Euro-Bilanz 2012 Erbittertes Ringen

Der Lohn: Zu keiner Zeit in diesem Jahr war der Euro so begehrt wie im Februar und März, als er seine Jahreshöchststände erreichte. Hinzu kam, dass beim EU-Gipfel der von Deutschland und Frankreich durchgesetzte Fiskalpakt unterzeichnet wurde. Es war der zweite große Schritt 2012. Die Vereinbarung sieht unter anderem eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild vor, die vom Europäischen Gerichtshof überprüft wird. Sie verlangt, dass in der Regel die Neuverschuldung 0,5 Prozent gesamten Wirtschaftsleistung nicht überschreiten darf. Dass soll Regierungen zu Spardisziplin zwingen und Investoren motivieren, Staaten Geld zu leihen.

Doch wie so oft in dieser Krise war die Zuversicht nur von kurzer Dauer. Und so kannte der Euro in den folgenden Monaten nur noch eine Richtung: abwärts. Der tiefe Sturz zog sich bis zum Juli hin, forciert von schlechten Nachrichten, vor allem aus Südeuropa. Die Rezession in Italien und die Bankenkrise in Spanien verschärften sich, in Griechenland scheiterte die Regierungsbildung.

Die Zinsen, die die Euro-Wackelkandidaten für Kredite zu zahlen hatten, schnellten dramatisch in die Höhe. Das EU-Parlament drängte auf schärfere Regeln, um Banken zu beaufsichtigen und regulieren. Anfang Juni präsentierte der Präsident der EU-Kommission dann einen Bankenrettungsplan. In dem Plan ging es vor allem darum, wie Geldhäuser in Notlagen noch gerettet oder - wenn dies nicht klappt - auch abgewickelt werden könnten. Die desolate Lage vieler spanischer Finanzinstitute hatte einmal mehr deutlich gemacht, dass nationale Behörden bei der Beaufsichtigung ihrer Banken oft überfordert waren.

"Es wird ausreichen"

Ende Juli, Anfang August setzte der Euro zu einer eindrucksvollen Rally nach oben an. Doch die war weniger den noch vagen Plänen der EU geschuldet, als einem schmalen Satz von Mr. Euro höchstselbst: Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hatte betont, die EZB werde "im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige" tun, um den Euro zu erhalten. Das war schon für sich genommen eine wichtige Aussage, doch die Lieblingsworte der Finanzmärkte kamen erst danach. Sie lauteten: "Und glauben Sie mir - es wird ausreichen." Womöglich war das der Schlüsselsatz in der Eurokrise im Jahr 2012.

Zugleich wurde den ganzen Sommer über erbittert um den Europäischen Stabilitätsmechnismus (ESM) gestritten. Er sollte als ständiger Rettungschirm den nur behelfsmäßig installierten EFSF ablösen. Doch mehrere Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht drohten die Realisierung des ESM scheitern zu lassen. Als aber die Richter im September ihr Plazet gaben, ging es für den Euro nochmals mit Schwung nach oben. Im Oktober trat der ESM schließlich in Kraft - es war der dritte große Schritt der EU in diesem Jahr. In jenen Wochen erreichte der Euro mit rund 1,30 Euro das Niveau, auf dem er auch jetzt noch liegt.

Der aus EU-Sicht vierte große Schritt - die jetzt erfolgte Einigung auf eine gemeinsame Bankenaufsicht in Europa - blieb hingegen für die Finanzmärkte ohne nennenswerte Bedeutung. Auch wenn Brüssel in der gemeinsamen Aufsicht einen wichtigen Schritt sieht, um das verhängnisvolle Wechselspiel zwischen Bankenpleiten und Staatsverschuldung zu durchbrechen: Für die Finanzmärkte bleibt sie vorerst eine Absichtserklärung.

Darum ist der unveränderte Stand des Euro so symptomatisch für den Stand in der Krise: Es hat sich einiges getan, die Lage hat sich aber noch nicht grundlegend geändert.

Kanzlerin Angela Merkel formulierte das so: "Es liegt noch eine schwere Zeit vor uns." Warum? Weil "die sehr lasche Haushaltsdisziplin über manche Jahre und der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit nicht in kurzer Zeit aufzuholen sind." Damit meint sie vor allem die südeuropäischen Staaten.

Der große Wurf soll nun - mal wieder - im kommenden Jahr stattfinden. Doch was wäre der große Wurf überhaupt? Da zumindest scheinen sich die EU-Politiker einig zu sein: Eine tiefgreifende Reform der Euro-Zone. Einen Teil dieser Reform soll EU-Ratspräsident Herman Von Rompuy vorbereiten, der bis zum Juni 2013 neue Vorschläge ausarbeiten muss. Darin soll es unter anderem um Aktionen und einen Zeitplan zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in der Eurozone gehen. Dazu zählen bilaterale Verträge zwischen einzelnen Staaten und der EU-Kommission, in denen die Umsetzung von Reformen vereinbart wird. Auch die Schaffung eines Solidaritätsfonds, der Staaten in der Krise zugute kommt, die solche Verträge eingehen, soll geprüft werden.

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