurowings, ganz stoppt und gleichzeitig an weitere Zukäufe denkt. Angesichts der aktuellen Lage ist es nicht überraschend, dass er die Tonlage beim Thema Übernahmen etwas verändert hat, auch wenn die Condor-Pläne offiziell nicht ad acta gelegt sind: Das Thema Zukäufe werde in den Medien ein bisschen "überschätzt". Finanzchef Ulrik Svensson sagte gar, es sei "unwahrscheinlich, dass wir den Zuschlag für Condor erhalten". Die Integration bei Eurowings sei komplex, die Condor-Flotte alt, die Modernisierung nur mit hohen Investitionen möglich. Lufthansa hatte dennoch ein unverbindliches Angebot für das Thomas-Cook-Unternehmen abgegeben.

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