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Europa in der Krise:Es gibt keine Krise des Euro

Die Privatwirtschaft wird in anderen Fällen nicht um Hilfe gebeten, nicht in Irland und nicht in Portugal. Zweitens wollen wir gesunde Volkswirtschaften im Euro-Raum vor den Launen der Märkte schützen. Der befristete Euro-Rettungsfonds EFSF und der von 2013 an gültige permanente Euro-Rettungsfonds ESM dürfen bedrohten Ländern vorbeugend Kreditlinien einrichten. Darüber hinaus sind wir bereit, diesen Ländern Geld zu leihen, falls sie ihre eigenen Banken refinanzieren müssen. Schließlich haben wir den Euro-Rettungsfonds befugt, in außergewöhnlichen Situationen, die von der EZB als solche bewertet werden, auch in sekundäre Märkte einzugreifen.

Als wir diese mutigen Entscheidungen treffen mussten, haben einige Länder ihre traditionellen Standpunkte verlassen und rote Linien überschritten, aus einem einfachen Grund: Der Euro und die Volkswirtschaften der Euro-Länder standen auf dem Spiel. Natürlich haben sich einige diese Schritte schon viel früher in diesem Jahr gewünscht. Aber diese Entscheidungen stellen tiefgreifende Veränderungen in der Politik vieler Euro-Länder dar und sie lösen viele Debatten aus. Schließlich ist wichtig, was am Ende herauskommt.

Selbstverständlich müssen den Entscheidungen alle zustimmen, aber bisher haben wir jedes Mal gezeigt, dass wir gewillt und fähig sind, dies zu tun. Ich bin zuversichtlich, dass die nationalen Parlamente, so sie mitbestimmen dürfen, die neuen Instrumente akzeptieren werden. Unsere Entscheidungen sind deckungsgleich mit den nationalen Interessen. Erstaunlicherweise haben sich die Kosten der Geldaufnahme in einigen Euro-Ländern seit dem Gipfel erhöht. Alle makroökonomischen Grundsätze zeigen in die entgegengesetzte Richtung, eigentlich müssten die Zinsen sinken.

Es kann nicht oft genug betont werden, dass Griechenland eine Ausnahme ist, nicht vergleichbar mit der Lage irgendeines anderen Landes in der Euro-Zone. Italien wird 2011 einen Primärüberschuss erwirtschaften können und mit seinem vor kurzem beschlossenen Sparpaket bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

Spaniens Gesamtschulden sind mit 70 Prozent der Wirtschaftskraft deutlich geringer als die durchschnittlichen Gesamtschulden der europäischen Länder. Außerdem hat die Regierung in Madrid mutige Maßnahmen ergriffen, um die Schulden zu reduzieren und das Wachstum anzukurbeln. In all diesen Fällen ist die momentane Marktbewertung völlig außer Kontrolle geraten, und es ist aberwitzig, dass diese großen Volkswirtschaften in eine Reihe gestellt werden mit solchen Ländern, die beinahe als zahlungsunfähig gelten.

Was wir erleben, ist keine Krise des Euro, sondern eine Schuldenkrise. Nach der Finanzkrise von 2008 sind alle Industrieländer von wachsenden Defiziten betroffen. Betrachtet man die enge Verflechtung der Volkswirtschaften, dann liegt es im gegenseitigen Interesse, dass jedes Land eine maßgeschneiderte Lösung für seine finanziellen Lasten findet.

(Übersetzung: Christoph Giesen)

Griechische Schuldenkrise in Zahlen

Die Eurozone und ihre Sorgenkinder