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Eurowings in Not:Das große Aufräumen

Kleine Flieger, große Probleme: Eurowings legt jede zweite Maschine still, weil die Lufthansa die Kosten im Regionalgeschäft senken will. Etliche Jobs sollen wegfallen.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings mustert mehr als die Hälfte ihrer Flugzeuge aus und wird eine große Zahl von Arbeitsplätzen abbauen. Mit der Entscheidung reagiert das Unternehmen auf Pläne der Lufthansa, in ihrem Regionalverbund aus Kostengründen keine 50-sitzigen Maschinen mehr einzusetzen. Diese Flugzeuge machen einen großen Teil der Eurowings-Flotte aus.

Eurowings, dpa

Eurowings mustert mehr als die Hälfte der Flugzeuge aus und kappt etliche Jobs.

(Foto: Foto: dpa)

Die Dortmunder Regionalfluggesellschaft plant nach eigenen Angaben, 17 Maschinen des Typs Bombardier CRJ200 und zwei CRJ700 (mit 50 respektive 70 Sitzen) Ende März stillzulegen. Eurowings betreibt derzeit 34 Flugzeuge. Laut Eurowings laufen bereits Verhandlungen über einen Sozialplan für die Mitarbeiter. Mehrere hundert der insgesamt gut 1200 Stellen dürften wegfallen, vor allem beim fliegenden Personal.

Die Einschnitte sind ein wesentlicher Baustein des Kostensenkungsprogrammes "Climb 2011", durch das die Lufthansa bis 2011 eine Milliarde Euro einsparen will. Die 50-Sitzer sind nicht mehr profitabel zu betreiben, weil hohe Fixkosten auf eine geringe Anzahl von Sitzplätzen umgelegt werden müssen. Sie sind damit nur bei hohen Ticketpreisen wirtschaftlich, doch die durchschnittlichen Preise sind angesichts der Wirtschaftskrise immer weiter gefallen.

Von der Entscheidung ist nicht nur Eurowings betroffen. Im Regionalverbund sind daneben auch Lufthansa CityLine, Augsburg Airways, Contact Air und Air Dolomiti vertreten. Die fünf Airlines fliegen Nebenstrecken und Zubringerdienste für die Drehkreuze in München und Frankfurt, für welche die Lufthansa-Jets zu groß sind. Die kleinen Unternehmen zahlen ihren Piloten und Flugbegleitern auch erheblich geringere Gehälter als der Mutterkonzern.

Nur der erste Schritt

Bei der CityLine wird ein großer Teilder einst rund 50 Bombardier-Maschinen ausgemustert, die letzten zehn derzeit noch eingesetzten 50-Sitzer verschwinden bis Ende 2011. Bei der Stuttgarter Contact Air geht es um fünf Flugzeuge. Auch Austrian Airlines, die seit dem vergangenen Jahr zum Konzern gehört, will 13 Bombardier-Jets verkaufen. Augsburg Airways muss zwei von 15 Maschinen abgeben, wird aber nach Angaben von Geschäftsführerin Bernadette Rampl keine Stellen streichen. Die italienische Lufthansa-Tochter Air Dolomiti darf nach Angaben aus Unternehmenskreisen vorerst mit ihrer bestehenden Flotte weiterfliegen.

Lufthansa CityLine ist unter dem Strich weniger stark betroffen als Eurowings, weil bei ihr neue größere Maschinen die kleinen Regionaljets ersetzen. Insgesamt soll CityLine 20 Embraer-Jets bekommen. Dennoch werden auch bei der zweiten Lufthansa-Regionaltochter Flotte und Zahl der Mitarbeiter um 20 Prozent reduziert.

Der Verzicht auf die 50-Sitzer ist allerdings nur der erste Schritt. In den vergangenen Jahren ist der Regionalverbund mit fünf Anbietern und zahlreichen Überschneidungen immer unübersichtlicher und uneffizienter geworden. So haben zum Beispiel mehrere der kleinen Airlines Stationen an den gleichen Flughäfen eröffnet. Das System soll nun wesentlich effizienter werden. Als de facto beschlossen gilt, dass sie sich künftig stärker auf einzelne Standorte konzentrieren soll. Contact Air wird sich etwa auf Flüge von Stuttgart aus orientieren, Augsburg Airways ist bereits dem Drehkreuz München zugeordnet. Es wird auch diskutiert, ob Wartungsbetriebe zusammengelegt werden sollen.

Zwar sehen die Geschäftsführer Peter Kranich und Joachim Kleine "eine Zukunftsperspektive für Eurowings", wie genau die aussieht, ist jedoch völlig ungewiss.

Diskussion über Fusion

Intern wird bei Lufthansa nach Angaben aus Branchenkreisen auch eine Fusion von CityLine und Eurowings diskutiert. An der Eurowings hält Lufthansa einen Anteil von 49 Prozent, hat aber die Mehrheit der Stimmrechte. Den Billigableger Germanwings hat sie bereits aus dem Eurowings-Konzern herausgelöst. Intern wächst die Kritik daran, dass sich Lufthansa in Deutschland zwei Regionaltöchter leistet, die mit identischen Aufgaben und ähnlichen Kostenstrukturen nebeneinander herfliegen. Neben den beiden deutschen Gesellschaften gehört auch Air Dolomiti zum Konzern, wohingegen Contact Air und Augsburg Airways nur über Kooperationsverträge angebunden sind. Mitarbeiter kritisieren, die Regionalpartner seien "jahrelang gegeneinander ausgespielt worden". Der jetzt beschlossene Abbau sei "Folge falscher Management-Entscheidungen".

Das Ziel, immer größere Flugzeuge bei den Regionaltöchtern einzusetzen, ist ein wesentlicher Hintergrund für den möglichen Streik der Lufthansa-Piloten. Sie befürchten, dass ihre Arbeitsplätze und die ihrer Crews von der Lufthansa zu den Tochterfirmen verschoben werden könnten - wo die Konditionen schlechter sind.