Erster Passagierflug des Boeing 787 Dreamliner Verspätung ab Werk

Größere Fenster, bunteres Licht und eine leisere Kabine - der neue Boeing Dreamliner bietet nette Details, das war's dann aber schon. Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen - wenn da nicht dieses eine Versprechen gewesen wäre.

Von Jens Flottau

Stephanie Wood hat tatsächlich einen Anlass für Kritik gefunden. Ihr Problem ist, dass nur eine der Toiletten an Bord des neuen Flugzeuges ein Fenster hat. Und wenn man wie ihr Mann Dean Sitze in der Reihe eins bei einer Internetauktion ersteigert hat, dann muss man auch noch fast bis ganz nach hinten laufen, um die Luxustoilette mit Ausblick benutzen zu können. Ansonsten aber ist die 40-Jährige mit dem Geburtstagsgeschenk ihres Mannes, einem Platz auf dem ersten kommerziellen Flug der Boeing 787, sehr zufrieden. "Dieser Flug ist ein einmaliges Erlebnis".

Sie fliegt: Der erste Boeing 787 Dreamliner ist zu seinem ersten offiziellen Passagierflug gestartet. Einige Passagiere zahlten mehr als 30.000 Dollar, um dabei zu sein.

(Foto: AFP)

Der erste offizielle Passagierflug führte die Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways von Tokio nach Hongkong, wohin die Airline vor 40 Jahren die ersten internationalen Flüge machte. Mehr als 30.000 Dollar bezahlten einige der Passagiere bei der Auktion für einen der begehrten Sitze an Bord des Erstfluges, ungefähr das 50-Fache dessen, was man normalerweise für die Strecke investieren muss. Aber schließlich hat Boeing den Airlines und ihren Passagieren auch Enormes versprochen: Viel leiser soll das Flugzeug sein, der Kabinendruck und die Luftfeuchtigkeit höher als in den bisherigen Jets.

"Die 787 wird neue Standards setzen", so Programmchef Scott Fancher. 821 Maschinen hat das Unternehmen bislang verkauft. Es werden wohl deutlich mehr als 1000 werden müssen, bevor all die Investitionen wieder hereingeholt worden sind, schließlich hat die Maschine viele Milliarden mehr gekostet, als geplant.

Doch während des gut vierstündigen Fluges waren die vielen Pannen in der Entwicklung ausnahmsweise einmal kein Thema. Die Passagiere wollten testen, ob Boeing übertrieben hatte mit der Prognose, der Dreamliner werde die Fliegerei revolutionieren. Die Antwort ist: ein bisschen schon. Die 787 ist aus Passagiersicht in vielen Aspekten besser als seine Vorgänger, aber der Unterschied ist nicht so groß, wie es Boeing ankündigte.

Was in der Kabine auffällt, sind vor allem die großen Fenster. Boeing hat Wert darauf gelegt, die Kabine wesentlich heller zu machen als bisher. Auch die Passagiere auf den unbeliebten Mittelsitzen können nun wenigstens ein bisschen zum Fenster hinausschauen. Schließlich hatten sich die Boeing-Entwickler überlegt, dass sie den Passagieren wieder ein unmittelbareres Gefühl des Fliegens zurückgeben wollten. Wie viel sie allerdings tatsächlich sehen, hängt immer noch von demjenigen ab, der am Fenster sitzt.

Im blauen Licht dem Schlaf entgegen

Über einen Knopf kann man dort einstellen, wie viel Licht noch eindringen kann. Auch die Flugbegleiter können eingreifen und die Fenster auf dunkel stellen. Die Kabinenbeleuchtung ist bunt und so sollen verschiedene Stimmungen erzeugt werden. Bei bläulichem Licht in gedämpfter Atmosphäre lässt sich besser wegdämmern, so das Kalkül.

Der Geräuschpegel in der Kabine ist niedriger als in den meisten anderen Maschinen, und das macht sich wohl vor allem auf den Langstrecken positiv bemerkbar. Allerdings dürfte der Airbus A380 innen noch um einiges leiser sein. Man hätte den 787-Innenraum noch wesentlich mehr gegen Lärm isolieren können, doch das hätte mehr Gewicht bedeutet. Und Boeing hat den Airlines doch versprochen, dass die Maschine 20 Prozent weniger Sprit verbraucht, da zählt jedes Kilo. Trotz aller Verbesserungen ist und bleibt die 787 also irgendwie ein ganz normales Flugzeug, in dem man als Passagier nach einer Weile auf ein gutes Buch, einen guten Film oder einen gesunden Schlaf angewiesen ist.

Dreieinhalb Jahre länger als geplant musste ANA-Chef Shinichiro Ito auf die erste 787 warten, aber am Mittwoch war es so weit und all der Ärger über die Pannen und Verspätungen für den Moment vergessen. Als Ito gefragt wird, ob er nach all den Erfahrungen mit Boeing und dem Dreamliner denn wieder einmal Erstkunde für ein neues Flugzeug sein wolle, muss er breit grinsen und findet gerade noch rechtzeitig die diplomatisch passende Antwort: "Wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, dann ja." Ito kann indes ganz beruhigt sein. So schnell wird die nächste Gelegenheit nicht kommen, schließlich führen Airbus und Boeing nicht jedes Jahr ein neues Modell ein.

Schade eigentlich für Stephanie und Dean Wood. Sie haben es sich nämlich zum Hobby gemacht, an allen möglichen Erstflügen teilzunehmen. Sie waren zuletzt dabei, als Singapore Airlines 2007 als erste Fluggesellschaft die A380 einführte. Auf die nächste Gelegenheit müssen sie mindestens bis 2013 warten, denn dann will Airbus den 787-Rivalen A350 einführen. Vielleicht gibt es dann ja für jede Toilette ein Fenster.

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